Anklage wegen fahrlässiger Tötung der Polizeikommissarin Charlotte B.

Kostenpflichtiger Inhalt: Tod der Polizistin Charlotte B. : Polizei-Kommissar unter Anklage

Der Fahrer des Streifenwagens, in dem die junge Kommissarin Charlotte B. (22) im Februar bei einer Einsatzfahrt starb, muss sich vor dem Saarbrücker Strafrichter verantworten.

Der tragische Unfalltod der jungen Polizeikommissarin Charlotte B. (22), die Mitte Februar bei einer Einsatzfahrt in einem Streifenwagen starb, wird einen Strafrichter am Amtsgericht Saarbrücken beschäftigen. Die Staatsanwaltschaft hat, so ihr Sprecher Dennis Zahedi, gegen den Fahrer des Dienstwagens Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Der 34-jährige Polizeikommissar aus dem Saarpfalzkreis, der seit dem schweren Verkehrsunfall im Saarbrücker Stadtteil Güdingen dienstunfähig erkrankt ist, ist aus Sicht des Staatsanwaltes für den Tod seiner Beifahrerin verantwortlich.

Das Streifenkommando war am Samstag, 16. Februar, früh morgens in der Großblittersdorfer Straße mit Sondersignalen unterwegs in Richtung Landesgrenze. Der Kommissar und seine Kollegin, die auf dem Beifahrersitz saß, suchten in ihrem Mercedes-C-Kombi einen Franzosen, der angeblich stark betrunken am Steuer eines Alfa Romeo nach Frankreich gefahren sein soll. Tatsächlicher Sichtkontakt zu dem Fahrzeug bestand, so das Ergebnis der Ermittlungen, nie. Die französische Gendarmerie konnte den 25-Jährigen wenig später ermitteln. Er stellte sich der deutschen Polizei.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Gutachter zur Klärung der Unfallursache und des genauen Hergangs eingeschaltet. Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass das Streifenfahrzeug bei der Anfahrt auf einen gut sichtbaren Verkehrskreisel auf 152 km/h beschleunigt wurde. Die dort erlaubte Geschwindigkeit liegt bei Tempo 50. Der Staatsanwalt dazu: „Durch die zu spät eingeleitete Gefahrenbremsung konnte der Angeschuldigte nicht verhindern, dass der Funkstreifenwagen zunächst den Kreisel überfuhr und im weiteren Verlauf mit einem Verkehrsschild sowie zwei Laternenmasten zusammen stieß.“ Dem Kommissar wird deshalb konkret vorgeworfen, „vorhersehbar und vermeidbar den Tod der 22-jährigen Polizeibeamtin verursacht zu haben“.

Für Charlotte B., die erst wenige Wochen zuvor die Ernennungsurkunde zur Kommissarin erhalten hatte, kam jede Hilfe zu spät. Sie starb am Unfallort. Die Feuerwehr konnte sie nur noch tot aus dem Wrack bergen. Der Fahrer wurde mit schweren Verletzungen in das Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg gebracht. Er ist seit dem Unfall in therapeutischer Behandlung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat er sich im Rahmen seiner Vernehmung geständig eingelassen. Die Kommissarin und ihr Kollege hatten erst kurz vor dem Unfall ihre Frühschicht in der Inspektion in der Karcher Straße angetreten.

Das Strafgesetzbuch sieht für fahrlässige Tötung eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

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