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Angriffe auf Polizei bei Corona-Party auf Markt in Saarbrücken

400 bis 500 Feierende auf St. Johanner Markt : Saarbrücker OB Conradt verurteilt Angriffe auf Polizei bei Corona-Party

Massive Verstöße gegen Corona-Regeln hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag bei Feiern von 400 bis 500 Menschen auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken registriert. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Landfriedensbruch, Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) verurteilt die Angriffe „auf das Schärfste“.

In der Menge sei eine Gruppe von 30 bis 40 Fans des 1. FC Saarbrücken aufgefallen, die Einsatzkräfte vor Ort lautstark beleidigte und sie mit Flaschen bewarf, wie das Landespolizeipräsidium am Sonntag mitteilte. Diese Personen hätten erst gestoppt werden können, nachdem weitere Einsatzkräfte hinzu gekommen seien.

Angriffe auf Polizei bei Corona-Party auf Markt in Saarbrücken
Foto: Polizei Saarland
<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Weiterhin verstörende Szenen im <a href="https://twitter.com/hashtag/Saarland?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Saarland</a>: <br><br>Saarbrücken, 17.4.2021, Inzidenz 161,3 , 10. Tag Inzidenz &gt; 100.<br><br>Hunderte Menschen stehen bis tief in der Nacht ohne Abstand &amp; Maske vor Bars in der Altstadt. <a href="https://twitter.com/NoCovidSL?ref_src=twsrc%5Etfw">@NoCovidSL</a> <a href="https://twitter.com/robin_urban?ref_src=twsrc%5Etfw">@robin_urban</a> <a href="https://twitter.com/kerstinreese?ref_src=twsrc%5Etfw">@kerstinreese</a> <a href="https://twitter.com/Echt_jetzt_?ref_src=twsrc%5Etfw">@Echt_jetzt_</a> <a href="https://twitter.com/Sybille_Hubig?ref_src=twsrc%5Etfw">@Sybille_Hubig</a> <a href="https://t.co/U2B5RV9dDA">pic.twitter.com/U2B5RV9dDA</a></p>&mdash; SaarlAudioslave (@SaarlAudioslave) <a href="https://twitter.com/SaarlAudioslave/status/1383674530573418498?ref_src=twsrc%5Etfw">April 18, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Auch wenn sich Personen in der Dunkelheit in der Menschenmenge teilweise verstecken konnten: Die Ermittlungen gegen die Rädelsführer liefen auf Hochtouren, teilte die Polizei mit. Angriffe gegen Einsatzkräfte und Polizisten könnten nicht geduldet werden. Das Verhalten der Feiernden auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken werde für eine Vielzahl rechtliche Folgen nach sich ziehen. „Die ersten Ermittlungen laufen“, teilte ein Polizeisprecher auf SZ-Nachfrage am Sonntag mit. Dabei gehe es um tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch und Beleidigung.

1. FCS verurteilt Gewalt

Der Geschäftsführer des 1. FC Saarbrücken David Fischer hat nach Kenntnisnahme der Polizeiberichte der SZ am Sonntag auf Anfrage gesagt: „Wir verurteilen das Thema Gewalt, das versteht sich von selbst.“ Er habe noch keine Informationen darüber, welche Fangruppe sich möglicherweise an den Ausschreitungen am Samstagabend am St. Johanner Markt in Saarbrücken beteiligt haben könnte.

Die Zahl von 30 bis 40 Fans, die die Polizei mit Flaschenwürfen angegriffen haben sollen, erscheine ihm aber sehr hoch, sagte Fischer. „Selbst die Polizei weiß noch nicht, welche Fangruppen beteiligt waren“, erklärte Fischer. Ein Eingreifen des Drittliga-Vereins gegen mutmaßlich beteiligte FCS-Fans sei wegen des „neutralen Ortes“, an dem die Gewaltakte verübt worden sein sollen, juristisch eher schwierig, meinte Fischer.

Oberbürgermeister kündigt genaue Analyse an

Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) nahm am Sonntag zu den Vorkommnissen auf dem St. Johanner Markt Stellung: „Die Angriffe einer Gruppe von 30 bis 40 Menschen auf die Einsatzkräfte der Polizei verurteile ich auf das Schärfste. Sie sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Man werde die Vorkommnisse auf dem Markt, auf dem mehrere hundert Menschen zusammengekommen sind, „in Abstimmung mit der Polizei insgesamt genau analysieren“. Die Pandemie-Lage sei weiterhin ernst. „Offensichtlich wurden geltende Regeln vielfach nicht eingehalten. Das ist verantwortungslos“, teilte Hans weiter mit. Das Ordnungsamt werde „gemeinsam mit der Polizei mögliche Gegenmaßnahmen für die Zukunft prüfen.“

Auch saarländische Landesregierung verurteilt Vorfall

Nach dem Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat auch die saarländische Landesregierung die Vorfälle auf dem St. Johanner Markt „aufs Schärfste“ verurteilt. „Gewalt und Beleidigungen jeglicher Art gegen unsere Einsatzkräfte und die Polizei dulden wir nicht“, erklärte Regierungssprecher Alexander Zeyer am Sonntag. Die Vorkommnisse, „die hauptsächlich aus dem Umfeld der Szene gewaltbereiter Fußball-Anhänger und Corona-Leugnern“ ausgegangen seien, so Zeyer, stellten einen „klaren Verstoß gegen unsere Maßnahmen dar und werden entsprechend geahndet“. Der Regierungssprecher kündigte an, dass die Polizei „in Zukunft mit noch stärkerer Präsenz landesweite Kontrollen durchführen und Verstöße ahnden“ werde. Mit der vom Ministerrat am Samstag beschlossenen Rechtsverordnung werde die Polizei ermächtigt, die nötigen negativen Corona-Tests in der Außengastronomie zu kontrollieren, erklärte Zeyer.

Streit um Fan-Verabschiedung am Ludwigsparkstadion

Über die Vorgänge der Abfahrt des FCS-Mannschaftsbusses zum Drittliga-Derby in Kaiserslautern (FCS verlor am Nachmittag mit 1:2 im Fritz-Walter-Stadion am Betzenberg) am Samstagmorgen gehen die Meinungen auseinander. Die Polizei teilte mit, dass sich rund 400 Anhänger des 1. FCS eingefunden hatten, wobei es kurzzeitig zu massiven Verkehrsbeeinträchtigungen gekommen sei. Die Fans hätten teilweise die Camphauser Straße blockiert und „eine Vielzahl an Pyrotechnik“ gezündet. „Aus Sicherheitsgründen“ sei die Fahrbahn für rund zehn Minuten voll gesperrt worden. Die Aktion soll für eine Vielzahl der anwesenden FCS-Fans Konsequenzen nach sich ziehen, teilte die Polizei weiter mit. Im Nachgang würden Verfahren wegen Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie gegen die Corona-Verordnung eingeleitet.

Angriffe auf Polizei bei Corona-Party auf Markt in Saarbrücken
Foto: Polizei Saarland

Wenig später meldete über die sozialen Medien von saarnews.com die FCS-Fanbetreuung zu Wort. Demnach sei die Sperrung für die Abfahrt des Mannschaftsbusses geplant gewesen und es habe „null Gewalt von Seiten der FCS-Fans“ gegeben. Das Einzige was man einigen vorwerfen könne, sei das Laufen mit brennenden Bengalos durch die Menge und auf die Straße. Da die Camphauser Straße kurzfristig beidseitig gesperrt war, „ist wohl im Vorfeld von Seiten der anwesenden Einsatzleitung damit gerechnet worden“, so die Fanbetreuer weiter. 99,5 Prozent der Fans hätten laut Fanbetreuung einen Mund-Nasenschutz getragen, und der Verein habe „im Vorfeld explizit auf die Einhaltung der Corona-Verordnung“ hingewiesen.

Zu der von der Polizei festgestellten zeitweisen Blockade der Camphauser Straße erklärte FCS-Geschäftsführer Fischer der SZ: „Es ist in geregelten Bahnen verlaufen. Wir haben vorher noch auf die Einhaltung der Corona-Regeln hingewiesen.“ Ein Großteil der FCS-Fans, die ihre Elf vor der Abfahrt nach Kaiserslautern nach Polizeiangaben auch mit dem Abbrennen von Feuerwerk anfeuerten, habe sich auch an die Corona-Regeln gehalten, meinte Fischer. „Leider nicht alle“, räumte der FCS-Geschäftsführer ein. Aber insgesamt sei alles „unter Kontrolle“ gewesen.

Die Polizei teilte auf SZ-Anfrage am Sonntag mit, dass das am Samstagvormittag entstandene Videomaterial in der Auswertung sei.

Polizei appelliert: Corona-Regeln einhalten

Da bisherige Appelle von Teilen der Bevölkerung zur Einhaltung von Corona-Vorschriften nicht beachtet würden, werde die Polizei „nun mit starker Präsenz landesweit Kontrollen durchführen und Verstöße ahnden“, hieß es vonseiten der Polizei am Sonntag. „Bei allem Verständnis für diejenigen die das Frühlingswetter gemeinsam mit anderen an der frischen Luft genießen wollen, wird dringend um Einhaltung der Corona-Vorschriften gebeten“, teilte die Polizei weiter mit.

Mit der neuen Corona-Verordnung ab diesem Montag ist im Saarland die Landespolizei für die komplette Überwachung der Einhaltung der Corona-Regeln zuständig.

JUSOS Saar kritisieren Saarlandmodell

Die saarländischen Jungsozialistinnen und Jungsozialisten kritisierten nach den Vorkommnissen das Saarlandmodell, für dessen Umsetzung die zuständigen Stellen „überfordert“ seien. „Während der Innenminister keine ausreichenden Kontrollen organisiert, fehlt es an der Spitze des Gesundheitsministeriums an Expertise, um die Situation richtig einzuschätzen. Auch gibt es keinerlei wissenschaftliche Begleitung. Es ist an der Zeit, dem ein Ende zu setzen“, teilte Juso-Chefin Kira Braun mit.

(dpa/SZ Redaktion)