Andreas Bourani im Interview vor Konzert in Mannheim über drittes Album

Interview mit Andreas Bourani : Der schwere Weg zum dritten Album

Pop-Musiker Andreas Bourani arbeitet an seinem dritten Album, dem Nachfolger zu „Hey“. Um sich eine Abwechslung vom strapaziösen Texten und Produzieren zu gönnen, spielt er einige Live-Shows, unter anderem am Mittwoch, 30. Mai, 20 Uhr, beim Zeltfestival Rhein-Neckar in Mannheim. Wir haben vorab mit ihm über sein neues Album, den Schaffensprozess und seine Lieblingsmusik gesprochen.

Herr Bourani, das letzte Album „Hey“ ist ja ein bisschen her, 2014. Und Sie haben 2017 in Zweibrücken schon angekündigt, dass Sie an der neuen Platte arbeiten und viel Zeit im Studio verbringen.

BOURANI: Die Zeit vergeht so schnell. Ich bin noch mittendrin im Schaffensprozess und am Schreiben und sehr viel am Komponieren und am Texten. Das ist meine Hassliebe in diesem Job, das Schreiben, das Dichten sozusagen. Ich hatte damals geplant, sofort wieder zu schreiben, habe aber gemerkt, dass das überhaupt nicht funktioniert für mich. Ich muss mich erst verändern, schauen, was ist in meinem Leben los, in die Introspektion gehen. Dann kann ich diese Emotion bündeln und aufschreiben. So habe ich immer gearbeitet.

Weil ich letztes Jahr gar nicht gespielt habe, war mir wichtig, dieses Jahr ein paar Shows zu spielen. Viele Fans fragen, was ist denn mit neuen Songs? Ich habe gesagt, ich würde gerne so acht bis zehn Shows spielen. Und eine davon ist in Mannheim.

Und da wird es auch einige der neuen Stücke zu hören geben?

BOURANI: Nein, es wird genau ein neues Stück zu hören geben. Das hat den Grund, weil ich die Sachen im Studio sehr fragil ausarbeite und sie dann zuerst spiele. Wir sind im Produktionsfortschritt aber noch nicht so weit, dass wir es auch spielen können. Aber deswegen spiele ich einen Song auch vor, um zu kucken, wie die Leute das so finden. Das ist eine ganz gute Möglichkeit live. Sonst spiele ich mein normales Programm, was ich auch schon so aufgeführt hab.

In welche Richtung wird denn das neue Album gehen?

BOURANI: Im Grunde ist es genauso Popmusik. Es ist so, dass man sich als Mensch verändert und immer was dazulernt, wir wachsen täglich an uns selbst, und dementsprechend habe ich einige neue Paradigmenwechsel oder neue Ansichten auf die Dinge versucht, textlich einfließen zu lassen. Und auf der musikalischen Seite ist es das Spannende in meinem Genre, dass man sich ausleben kann, experimentell sein kann. Das hatte ich jetzt bei diesem Album probiert, damit man merkt, zwischen der letzten Platte und dem neuen Album ist Zeit vergangen.

Wie ist der Stand der Arbeiten am Album?

BOURANI: Wir sind mitten im Schaffensprozess, haben praktisch noch nix aufgenommen im Studio, sondern nur vorproduziert und keine Ahnung, was ich da für Instrumente spiele. Ich kann auch nicht sagen, was schwerpunktmäßige Themen sind, weil ich noch ungefähr 20 Lieder schreiben muss um zu sagen, das wird jetzt die Platte sein. Ich habe praktisch erst dieses Jahr angefangen.

Das Album „Hey“ war wie aus einem Guss, steckte voller tiefer Emotionen. Es klang wie der Soundtrack für ein Beziehungsaus, das Verarbeiten und das Neuverlieben. War das beabsichtigt und wie wird das bei dem neuen sein?

BOURANI: So eine Platte ist immer die Aufnahme vom Zeitgeschehen, im Grunde dann auch was in meinem Leben so los ist und war in den letzten Jahren zusammengefasst. Das kommt aus der Sache selbst raus. Im Grunde ist die Antwort ja. Es wird natürlich wieder so ein Album sein, was solche Geschichten zu bieten hat und so eine Tiefe erzählt.

Wie viele Lieder wird es ungefähr umfassen, haben Sie da schon ein Konzept und eine Idee, wie Sie es nennen können?

BOURANI: Eine gute Frage. Wie ich es nennen kann, weiß ich, verrate ich aber nicht. Normalerweise hat ein Pop-Album zwölf Tracks, das wird auch hier so sein. Wenn alle Songs fertig sind, erkennt man am einfachsten, welche Titel so zusammenpassen, dass man sagt, das macht ein rundes Album aus. Manchmal merkt man, es passt nicht. Bei „Hey“ gab es einen Fall. Der Titel „Ein Ende nach dem anderen“ kam relativ spät am Schluss der Platte noch dazu. Eigentlich fällt der musikalisch total raus aus dem ganzen Album, aber der hat dem Album noch eine Würze verpasst. Das kann man erst am Ende entscheiden. Mir ist auch gar nicht so wichtig, wie viele Titel das am Ende sind. Es geht ja mehr um die Intensität. Vielleicht sind es auch zehn Titel, aber am Ende kucke ich, welche Titel sind die stärksten, wo habe ich das Gefühl, es muss unbedingt gehört werden? Und dann stellt man das zusammen.

Wann ungefähr wird es erscheinen? Wird es dieses Jahr noch so weit sein?

BOURANI: Das kann ich gar nicht sagen. Ich gebe das fertige Album meiner Plattenfirma ab und dann sagen die – es gibt noch kein Timing – das geben wir noch diesen Herbst raus oder halt im Januar oder so. Das ist ja heute auch alles viel einfacher und viel schneller. Es wird ja keine CD mehr gepresst. Früher musste es drei Monate Vorlauf haben, damit sie wissen, dass die CD rechtzeitig im Regal steht, und heute werden einfach nur noch Knöpfe gedrückt und dann ist das online. Im Grunde kann man es auch über Nacht veröffentlichen. Vielleicht kommt es sogar noch dieses Jahr.

Dann ein bisschen was zum Grundsätzlichen, zum letzten Album. „Auf uns“ war nicht nur der Song zum WM-Titel sondern wird heute auch öfters etwa bei Hochzeiten benutzt. Wie finden Sie dies?

BOURANI: Ich freue mich darüber. Die Lieder gehören mir ja nicht. Die Leute kennen sie und setzen sie nach ihrem Gefühl ein. Auf dem Standesamt gibt es eine Bestenliste der meistgespielten Songs, und „Auf uns“ ist in dem einen oder anderen Standesamt wohl in den Top-drei der meistgewählten Songs. Da freue ich mich natürlich drüber, wenn die Leute diesen Titel wählen – die meisten empfinden die Hochzeit ja als einen schönen Tag (lacht). Da ist es natürlich toll wenn sie meine Lieder wählen und damit diesen Moment feiern. Mich erreichen auch oft Nachrichten oder ich krieg Briefe, dass Leute in anderen Situationen, in tiefer Trauer zum Beispiel oder in Trauerbewältigung „Hey“ spielen oder auf Beerdigungen das schon lief. Das ist etwas Besonderes. Wenn die Musik das begleitet, das ist ja auch die Aufgabe von Musik., einen im Leben irgendwie zu begleiten. Wir kennen das alle, haben alle unseren Soundtrack of Life, wo man merkt, das ist Musik, die mir immer wieder begegnet, die man immer wieder hört. Manchmal prägt Musik ja ganze Jahrzehnte. Die Neunziger waren das bei mir, da hab ich viel Pop gehört und so. Wenn ich die Musik heute höre, erinnert mich das natürlich auch immer an die Zeit.

Welche Musik hören Sie privat und was sind Stücke, die Ihnen ins Gedächtnis kommen, die Sie begleiten oder begleitet haben?

BOURANI: Ich hab viel The Police gehört, Prince und solche Sachen. Momentan höre ich moderne Popmusik, ganz gemischt. Ich lege manchmal eine Jazzplatte auf oder höre Marvin Gaye, je nach Stimmung – um nur einige zu nennen. Ich habe natürlich früher auch ganz viel Popmusik gehört, in den 90ern auch die großen Diven von Celine Dion, Whitney Houston auch abgefeiert.

Sie sprachen von der Hassliebe beim Texten. Ihre Texte sind ja viel gelobt– wie gehen Sie denn ran an das Texten?

BOURANI: Das ist ein Prozess. Ich merke, das Thema spielt eine Rolle. Zum Beispiel: Ich will was über Freundschaft erzählen und dann merke ich, die Idee poppt immer wieder auf. Da habe ich vielleicht auch eine Zeile zu und darum spinnt sich eine Geschichte. Dann merke ich in meinem Alltag: kuck mal, das passt doch zu der Geschichte. Ich unterhalte mich mit ner Freundin, die erzählt etwas von sich, dass sie sich mit einer Freundin gestritten aber wieder versöhnt hat, weil sie gemerkt hat, das macht alles keinen Sinn, Freundschaft ist wichtig. Dann schreibe ich was dazu auf. Dann sammelt sich das an. Irgendwann habe ich genug für ein Lied. Dann setze ich mich da ran und versuche die Musik einzufangen oder herauszufinden, wie könnte das klingen, wie müsste ein Lied klingen, das von Freundschaft erzählt, und versuche, die Stimmung einzufangen und zu kucken wo mich das hinführt. Aber im Grunde erzählt mir das auch die Musik und das entwickelt eine Eigendynamik, ist eine Reise. Irgendwann wird es struktureller. Dann muss man die Lieder ausformulieren und viel Sitzfleisch haben. Und das nervt manchmal – tierisch.

Sie hätten gerne schon die Platte fertig und wären mit dem neuen Album auf Tour.

BOURANI: Ja, definitiv (lacht). Es sind zermürbende Prozesse. Es ist ein introvertierter Prozess, bei dem ich was lerne. Es ist gut, sich selbst zu beleuchten, wo steht man gerade. Da lerne ich auch sehr viel über mich. Aber ich bin einfach ein Lebemann und muss auf die Bühne, brauche Gesellschaft. Beim Schreiben ist es sehr einsam.

Sind Sie da komplett alleine oder umgeben Sie sich mit Produzenten, mit Freunden, die Ihnen direkt Tipps geben oder bewerten, was Sie geschrieben haben?

BOURANI: Das ist gemischt. Ich spiele schon Sachen an. Am allerliebsten mit Leuten, die mit Musik gar nichts zu tun haben. Wenn Gäste da sind oder Familienmitglieder oder Freunden. Gerade deren Kindern spiele ich das vor, sie sollen sagen, wie sie es finden. Das ist ein ganz klarer Indikator, so ein unverbrauchtes Gehör zu haben. Musiker gehen gleich auf die Basslinie oder ob etwas klar produziert ist, noch nicht richtig gemischt ist. Bei Laien zählt auch die Emotion, ist das gut oder schlecht. Manchmal arbeite ich auch mit meinem Gitarristen zusammen, treffen wir uns und bringen Ideen zusammen, aber ich arbeite auch lieber alleine zuhause oder hab ein Studio in Berlin.

Sie sind bei „The Voice“ ausgestiegen. Warum geschah dies – und ist ein Comeback denkbar?

BOURANI: Ich schließe das nicht aus. Es ist ein tolles Format, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Aber es nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch. Die meisten denken, man setzt sich um 20.15 Uhr am Donnerstagabend auf seinen Stuhl, aber dem ist nicht so. Man ist da praktisch ab Montag von neun bis neun immer an der Mache. Da werden Trailer gedreht und Interviews und Cross-Promotion und das nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch. Da hab ich gemerkt. Wenn ich dieses Format weiter aufrechterhalte, dann schaffe ich dazwischen ganz andere Sachen nicht. Deswegen habe ich es zweimal gemacht und mich zurückgezogen und entschieden, mich wieder rauf Musik zu konzentrieren. Tatsächlich lebt es ja auch von dem Wechsel der Charaktere. Stellen Sie sich vor, es würde acht Staffeln mit den gleichen Leuten geben, das wäre ja langweilig. Es ist spannend, dass da mal eine Yvonne Catterfeld sitzt oder ein Samu Haber und die Fantas und so weiter.

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