Porträt : Amphibienschützer aus Leidenschaft

Wilhelm Obermüller hilft mit seinen Mitstreitern Fröschen beim Überleben. Viele Arten sind gefährdet.

Donnerstag, 6.45 Uhr. Die Sonnenstrahlen finden allmählich den Weg zum Tabaksweiher in St. Arnual, aber es sind immer noch ziemlich frische vier Grad Celsius. Doch die Kälte kann Wilhelm Obermüller und drei weiteren Naturschützern nichts anhaben. Dick eingepackt machen sich die vier auf den Weg. Sie haben in Zeiten des Corona-Virus Plastikhandschuhe über den wärmenden Handschuhen an und halten bei allem, was sie tun, den geforderten Zwei-Meter-Abstand ein. Allerdings nicht zu den Tieren.

Wilhelm Obermüller und seine drei Mitstreiter sind Amphibienschützer und helfen Fröschen, Kröten und Molchen auf deren Weg zum Laichgewässer und wieder zurück. „Heute Morgen haben wir 15 Tiere eingesammelt. Das ist aber normal, da es ziemlich kalt ist. In der vergangenen Woche war es wärmer und da waren es morgens mehr als 50 Tiere“, erzählt Wilhelm Obermüller. Eine Strecke von mehr als einem Kilometer entlang des Tabaksweihers gehen die vier ab. Alle zehn Meter ist vor einem Amphibienzaun ein Eimer in der Erde. In diese Eimer fallen die Tiere bei ihrer Wanderung entlang des Zaunes hinein. Wilhelm Obermüller holt die Tiere aus dem Eimer, bringt sie über die Straße und setzt sie wieder aus. „Wenn wir das nicht tun, würden sehr viele Tiere den Autos zum Opfer fallen“, sagt der 65-Jährige.

Der studierte Bankangestellte kam wegen seines Studiums aus Sindelfingen in Baden-Württemberg nach Saarbrücken, verliebte sich, heiratete und blieb hier. Er wohnt mit seiner Frau in Schafbrücke. Naturschützer ist er von Kindesbeinen an. „Ich bin auf dem Land aufgewachsen und immer schon mit der Natur verbunden. Mit zehn Jahren hatte ich mein erstes Aquarium“, berichtet der gebürtige Schwabe. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Naturschutzbund-Ortsgruppe Fechingen-Kleinblittersdorf. Auf seinem eigenen, 1,5 Hektar großen Grundstück hat er ein kleines Paradies für Tiere und Pflanzen angelegt. „Als ich vor ein paar Jahren in Rente ging, wollte ich noch mehr machen und der Natur etwas zurückgeben. Ich habe mich für den Amphibienschutz entschieden“, sagt Wilhelm Obermüller.

Etwa 100 Amphibienschützer gibt es im Regionalverband Saarbrücken, die jeden Morgen und jeden Abend den Tieren über die Straßen helfen. In der Stadt Saarbrücken sind die Amphibienzäune an fünf Stellen aufgebaut – am Tabaksweiher, am Sprinkshaus in Gersweiler, auf dem Sonnenberg, im Mehrwiesertalweg und am Netzbachweiher auf der Rußhütte.

Bevor die Wanderung der Amphibien – etwa von Mitte Februar bis Mitte April – beginnt, gibt es einen Lehrgang für die Schützer. „Das ist hochinteressant. Man lernt die einzelnen Arten genau kennen und erfährt sehr viel über die Natur. Mittlerweile können wir ohne Probleme erkennen, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt. Wir notieren alle Tiere mit ihren Merkmalen“, erklärt Wilhelm Obermüller. So erstellen die Amphibienschützer gleichzeitig eine Statistik.

Die Anzahl der Amphibien geht weltweit zurück. Im Jahr 2019 konnten die ehrenamtlichen Helfer um Wilhelm Obermüller noch etwa 2000 Tieren über die Straße helfen. Im Jahr 2018 waren es noch 5560. „Daran sind vermutlich die sehr trockenen Sommer schuld. Wir müssen auf unsere Umwelt und die Tiere und Pflanzen achtgeben, da führt kein Weg daran vorbei“, sagt Wilhelm Obermüller, bevor er wieder behutsam ein paar Kröten in den Tabaksweiher hüpfen lässt.