Amateurtheater im Regionalverband: Die Theaterfreunde Altenkessel

Porträt : Dieses Theater ist ein Stück Familie

Die Theaterfreunde Altenkessel freuen sich über viele junge Menschen im Verein. Den Nachwuchs wollen sie besonders fördern.

Schon der Name der Theatertruppe aus Altenkessel verrät deren Alter. Denn die Theaterfreunde Altenkessel 1921 gibt es wirklich schon seit knapp einhundert Jahren. „Mit einer Unterbrechung während der NS-Zeit. Und wir proben und führen unsere Stücke immer noch im gleichen Haus auf“, erklärt Hans-Jörg Roa, Vorsitzender des Vereins und dessen Spielleiter.

Die Spielstätte befindet sich im Festsaal der Pizzeria „La Famiglia“, im Herzen von Altenkessel. Dort finden auch die Proben statt. Trotz der langen Tradition sind die Theaterfreunde Altenkessel aber kein angestaubter Verein. Freundschaftlich und locker geht es während Gespräch und Proben zu, es wird viel gelacht. Und während andere Vereine über Nachwuchsprobleme klagen, kann man sich in Altenkessel nicht beschweren. „Wir haben ungefähr 160 Mitglieder im Verein, von denen stehen zwölf regelmäßig auf der Bühne, und das aktive Team für Bühne, Technik und Maske sind dann ungefähr 30 Leute“, erklärt Hans-Jörg Roa.

Und dann fügt er hinzu, dass der Verein sogar gewachsen sei. „Als ich 1990 in den Verein gekommen bin, hatten wir ungefähr einhundert Mitglieder.“ Da wundert es auch nicht, dass neben den Erwachsenen auch Kinder und Jugendliche regelmäßig auf der Bühne stehen.

„Die Kinder spielen bei uns die Weihnachtsgeschichte an unserer Vereinsweihnachtsfeier. Die sind dann so ab sechs Jahre alt“, erzählt Heidi Peters, stellvertretende Vorsitzende und Spielleiterin für die Kinder- und die Jugendgruppe. Seit dem Jahr 2009 ist sie im Verein, steht auch selbst regelmäßig auf der Bühne.

Und sie kümmert sich auch um die Jugendgruppe, die „Gurkentruppe“, wie sie sich selbst liebevoll nennt. „Dort haben wir ungefähr 13 bis 14 Jugendliche dabei“, sagt Heidi Peters. Eine davon ist Elena Germann. Sie ist gerade mal 17 Jahre alt, aber was den Verein betrifft, schon ein alter Hase. „Seit 2011 bin ich dabei“, erzählt sie, „und es macht sehr viel Spaß. Nicht nur, dass man hier generationenübergreifend Freunde findet, das Theaterspielen stärkt auch das Selbstbewusstsein. Wenn man regelmäßig auf der Bühne steht und sich vor Publikum zum Affen macht, trägt das sehr zur Persönlichkeitsentwicklung bei“, sagt sie und lacht.

Dann erklärt der Vorsitzende, dass die Proben zweimal in der Woche stattfinden. „Wir führen ein Stück auf, bisher immer im Oktober, aber ab nächstem Jahr im März. Und derzeit proben wir das bekannte Stück „Ein ungleiches Paar“ von Neil Simon, aber in einer Frauenversion.“

Die Stücke werden demokratisch ausgesucht, die Spielleiter treffen eine Vorauswahl und dann wird gemeinsam mit den Aktiven entschieden, was gespielt wird. „Allerdings haben wir nicht so viele junge Männer auf der Bühne. Daher ist es immer wichtig, dass alle Rollen gut besetzt werden können“, fügt er hinzu. Gedanken um die Ticketnachfrage brauche man sich beim Verein nicht zu machen: „Wir führen unsere Stücke achtmal auf, und in der Regel sind die Aufführungen immer ausverkauft.“ 

„Und unser Publikum kommt nicht nur aus Altenkessel. Einmal kamen Zuschauer für unsere Aufführung aus Holland angereist. Und wir haben auch treue Fans aus Saarbrücken, aber auch aus St. Ingbert, Kirkel und Homburg“, erklärt Aloisia Baltes. Sie ist die Souffleuse der Theaterfreunde und schon seit über 50 Jahren im Verein aktiv. „Ich bin gerne Souffleuse, das ist meine Leidenschaft“, erklärt sie dazu.

Und sie hat – wie alle anderen auch – ein Stück Familie im Verein gefunden. Das betont auch Stefanie Roa, die gute Seele des Vereins. „Wir haben hier einen guten Zusammenhalt. Von Jung und Alt“, betont sie lachend. Denn alle haben die große Leidenschaft fürs Theater gemeinsam. Und sind erfolgreich damit.

Die Qualität der Aufführungen trifft nicht nur den Geschmack des Publikums. In diesem Jahr haben die Theaterfreunde Altenkessel den saarländischen Amateurtheaterpreis in Höhe von 1500 Euro gewonnen. „Die Anerkennung ist aber viel wichtiger als das Preisgeld“, sagt Hans-Jörg Roa. „Von einer neutralen Jury aus 29 teilnehmenden Theatergruppen ausgesucht zu werden, das ist schon was. Das gibt einen Kick“, erklärt Hans-Jörg Roa und man merkt, dass er stolz auf die Wertschätzung ist. Gefeiert wurde nach der Preisverleihung kurzerhand auf dem Dorffest von Altenkessel. Und das Preisgeld wird vollständig in Lehrgänge für Kinder und Jugendliche investiert.