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WM-Serie
„Am Ende steht der Pokal doch in Polen“

Jan Ochantol ist Deutsch-Pole, lebt seit 19 Jahren in Dudweiler und ist voll integriert. Er arbeitet als Lkw-Fahrer und Hausmeister und findet, dass Deutschland und Polen bei der WM zu Recht ausgeschieden sind.
Jan Ochantol ist Deutsch-Pole, lebt seit 19 Jahren in Dudweiler und ist voll integriert. Er arbeitet als Lkw-Fahrer und Hausmeister und findet, dass Deutschland und Polen bei der WM zu Recht ausgeschieden sind. FOTO: Heiko Lehmann
Dudweiler. Jan Ochantol stammt aus Oberschlesien und lebt seit 19 Jahren in Dudweiler. Die WM verfolgt er mit Leidenschaft. Von Heiko Lehmann

Zu Fuß ins Schwimmbad und mit dem Fahrrad zurück – ein polnischer Triathlon. Oder: „Machen Sie Urlaub in Polen, ihr Auto ist schon da“, sagt Jan Ochantol und fängt an zu lachen. Der 46-Jährige hat die deutsche und die polnische Staatsangehörigkeit und kam vor 19 Jahren aus seiner Heimat Oberschlesien nach Dudweiler. „Über Deutsche sagt man in Polen, dass sie alles immer genau nach Vorschrift machen. So nach dem Motto: Gebt mir eine Anleitung und ich fliege dir auch ein Flugzeug. Es gibt auch viele Polen, die halten die Deutschen für arrogant. Aber damit sind wohl die Bayern gemeint. Die Saarländer sind gut“, sagt Jan Ochantol.


Mehr als über Witze über Deutsche und Polen zu lachen, bleibt beiden Nationen zur Zeit auch nicht mehr übrig. Für beide Teams ging die Fußball-Weltmeisterschaft in dieser Woche in Russland zu Ende. Beide Länder hatten sich viel vorgenommen, doch beide sind überraschend in der Vorrunde ausgeschieden.

„Meiner Meinung nach auch völlig zu Recht. Da gab es viele Mannschaften, die einfach besser waren. Aber so ist es halt. Ich gucke die WM trotzdem weiter. Ich denke, Kroatien hat sehr gute Chancen, Weltmeister zu werden. Die haben wenigstens noch den Killer-Instinkt“, sagt der 46-Jährige.



Doch noch mal zurück zu den Polen-Witzen. Woher kommt denn das, dass die Polen angeblich so viel klauen? „Das war Anfang bis Mitte der 1990er Jahre wirklich so. Als viele Polen aus Deutschland zurück in ihre Heimat fuhren und ihre Familien besuchten, wurden ihre Autos in Polen geklaut. Das ist aber heute nicht mehr so“, sagt der Lkw-Fahrer und Hausmeister, der mit seiner Familie in Dudweiler wohnt.

Ein Freund von Jan, mit dem er in Polen aufgewachsen war, hatte ihm Ende der 90er Jahren gesagt, er solle doch mal zwei Monate zu Besuch kommen. Jan war damals in Polen arbeitslos, und sein Freund erzählte ihm, dass es in Deutschland Arbeit gäbe. „Also bin ich mal nach Deutschland. Die deutsche Staatsangehörigkeit hatte ich damals schon. Nach der Wende konnten wir diese einfach beantragen. Oberschlesien war ja mal deutsch“, sagt der Fußball-Fan, der vor 19 Jahren hierher kam und kein Wort Deutsch sprach: „Ich brachte mir die deutsche Sprache selber bei. Durchs Fernsehen und mit Kassetten, die ich hörte. Als ich aber im Saarland zum ersten Mal auf der Straße mit Leuten reden wollte, habe ich kein Wort verstanden. Mittlerweile kann ich Saarländisch besser als Deutsch.“ Für Jan Ochantol ist die Sprache extrem wichtig, und er kann nicht verstehen, wie Türken hier seit 40 Jahren wohnen und kein Wort Deutsch sprechen. „Wenn ich hier herkomme, muss ich mich auch integrieren wollen. Dazu gehören die Sprache, die Kultur, und auch arbeiten muss man. Wer das nicht will, soll am besten gleich dort bleiben, wo er herkommt“, sagt der Deutsch-Pole.

So große Unterschiede zwischen Polen und Deutschland gibt es gar nicht. „An Heiligabend essen wir beispielsweise kein Fleisch, da es in Polen ein Fastentag ist. Da hält sich aber auch nur dran, wer will. Ich mache es schon immer so und finde es eine gute Tradition“, sagt Ochantol. Auch wenn die Witze über die langen Finger der Polen schon ein bisschen zurückliegen, ist Jan bei der WM guter Hoffnung: „Ich glaube, es ist egal, wer Weltmeister wird. Am Ende steht der Pokal ja doch in Polen.“