Laiengangster wollen das schnelle Geld

In Altenkessel hat jetzt Amateurtheater Hochsaison. Die Theaterfreunde bieten nach harten Proben Einblicke in die Abgründe einer Damen-WG. Die will schnell aus den roten Zahlen und schmiedet finstere Pläne.

Sobald der Oktober gekommen ist, gibt es in Altenkessel allerhand zu lachen. Das ist die Zeit der 21er, wie sich die Theaterfreunde des Stadtteils nennen. Sie geben dann ihre Vorstellungen im Theatersaal des Restaurants "La Famiglia", Alleestraße. Was bei Theaterfreunden für Vorfreude sorgt, treibt den Aktiven mitunter den Puls in die Höhe, wie Schauspieler Hans-Jörg Roa weiß.

Beim aktuellen Stück "Pleite, Pech und Panne" von Claudia Kumpfe ist er Spielleiter, und so beichtet er dem Publikum, ehe sich der Vorhang öffnet: "Schwupps, da ist der Auftritt da - und die Regie hat auf den letzten Drücker noch Einfälle." Die dann am Premierentag noch verwirklicht werden müssen. Mit einem "Viel Spaß mit Ihren 21ern" tritt Roa zunächst ab, um als Bankdirektor wieder aufzutreten. Kein leichter Job in diesem Stück. Denn schnell wird klar: Die Vierer-Frauen-WG mit Susanne Roa als Billi, Jessica Emmert als Prinzessin, Larissa Dony als Iffi und Heidi Peters als Kathi hat allzu oft ein Problem, das bereits die Erste Allgemeine Verunsicherung vor Jahrzehnten besang: "Der Kühlschrank ist leer, das Sparschwein auch (...) da hilft nur noch eins: ein Banküberfall."

Das von Regisseur Roa beschriebene Lampenfieber ist zu Beginn manchmal spürbar. Doch Souffleuse Aloisa Baltes hilft den jungen Akteurinnen fast unbemerkt aus der Textlücke. Echt aussehende Spielzeugpistolen sind schnell gefunden - im Fastnachtsfundus der Prinzessin, die noch ihre guten Nylons opfern muss.

Bald taucht Chris als guter Freund der WG auf, und das von Christopher Löw gespielte homosexuelle Mode-Design-Talent hat als Mischung aus Bruce Darnell und Guido Maria Kretschmer allerhand am Probedurchgang zum Bankraub zu bemängeln. Das geht schon mit dem Auftreten der angehenden Räuberinnen los: "Das hat doch keine Elegance." Und es endet in einer Modenschau, die eine Episode von "Shopping-Queen" beenden könnte. Denn: "So plump kann man doch nicht in eine Bank rein." Das ist lustig anzuschauen und für so manchen Lacher gut.

Doch eingefleischten 21er-Fans fehlt das gerade noch zu überblickende Chaos der Handlungsfäden, das sonst Hans-Jörg Roa als Schauspieler von Beginn an webt. Da er zum ersten Akt die Bühne den Jungen überlässt, oder weil es die Handlung so vorgibt, müssen die Zuschauer auf die beiden folgenden Akte hoffen. Dann greifen Friedrich (Heiner Gores) und Frau Semmelrogge (Frederike Klee) ins Geschehen ein. Auch Iffis Mutter Hilde (Heidi Ames), die sich bereits im ersten Akt einführte, sorgt weiter für heitere Verwirrung. Mehr sei hier nicht verraten.

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Auf einen Blick Neugierig auf den Schluss? Hier sind die restlichen Aufführungstermine: Samstag, 15., 22. und 29. Oktober, jeweils ab 19.30 Uhr, Sonntag 16. und 23. Oktober, ab 19 Uhr und Freitag, 28. Oktober, ab 20 Uhr. Weitere Beteiligte: Inspizienz: Erika Ludt. Bühnenbau: Hans-Joachim Horff, Stefan Horff, Heiner Gores, Gerhard Hirschmann, Hans Reichert, Günter Borella. Technik: Daniel Braun, Alexander Roa. Maske/Frisuren: Ulrike Reichert, Judith Palm. al