Porträt : Gitarrist, Sänger, Organisator, Multitalent

Seit seiner Jugend spielt Dietmar Kunzler begeistert Gitarre. Aber nicht nur die, er sucht immer neue Herausforderungen.

Ist er jetzt Perfektionist oder nicht, der Gitarrist, Sänger, Organisator und seit neuestem auch Panflötenspieler Dietmar Kunzler? Ja und nein, lautet die Antwort. Wenn man den Begriff darauf bezieht, dass ein Perfektionist einer ist, der sich sehr ärgert, wenn etwas schief läuft, dann trifft das auf Kunzler nicht zu. Als bei einem Konzert im Café Pikant etwas mit dem Loopgerät daneben geht, bringt das den Gitarristen nicht aus der Ruhe.

Anders sieht es aus, wenn der 62-Jährige etwas für ihn Neues entdeckt, sei es ein Instrument oder einen Musikstil. Dann scheut er keinerlei Kosten und Mühen, um sich aufs Beste vorzubereiten. Da fliegt er schon mal nach Lissabon, um sich ein brasilianisches Cavaquinho, eine Art Ukulele, zu kaufen. Anderes Beispiel ist die Geschichte, wie Kunzler einst beim sehr um Authentizität bemühten Revueorchester 1920 anfing: Dazu ließ er sich eine Gitarre nach originalen Vorbildern der 20er nachbauen, außerdem nahm er Unterricht, um die richtige Technik der damaligen Zeit zu erlernen. Aber nicht bei irgendwem. Nein, da klopft Kunzler eben bei Ulrich Hoffmeier an – der ist Gitarrist von Max Raabes Palast­orchester. Um es kurz zu machen: Was Sound, Authentizität oder die richtige Technik betrifft, strebt der Musiker durchaus die Perfektion an.

Außerdem betätigt sich Kunzler auch noch als Musikmanager: Seit 1989 ist er Präsident der Gitarrengesellschaft „Kultur und Gitarre“. Seit dieser Zeit bis zum letzten Herbst veranstaltete er 345 Konzerte in der Reihe „Gitarrenmatinee Dillingen“. Sechs bis sieben Konzerte im Jahr organisiert er unter dem Motto Carbon & Stahl als künstlerischer Leiter in Völklingen. Dazu kommen noch das alljährliche Mini-Festival Momentos do Brasil und einmal im Monat die Roda de choro, eine freie Session, bei der brasilianische Musik gespielt wird.

Seit zwei Jahren hat Kunzler freie Hand, was seine Beschäftigung mit der Musik angeht. 2017 konnte es sich der damals selbständige Wirtschaftsinformatiker leisten, mit dem Arbeiten aufzuhören. Während der beruflichen Karriere hatte er all sein Engagement nebenbei betrieben – immer unterstützt von seiner Frau Elke, mit der Kunzler seit 40 Jahren verheiratet ist. „Statt in Urlaub zu fahren, habe ich eben Unterricht genommen.“ Eine weitere Konstante im Leben des Gitarristen ist Altenkessel: Dort ist er aufgewachsen, dort lebt er heute noch.

Mit 13, 14 Jahren hatte der junge Dietmar mit der Gitarre begonnen. Schon immer nahm er gern Unterricht, unter anderem bei Wolfgang Lendle, einst an der Hochschule für Musik tätig. Die richtig harte Schule war aber wohl die Top-40-Band Happy Sound Collection. „Als wir ganz jung waren, haben wir in einem zwielichtigen Etablissement in Saarlouis gespielt, da sind oft welche durch die Scheibe rausgeflogen, denn dort gab es immer Schlägereien. Da haben wir viel Persico trinken müssen, den bekamen wir von den Damen des Gewerbes spendiert.“

Außerdem begleitete die Band Schlagerstars wie Graham Bonney, Peter Orloff oder Nicole. Die Zeit als Tanzmusiker wurde erst durch die berufliche Karriere Kunzlers beendet. Danach begann das Interesse an klassischer Gitarre. Außerdem kam immer wieder das, was er als „Schübe“ bezeichnet: Diese plötzliche Begeisterung für bestimmte Stile. Flamenco, Standard Jazz, Bossa nova, Choro: All das hat er schon durch, all die Techniken hat er drauf. Was passiert aber, wenn sich einer wie er das Handgelenk bricht und deshalb vier Monate lang keine Zupfinstrument bedienen darf? Dann lernt er eben ein Instrument, das man auch mit einer Hand spielen kann: Die Panflöte. Klar, dass er dann niemand anderen um Hilfe dabei bittet als Uli Herkenhoff: Der hat schon Filmmusik für den Herr der Ringe oder von Ennio Morricone eingespielt. „Den habe ich gefragt, wie man das macht, da hat der gesagt, komm mal vorbei. Jetzt hab ich schon die dritte Panflöte gekauft – das macht einen Spaß!“

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