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Gardetänzerinnen des Karnevalsvereins „Die Kesselflicker“ werden von Mario Hesler trainiert

Gardetanz Altenkessel : Ein tanzender Vetriebsleiter, der Spagat kann

Mario Hesler trainiert in Altenkessel die Gardetänzerinnen des Karnevalsvereins „Die Kesselflicker“ und hält sich so auch selbst fit.

„Tanzende Männer kommen bei Frauen einfach gut an“, sagt Mario Hesler. Der 50-jährige aus Landsweiler-Reden trainiert seit 18 Jahren die Gardemädchen der Karnevalsgesellschaft „Die Kesselflicker“ in Altenkessel. Wir besuchten ihn bei einem Training mit der Juniorengarde im Bürgerhaus Rockershausen, wo die Mädchen der Kesselflicker nach wochenlangen Übungen mit Video-Hilfe wieder in Gruppen trainieren können. Hesler, der im Hauptberuf Vertriebsleiter im Möbelhandel ist und den Tanz seit Jahrzehnten als Hobby betreibt, kam selbst erst spät zum karnevalistischen Tanzsport.

Zuvor war er Standard- und Lateintänzer in einer Tanzschule, dann in einer Tanzsportgesellschaft. Er tanzte in einer Formation und war dem klassischen Paartanz in allen Facetten zugetan. „Zum Karneval kam ich durch eine Wette. Da war ich schon 24. In diesem Alter hören viele andere schon wieder mit dem Tanzen auf“, erzählt er. Doch da er bei einer Karnevalsveranstaltung vor „seinen Jungs“ besonders cool sein wollte, habe er in die Runde posaunt, dass er in der nächsten Session auf der Bühne stehe. „Und als ich es gesagt hatte, musste ich es auch machen“, sagt er heute schmunzelnd. Er habe dies nie bereut.

Beim Karnevals- und Unterhaltungsverein (KUV) Blau-Gelb Wiebelskirchen tanzte er als Gardetanzpaar mit Katja Umlauf, wurde mehrfach Saarlandmeister und sogar Fünfter bei den Deutschen Meisterschaften im Garde- und Schautanz. „Als Mann wird man nicht von anderen Jungs belächelt. Man wird eher bewundert, denn die meisten Männer haben ja selbst Probleme mit dem Tanzen. Nie wurde ich deswegen diskriminiert – ganz im Gegenteil“, erzählt er und würde sich wünschen, dass noch mehr Männer im Karneval tanzen würden. Das sei früher verbreiteter gewesen.

Er erinnere sich an Zeiten, als aus dem Saarland fünf gemischte Garden zur Deutschen Meisterschaft gefahren seien. Heute gebe es keine mehr. Dabei würden sich alle Garden Männer wünschen, weil gemischte Formationen mehr kreative Möglichkeiten hätten.

„Aber das kommt vielleicht wieder“, hofft er und denkt an seine eigene aktive Zeit zurück: „Das war schon ein Einschnitt. Im Paartanz musste man ja nie Spagat machen. Aber heute mit 50 kann ich es immer noch. Das Tanzen hält fit“, sagt er und kann seinen Schülerinnen alle Übungen selbst vormachen.

Vor vier Jahren musste er bei den Kesselflickern sogar mal mittanzen, weil Mädchen ausgefallen waren. „Und das ging auch“, sagt er. Die kommende Session sei nicht in Gefahr, zumindest nicht wegen unvorbereiteter Garden. Der Marsch sei einstudiert, am Showtanz werde gerade gearbeitet. Ob am 11.11. die Corona-Regeln einen Auftritt erlauben, sei eine andere Frage. Hier hofften die Teams auf Lockerungen und einen weiterhin günstigen Pandemieverlauf.

Probleme habe man wegen Corona mit dem Nachwuchs. Die jährlichen Schnuppertrainings seien ausgefallen oder gar nicht besucht worden. Daher seien Kinder ab vier Jahren, junge Frauen und auch Männer herzlich zum Training eingeladen. Die Zeiten: Junioren trainieren im Bürgerhaus montags (18.30 bis 20 Uhr) und donnerstags (18 bis 19.30 Uhr) und die Aktiven montags (20 bis 21 Uhr) und donnerstags (19.30 bis 21.30 Uhr). Auskunft erteilt die Gardeleiterin Catherina Rinoldo unter Tel. (0176) 3060 0259. Und wenn Hesler nicht tanzt? Dann ist er Prinz (mit Katja Umlauf) oder Büttenredner (mit Katja Umlauf) oder Trainer (auch mit Katja Umlauf). Die beiden sind Tanzpaar, Prinzenpaar, Trainerpaar – aber nicht verheiratet. „Wir können auch streiten wie ein Ehepaar und fahren zusammen in Urlaub. Aber wir sind uns nicht verpflichtet“, erzählt er über die jahrelange Symbiose, die jetzt den Kesselflicker-Alltag bereichert.