Kunstrad : Balance-Akt auf zwei Rädern

Der RVW Altenkessel hat die Landesmeisterschaft im Kunstradfahren ausgerichtet. Der Zuspruch war gering. Es gibt Nachwuchsprobleme.

Viel stand nicht auf der Liste der Elitefahrer bei der Saarlandmeisterschaft im Kunstradfahren. Nur ein Name: Johanna Schwöbel. Die 20-Jährige vom TV Auersmacher ist eine der beiden Frauen, die diesen Sport im Saarland derzeit wirklich aktiv betreiben. „Es ist schon schade, wenn man so ganz ohne Konkurrenz antritt. Da ist auch kein so großer Anreiz da“, sagte Schwöbel vor ihrem Auftritt bei der vom RVW Altenkessel ausgerichteten Meisterschaft.

Schwöbel hat sich „damit abgefunden, dass es so wenig Konkurrenz gibt“. Oft fahre sie zu Turnieren außerhalb des Saarlandes. „Die Vereine scheinen Probleme zu haben, Schüler an den Sport heranzuführen. Vielleicht fehlt es an der Bereitschaft, die Situation anzugehen“, erklärte sie. Lohnen würde es sich, dessen ist sie sich sicher. „Der Sport begeistert mich einfach. Er ist außergewöhnlich und nicht jeder macht ihn.“ Schwöbel knackte mit sehenswerten Übungen die angestrebte 90-Punkte-Marke locker und qualifizierte sich mit 95,01 Punkten für das Finale der deutschen Meisterschaft im September.

Kunstradfahren ist etwas fürs Auge. Die Sportler sitzen auf dem Lenker, stehen auf dem Sattel, bewegen sich grazil auf extra für den Sport konzipierten Rädern. Zum Glück für die Zuschauer war die Landesmeisterschaft in der Jahnturnhalle nicht nur eine für die kaum vorhandenen erwachsenen Fahrer. Auch die Schüler kürten ihre Meister. 14 Kinder und Jugendliche waren da: drei Jungs, elf Mädchen.

Eins davon war Chiara Schneider, die mit 30,70 Punkten eine persönliche Bestleistung aufstellte, den Saarlandmeister-Titel aber Hannah Brach vom TV Auersmacher (53,10 Punkte) überlassen musste. „Mein Ziel ist es, irgendwann in die 50-Punkte-Region zu kommen“, erklärte die Sportlerin vom RVT Orscholz, die in der Altersklasse U 13 an den Start ging und mit dem Sattelbeugestand aufzutrumpfen wusste: zwei Hände am Lenkrad, ein Fuß auf dem Sattel, einer in der Luft. „Wenn man gut das Gleichgewicht halten kann, geht das“, erklärte sie und ergänzte: „Mir macht Spaß, dass man Kunststücke auf dem Fahrrad macht. Das gibt es einfach nicht so oft. Ich bin die einzige von meinen Freunden, die den Sport macht. Und das ist schon ziemlich außergewöhnlich.“

Schneiders Leistung reichte für Rang vier. In den anderen Altersklassen gewannen Melissa Molnar (RVT Orscholz/U 11), Simon Paschwitz (TV Auersmacher/U 11), Greta Jost und Emily Köhler aus Orscholz (Zweier), Elias Biewer (RVW Altenkessel/U 13) und nochmal Emily Köhler (U 15), die sich mit Partnerin Greta Jost durch den Zweier-Triumph für die deutsche Schülermeisterschaft in Worms qualifizierte.