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Mobilität
Alte Hasen im Straßenverkehr

Senioren am Steuer: Sie fahren meist vorsichtig und profitieren von ihrer Erfahrung.
Senioren am Steuer: Sie fahren meist vorsichtig und profitieren von ihrer Erfahrung. FOTO: A3508 Rolf Vennenbernd / dpa
Saarbrücken. Zwischen Sicherheit, Gesundheits-Checks und Altersdiskriminierung: Der SZ-Ältestenrat sprach über das Fahren im Alter. Von Lisa Kutteruf

Es war einmal ein Mann, der täglich Auto fuhr – bis er 93 Jahre alt war. Passiert ist dabei nie etwas. Eine Anekdote, die Wilfried Pukallus gefallen würde. Mit ihm hat der SZ-Ältestenrat in der letzten Sitzung über das Thema „Führerschein im Alter“ gesprochen. Dabei ging es neben der Umtauschpflicht für Führerscheine auch um die Frage, ob betagte Fahrer stärker kontrolliert und ihnen die Fahrerlaubnis im Zweifel entzogen werden sollte.



Pukallus, im ADAC-Vorstand für Verkehr und Technik zuständig und ehemals Leitender Polizeidirektor, stellte klar: „Dass ältere Kraftfahrer schlechter fahren, stimmt nicht.“ Im Gegenteil: Die 65- bis 74-Jährigen seien in der Unfallstatistik deutlich unterrepräsentiert. Bei der Altersklasse 75 und älter würde die Unfallrate zwar steigen, jedoch immer noch niedriger ausfallen als die der 18- bis 34-Jährigen.

„Ältere Verkehrsteilnehmer fahren in der Regel vorsichtiger und profitieren von ihrer langen Erfahrung“, sagt Pukallus. Verpflichtende Gesundheitstests ab einem bestimmten Alter, wie sie in manchen EU-Ländern vorgeschrieben sind, hält Pukallus aus diesem Grund nicht für zielführend. „Das wäre nicht verhältnismäßig und somit Alters-Diskriminierung.“

Der Vorsitzende des Ältestenrats Axel Egler berichtet von einer lebendigen Diskussion im Ältestenrat. Dabei sei es auch um die Rolle von Ärzten gegangen. Diese können gesundheitliche Probleme erkennen, welche die Fahrfähigkeit einschränken. In diesem Fall ist die Situation klar: Die Person darf nicht mehr Auto fahren. Tut sie es doch, begeht sie eine Straftat. Generell ist es jedoch nicht die Aufgabe von Ärzten, Fahrverbote auszusprechen, das wurde laut Egler im Lauf der Diskussion klar.

Von verpflichtenden Testfahrten rät der ADAC ab. Frank Finkler, Abteilungsleiter Verkehr und Technik im ADAC Saarland, meint: „Das Testergebnis ist nur eine Momentaufnahme und es besteht die Gefahr, dass geeignete Fahrer irrtümlich als ungeeignet eingestuft werden.“ Die Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie gibt Pukallus und Finkler Recht. In einer Studie von 2015 wurde unter anderem untersucht, wie sich verpflichtende Maßnahmen auf die Verkehrssicherheit auswirken. Das Ergebnis: „Eine auf das Alter bezogene Überprüfung wird die Verkehrssicherheit nicht verbessern, unabhängig von der Art der eingesetzten Prüfmethoden.“

Doch was tun, wenn jemand aus dem Familienkreis zur Gefahr auf der Straße wird? „In dem Fall sind Angehörige verpflichtet, mit der Person zu reden“, sagt Pukallus. Dabei sei es wichtig, dass sich die Angehörigen einbringen und als Fahrdienst anbieten. „Einfach nur zu sagen ‚Du darfst jetzt nicht mehr fahren’ ist keine Lösung.“ Technische Systeme wie Parkassistenten könnten die Unfallgefahr bei Senioren mindern, sagt Pukallus. Wenn gar nichts hilft, bleibt der Gang zur zuständigen Fahrerlaubnisbehörde. Diese hat das Recht, die Fahrerlaubnis zu entziehen.

Wer seine Fahrfertigkeiten überprüfen möchte, kann einen sogenannten Fahr-Fitnesscheck absolvieren. Solche Checks werden vom TÜV, der DEKRA und dem ADAC angeboten. Sie führen jedoch in keinem Fall zum Entzug der Fahrerlaubnis, betont Pukallus. Der Fahrlehrer gibt leidiglich eine Einschätzung ab. Der ADAC bietet zusätzlich Fahrtrainings für die ältere Generation an.

Und dann erzählt Pukallus noch von einer Studie: „Je länger Senioren Auto fahren und somit mobil sind, desto seltener werden sie depressiv oder pflegebedürftig.“ Wer noch kann und darf, sollte demnach getrost weiterfahren – unabhängig vom Alter.

Der Ältestenrat der Saarbrücker Zeitung diskutiert mit Wilfried Pukallus (Bildmitte) das Thema „Führerschein im Alter“.
Der Ältestenrat der Saarbrücker Zeitung diskutiert mit Wilfried Pukallus (Bildmitte) das Thema „Führerschein im Alter“. FOTO: Iris Maria Maurer