Zeitzeuge berichtet über Nazi-Terror

In dem Klassenraum ist es ganz still, als Schüler des Gymnasiums am Schloss dem Zeitzeugen der Nazi-Terrors und des Zweiten Weltkriegs, Erich Schimschal (Jahrgang 1919), zuhören. Die Betroffenheit ist ihm immer noch anzumerken, denn manche Bilder dieser schrecklichen Zeit bekommt man nie mehr aus dem Kopf.

Zum Beispiel dieses, wie er als junger Mann in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 mit dem Fahrrad über der Schulter durch die Scherben der jüdischen Geschäfte ging und mitansehen musste, wie SS-Leute deren Inhaber verprügelten. Oder wie er im Krieg selbst gezwungen war, als Flak-Schütze feindliche Flugzeuge zu beschießen, dabei aber nie vergessen konnte, dass darin junge Männer wie er selbst saßen. Schimschals Erinnerungen zeigten den Schülern die Grausamkeit des Krieges. Die Begegnung mit dem Zeitzeugen war der Abschluss einer Reihe zum Thema "Kirche im Nationalsozialismus" und enstand in Folge einer Kooperation des Gymnasiums am Schloss mit dem "Altenheim am Schlossberg". Alle zwei Wochen besuchen Schüler aus den Klassenstufen 6 bis 10 die Senioren.

Nachdem der 10er-Kurs sich bereits vor einigen Wochen im Seniorenheim mit Schimschal getroffen hatte, fand die zweite Zeitzeugenbegegnung auf ausdrücklichen Wunsch des 96-Jährigen im Gymnasium am Schloss statt. Die Schule freute sich, dass sie Schimschal einen seit Jahrzehnten gehegten Wunsch erfüllen konnte - noch einmal die Schulbank zu drücken.