„Vom Hoffnungsträger zum Desaster“

Vom leer stehenden Supermarkt über das HTW-Gebäude bis zum ehemaligen Kultusministerium – die Liste der Leerstände in Alt-Saarbrücken ist lang. Und es sieht so aus, als würde sie noch länger werden.

Die "prominentesten" Leerstände im unteren Alt-Saarbrücken waren Thema beim sechsten Leerstands-Rundgang des Gemeinwesenprojektes Alt-Saarbrücken . "Das HTW-Hochhaus, das vom Hoffnungsträger zum Desaster wurde und das ehemalige Kultusministerium" wie Rundgangsführer Thomas Hippchen der gut 20 Personen starken Gruppe erklärte. In der Deutschherrnstraße gab es zunächst aber "normale Entwicklungen". Aus einem ehemaligen Ladengeschäft, das nacheinander mehrere Discounter beherbergte, war über die Jahrzehnte zunächst ein türkischer Supermarkt, dann ein Fachgeschäft für Aquaristik geworden. Beide hatten keinen Erfolg. Aus dem einen Laden sind mittlerweile nach einem Umbau zwei geworden. In einem davon gibt es Zubehör für den Golfsport , das andere steht leer. Wettanbieter oder Spielhallen wären interessiert, wie Hippchen weiß, aber nicht willkommen.

Einen Wett anbieter gibt es schon ein paar Häuser weiter. Im ehemaligen Eisenwarengeschäft Kroll, das Hippchen als "kultig" beschreibt. Alte Gasthäuser, allen voran die Winzerstube - geschlossen. Auf die wehmütige Erinnerung in der Deutschherrnstraße folgt echter Ärger in der Gärtnerstraße. Der Versuch, das Gustav-Adolf-Haus der evangelischen Kirchengemeinde als Stadtteilzentrum zu retten, ist gescheitert, wie Hippchen ernüchtert berichtete. Die benachbarte Senioreneinrichtung soll das Gelände kaufen und dort neue Seniorenwohnungen bauen wollen. Auch den einst lebhaften Kindergarten habe die Stadt verlagert. Auf die Bellevue. "Dort mag das geographische Zentrum Alt-Saarbrückens sein, die gesellschaftliche Mitte ist aber hier unten", so Hippchen. Ein paar Ecken weiter droht noch größeres Ungemach. Aus dem achtgeschossigen Hochhaus zieht in einigen Jahren das Jugendamt aus. David Pasternak sitzt für die SPD in der Regionalversammlung, er erklärte, warum er für den Umzug gestimmt hat: "Es pfeift durch alle Ritzen, das Gebäude ist in einem schlechten energetischen Zustand." Hippchen berichtete von weiteren Umzugsplänen: "Der Handwerkskammer ist es zu eng, sie braucht modernere Räume." Eine Erweiterung wäre nur in Richtung ehemaliges Kultusministerium möglich. Und zwar auf dessen Parkplatz. Zum Problem entwickelt sich das leer stehende Ministerium. Einst pompös als französische Botschaft gebaut, steht es weiter leer. Und so werden die Alt-Saarbrücker Leerstandsprobleme eher größer als kleiner.