Tierheim-Serie : Drei alte Katzen suchen  neue Heimat

Sie wurden ausgesetzt, weggegeben oder waren nach dem Tode ihrer Besitzer unversorgt. Wir stellen sie vor.

Oreo steckt ein leider allzu typisches Katzenschicksal in den Knochen. Barbara Best, eine seiner Betreuerinnen im Bertha-Bruch-Tierheim, erinnert sich an seine Ankunft und die erste Zeit in der Obhut der Tierschützer.  „Er  kam als Fundtier zu uns, leider wie so oft nicht gekennzeichnet. Oreo ist anfangs etwas schüchtern, kein Kater, der jedem gleich auf den Schoß springt.“ Nein, unfreundlich zeigt Oreo sich  nicht. Dennoch ist  ihm wichtig, Menschen seine   Unabhängigkeit zu zeigen.

Er kommt gern zu Heimbesuchern,  um mal eben Hallo zu sagen. Aber dann will er auch wieder seiner Wege gehen. Barbara Best ist sich sicher, dass Oreo nur etwas mehr Ruhe und stabilere Lebensumstände braucht, um noch mehr aus sich herauszukommen. Denn diese Ruhe kann ihm ein Tierheim mit seinem stressigen Alltag einfach nicht bieten. Daran kann auch der artgerechte ziemlich noch neue Bau nichts ändern, in dem die Katzen leben. Barbara Best ist sich sicher: „Bei festen Bezugspersonen würde Oreo sicher anhänglicher werden, bei uns  muss er sich ja mit ständig wechselnden Besuchern auseinandersetzen.“ Ganz jung ist der Kater sicherlich nicht mehr. Best schätzt ihn auf etwa zehn Jahre. Wie  älteren Menschen falle es Oreo nicht mehr so leicht, sich mit neuen  Lebensumständen auseinanderzusetzen. Dass der Kater nicht mehr so munter durch die Gegend springt wie junge Artgenossen liegt auf der Hand. Seine  leichte Arthrose behindert ihn jedenfalls kaum.

Kommen wir zu unserem nächsten tierischen Notfall. Auch Carmela ist nicht mehr ganz jung. Wie Schicksalsgenosse Oreo  kam sie  als nicht gekennzeichnetes Fundtier in die Obhut der Saarbrücker Tierschützer. Dass sie wohl schon lange unversorgt um die Häuser gestreunt war, zeigte  Anfangs ihr sehr schlechter Allgemeinzustand. Inzwischen ist Carmelas Gebiss in Ordnung. Die liebevolle  Versorgung tat ein Übriges, dass die Katzendame  wieder aufblühte. Gut erholt, fehlt der etwa zehn Jahre alten Katzendamen nur noch ein  neues Zuhause. Darauf wartet sie schon so lange.

Da ist es kein Wunder, dass sie ihr Herz nicht von jetzt auf gleich verschenkt. Carmela ist wie Oreo anfangs zurückhaltend, dabei aber nicht unfreundlich. Aber es braucht einfach seine Zeit, bis sie sich auf einen Menschen einlässt. Sicher hat sie auch schlechte Erfahrungen gemacht, das prägt eine Katze nun mal für ihr weiteres Leben.

Nun zu einem weiteren Langzeitbewohner des Heims, Timmi. „Er begleitet uns   schon seit dem Jahre 2012“, sagt Barbara Best. Dabei sah es schon etmehrfach so aus, als nehme sein Leben endlich eine  glückliche Wende. Mehrfach vermittelt, musste Timmi aber doch immer wieder zurück ins Heim. Seine  Unsauberkeit verschwand trotz alle Mühen einfach  nicht.

Warum das Kerlchen war auch bei den neuen Besitzern nicht stubenrein wurde, liegt im Dunkeln. So bleiben seinen Betreuern nur Vermutungen.  Wahrscheinlich liegen die Ursachen dafür schon in seiner Kindheit und Jugend, vielleicht hat er es sich aber auch nur angewöhnt im Laufe der Jahre.

Nun aber zu seinen Stärken. Da kommt Katzenkennerin Best regelrecht ins Schwärmen. Von seinem Verhalten her ist er ein Traum von einem Kater, zutraulich, verschmust, menschenbezogen. Er ist einfach nicht gern allein. Gesellschaft muss sein, in menschlicher oder tierischer Form. Mit anderen Katzen, vor allem Katzenmädchen,  ist er sehr verträglich, ohne Gesellschaft  trauert er ganz offensichtlich.

An Schicksalsgenossen, vor allem älteren Tieren, herrscht im Tierheim kein Mangel. Barbara Best: „Leider landen immer mehr ‚alte‘ Katzen bei uns im Tierheim. Oft hat man den Eindruck, dass die Tiere  einfach zurückgelassen oder ausgesetzt werden, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben. Sie werden meist als Fundtiere zu uns gebracht, manche Leute geben sie auch aus privaten Gründen ab.“

Wobei jeder wissen muss, daß das Tierheim nicht verpflichtet ist Privatkatzen aufzunehmen. Zuständig sind die Betreiber  nur zur Aufnahme von Fundtieren aus den Gemeinden, die mit dem Tierschutzverein  einen Vertrag zur Versorgung ihrer Fundtiere haben.

Name:  Kater Timmi Alter:  Timmi ist im Jahr 2003 geboren Rasse: Europäisch Kurzhaar Kastriert: Ja Gesundheit: Bei Timmi zeichnen sich erste, aber noch beherrschbare  Nierenprobleme ab. Besonderheiten: Unsauberkeit,  verträglich mit anderen Katzen Foto: Cornetz/Barbara Cornetz
Hier zeigt Katzenbetreuerin Svea Guth ihren Schützling Oreo. Der Europäisch-Kurzhaar-Kater ist um die zehn Jahre alt. Dass der gesellige Kater nicht mehr der Jüngste ist, zeigt sich an beginnender Arthrose. Fotos: Barbara Cornetz Foto: Eva Fell

Da allerdings so gut wie  jede abgewiesene „Abgabekatze“ das Fundtier von morgen sein wird, nehmen die Tierfreunde vom Folsterweg Notfälle lieber rechtzeitig auf. Das kostet Best zufolge aber  so viel Geld, dass sie und ihre Kollegen mittlerweile  gezwungen sind, eine Abgabegebühr zu erheben. Jedoch reiche auch die nicht aus, um die Kosten zu decken.