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Barock trifft Moderne
Stillstand für Großprojekt in Alt-Saarbrücken

Die Eisenbahnstraße und der Platz vor der Friedenskirche in Alt-Saarbrücken sollen mit Geld von Bund und Land umgestaltet werden.
Die Eisenbahnstraße und der Platz vor der Friedenskirche in Alt-Saarbrücken sollen mit Geld von Bund und Land umgestaltet werden. FOTO: Markus Saeftel
Alt-Saarbrücken. Verwaltung wirft Planern mangelhafte Arbeit vor. Droht jetzt ein Rechtsstreit? Den will Baudezernent Lukas vermeiden. Von Markus Saeftel

Schlechte Nachricht für das Bauprojekt „Barock trifft Moderne“ in Alt-Saarbrücken: Die Verwaltung kann nicht wie geplant die Eisenbahnstraße zwischen Ludwigsplatz und Friedenskirche in diesem Jahr umbauen, sondern muss das auf 2019 verschieben, sagt Baudezernent Heiko Lukas. Ist dann das Fördergeld des Bundes in Gefahr? Dieses Geld sollte nur fließen, wenn alle Arbeiten 2018 abgeschlossen und abgerechnet werden. Das bestätigt Lukas. Doch er sagt: „Wir sind guter Dinge, dass das Fördergeld nicht verloren geht und wir bis Ende 2019 abrechnen können.“


Was ist passiert? Wie Lukas berichtet, hat die Verwaltung die Ausschreibung für die Straßenarbeiten in der Eisenbahnstraße und der Wilhelm-Heinrich-Straße aufgehoben und ist einer Empfehlung ihres Rechnungsprüfungsamts (RPA) gefolgt. Die Ausschreibung des Ingenieurbüros Arndt IDC GmbH & Co. KG, Hamburg, und WES Landschaftsarchitektur mit mehreren Büros bundesweit, sei nach Angaben des RPA sehr fehlerhaft gewesen. Es habe ungewöhnlich viele Fragen von Bietern gegeben. Darauf habe das RPA reagiert. In einer Ausschreibung werden die Leistungen, die zu erbringen sind, eindeutig definiert. Sie sind die Grundlage für ein Angebot eines Unternehmens. Wie Arndt IDC im Internet mitteilt, hat es einen Großteil der Projektplanung und die Vergabe vorbereitet.

Die Ausschreibung betrifft die Fläche vor der Friedenskirche, die barrierefrei gestaltet werden soll, und die Arbeiten in der Eisenbahnstraße zwischen Friedenskirche und Ludwigsplatz. Hier ist ein barrierefreier Mittelstreifen aus Natursteinpflaster geplant. Auch in der Wilhelm-Heinrich-Straße soll bis zur Höhe Löwengasse dieses Pflaster verlegt werden (die SZ berichtete). Schon Ende 2017 hatte es ein Treffen mit den Planungsbüros gegeben, berichtet Lukas. Die Verwaltung habe darauf bestanden, dass eine Fehlerliste abgearbeitet wird. Trotzdem sei die Ausschreibung am Ende noch fehlerhaft gewesen. „Wir werden versuchen, mit den Planern eine einvernehmliche Lösung zu finden und einen Rechtsstreit zu verhindern“, erklärt Lukas. Gleichzeitig werde eine neue Ausschreibung vorbereitet.

Auch Gespräche mit dem Bund wegen des Fördergeldes habe er geführt. Einen schriftlichen Beleg, dass der Betrag auch 2019 überwiesen wird, habe er noch nicht. Doch er sei zuversichtlich, dass das Geld fließt, sagt Lukas. Die Bauarbeiten sollen 1,4 Millionen Euro kosten, das Gesamtprojekt vier Millionen Euro. 90 Prozent zahlt der Bund, den Rest das Land. Die anderen Bauarbeiten, zum Beispiel die Sanierung der Ludwigskirche, könnten fristgerecht abgerechnet werden. Lukas kann der Verzögerung auch etwas Positives abgewinnen: Wenn 2019 gebaut werde, sei die Sanierung der Wilhelm-Heinrich-Brücke erledigt. In diesem Jahr soll trotzdem in der Wilhelm-Heinrich-Straße gebaut werden: Dann erneuern die Stadtwerke dort voraussichtlich die Fern­wärmeleitung, sagt der Dezernent.

Die 480 000 Euro Mehrkosten für das Bauprojekt, die Ende 2017 bekannt wurden, muss die Stadt aus der eigenen Kasse bezahlen, bestätigt Pressesprecher Thomas Blug. In der Eisenbahnstraße hatte die Verwaltung Känale und Leitungen entdeckt, die freigelegt werden müssen. Auch die Straßenbeleuchtung müsse modernisiert werden. Lukas versichert: Dieses Geld steht im Haushalt bereit.