Seit der Umstellung auf digitales Kabelfernsehen fehlt der SR.

Digitales Kabelfernsehen : „Fühle mich veralbert und im Stich gelassen“

Alt-Saarbrücker SZ-Leser klagt: TV-Sender SR fehlt seit Analogabschaltung. Vodafone will Spezialisten schicken, der den Fehler behebt.

Nach und nach wird bis Mitte dieses Jahres das analoge Kabelfernsehen in Deutschland abgeschaltet. Im Regionalverband geschah dies bereits Mitte Januar. Seither wird nur noch in DVB-C gesendet. Diese Abkürzung steht für „digital video broadcasting – cable“, zu Deutsch: digitales Kabelfernsehen.

Besitzer älterer TV-Geräte, die ihr Kabelsignal nur analog empfangen, müssen nachrüsten. In neueren Geräten sind hingegen meist die notwendigen Empfangsteile – ein DVB-C Tuner – bereits integriert. Die Umstellung sollte dann eigentlich automatisch und ohne Mehrkosten erfolgen.

Nicht so bei Romanus Degenhart aus Alt-Saarbrücken. Seit der Empfang am 15. Januar bei ihm umgestellt wurde, vermisse er den Saarländischen Rundfunk (SR) in seiner Programmliste. Mehrmals habe er einen Sendersuchlauf mit seinem eigentlich für das digitale Fernsehen geeigneten Kabelreceiver gestartet.

Das Bild auf seinem Fernseher bleibe aber schwarz. Seit Wochen versuche Degenhart mehrmals täglich die Service-Hotline seines Kabel­anbieters Vodafone Kabel Deutschland zu erreichen. „Leider ohne Erfolg. Der Sprachcomputer der Hotline sagt immer ‚Das hat leider nicht geklappt‘ und beendet den Anruf“, sagt Degenhart.­

Mit einem persönlichen Ansprechpartner habe er über die Hotline nicht in Kontakt treten können. Ebenso wenig über das Internet. Seine Meldung über eine Störung sei auch dort erfolglos geblieben.

In einem Vodafone-Shop in Saarbrücken hätten die Mitarbeiter ihn lediglich an die Service-Hotline verwiesen. „Ich fühle mich veralbert und im Stich gelassen“, sagt Degenhart. Zumal er auch nicht der einzige Betroffene sei. Denn in seinem Wohnhaus gebe es einen Sammelanschluss. Das heißt, seine Nachbarn empfangen ebenfalls seit rund drei Wochen nicht mehr den SR.

Volker Petendorf, Konzernsprecher von Vodafone Deutschland, teilt auf Nachfrage mit, dass „die Volldigitalisierung in unserem Kabelglasfasernetz am 15. Januar in Saarbrücken reibungslos geklappt“ habe. Eine detaillierte Prüfung habe ergeben, dass es „keinen Fehler des Fernsehsignals in unserem Kabelglasfasernetz“ gebe. Der Sender SR sei in Standard-Auflösung weiterhin auf dem Sendeplatz 24 (Frequenz: 330 Megahertz) eingespeist. Durch die Analogabschaltung habe sich daran nichts geändert.

In HD-Auflösung habe sich die Frequenz von 458 auf 586 Megahertz verschoben. Sofern Kunden einen Receiver von Vodafone benutzen, ändere sich bei der HD-Variante die Sendernummer von 168 zu 160, bei Kunden-eigenen Geräten könne die Programmnummerierung abweichen.

Im Fall von Romanus Degenhart „gehen wir von einer Signalstörung vor Ort aus“, sagt Petendorf. Dass Degenhart die Service-Hotline nicht erreichen konnte, kann der Konzernsprecher nicht nachvollziehen: „Unser Kundenservice ist grundsätzlich sehr gut zu erreichen.“ Ein Spezialist werde nun bei Degenhart vor Ort weitere Details ergründen und die Behebung des Fehlers anstoßen.

Die Verbraucherzentrale des Saarlandes informiert auf ihrer Internetseite über die Umstellung auf digitales Fernsehen. „In den meisten Fällen kostet die Umstellung auf digitales Kabelfernsehen nichts. Sowohl die Öffentlich-Rechtlichen als auch die großen Privatsender sind digital bis mindestens Ende 2022 ohne Aufpreis zu empfangen“, heißt es dort. Wer allerdings einen älteren Fernseher ohne integrierten DVB-C Tuner besitzt, muss mit einem entsprechenden Empfangsgerät wie einem digitalen Kabelreceiver nachrüsten.

Die Verbraucherzentrale weist zudem darauf hin, dass für das digitale Fernsehen kein neuer Vertrag abgeschlossen werden müsse. „Auch wenn Medienberater der Kabelnetzbetreiber zum Abschluss eines neuen und meist teureren Kabelvertrags raten: Ein neuer Vertrag mit dem Kabelanbieter ist durch die Analogabschaltung nicht notwendig.“

Da die digitalen Sender allerdings neu sortiert werden, müssen Kunden einen Sendersuchlauf starten, um die Programmliste einzustellen.

Weitere Informationen der Verbraucherzentrale des Saarlandes zur Analogabschaltung finden sich im Internet unter www.verbraucherzentrale-saarland.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung