Noch mehr Zuwendung für die Folsterhöhe

Die Stadt will ihr Entwicklungskonzept für das Quartier Folsterhöhe fortschreiben. Die bisherige Integrationsleistung gilt dank der Beteiligung vieler Kräfte als vorzüglich. Darauf möchte die Stadt Saarbrücken aufbauen, denn jetzt kommen Syrer und Rumänen hinzu.

Das Saarbrücker Wohnquartier Folsterhöhe wird durch syrische Flüchtlinge und Zuwanderer aus den Balkanstaaten der Europäischen Union vor "neue Herausforderungen" gestellt. So steht es in einem Bericht der Stadtverwaltung. Sie will das sogenannte Quartiersentwicklungskonzept von 2013 fortschreiben und weiß dabei das Caritas-Gemeinwesenprojekt "Kontaktzentrum Folsterhöhe ", die Saarbrücker Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft (ihr gehören alle 968 Wohnungen in den neun Hochhäusern), lokale Akteure (Vereine, Gruppen) sowie den Regionalverband an ihrer Seite. Vor allem geht es darum, für weiteren geeigneten Wohnraum und ein attraktives Stadtteilbild, für Bildung, Spracherwerb und Kommunikation zu sorgen.

Wie in dem Bericht ausgeführt wird, lebten zum Stichtag 31. Dezember letzten Jahres 122 Syrer auf der Folsterhöhe , darunter 70 dauerhaft in dem als sanierungsbedürftig geltenden 13-stöckigen Haus "Königsbruch". 50 als Asylbewerber anerkannte Syrer leben als "normale" Mieter in den anderen Häusern. Insgesamt wohnen in dem 1962 bis 1965 in Plattenbauweise erstellten Quartier Folsterhöhe 1675 Personen.
Große Kinderarmut



Durch den Flüchtlingszuzug ist der Ausländeranteil auf fast 27 Prozent gestiegen (Stadt Saarbrücken insgesamt: 15 Prozent), der Anteil der Migranten , darunter vor allem Russlanddeutsche , beträgt fast 50 Prozent. Die Leute auf der Folsterhöhe sind überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen (25 Prozent), über 53 Prozent aller Bewohner und 70 Prozent der Kinder sind von staatlichen Leistungen abhängig und werden diese Hilfe nach Expertenmeinung auch weiter brauchen. Die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen liegt bei nur 25 Prozent.

Während die Stadtverwaltung die "Grundstimmung" gegenüber den syrischen Flüchtlingen als "positiv" bewertet, gilt der Zuzug von Personen aus den Balkanstaaten, vor allem aus Rumänien, als "problematisch". Die Gruppe falle "durch unangepasstes Verhalten im öffentlichen Raum" auf, die Wohnungen seien überbelegt, der Schulbesuch der Kinder unregelmäßig. Kindertagesstätte und Grundschule stünden "vor großen Integrationsaufgaben" und bräuchten mehr Unterstützung durch professionelle Dolmetscher.

Alles in allem gilt die soziale Infrastruktur und Ausstattung der Folsterhöhe als "sehr gut". Zwar seien die Ursachen für Arbeitslosigkeit und Armut im Wohngebiet selbst nicht zu beseitigen, aber die lokalen Einrichtungen, allen voran das Gemeinwesenprojekt, könnten die Bewohner unterstützen, ihre Situation zu verbessern, heißt es in dem Bericht. Trotz der schwierigen sozialen Lage vieler Bewohner leiste das Quartier Folsterhöhe eine beachtliche und "geräuschlose" Integrationsleistung. Dabei spielten die sehr gute soziale Infrastruktur und die Bereitschaft der lokalen Akteure, beispielsweise im Arbeitskreis Soziale Einrichtungen oder im neu eingerichteten Runden Tisch Flüchtlinge , miteinander zu kooperieren eine wichtige Rolle. Die neuen Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen und südosteuropäischen EU-Zuwanderern würden von den lokalen Einrichtungen als selbstverständliche zusätzliche Daueraufgabe verstanden.
"Hier kennt man sich und kommt sich entgegen"

 Susanne Gottschall
Susanne Gottschall
 Kai Dimmig
Kai Dimmig
 Alexander Wolf
Alexander Wolf
 Sarah Gottschall
Sarah Gottschall
 Rolf Ganswind
Rolf Ganswind

Wie empfinden die Menschen, die auf der Folsterhöhe leben, den Zuzug von Syrern und Rumänen? Die SZ-Mitarbeiter Frank Bredel und Anny-Ellen Reichel haben sich auf der Folsterhöhe in Saarbrücken umgehört.

Saarbrücken.
"Ich fühle mich sehr wohl in dem Viertel", erzählt Susanne Gottschall, die sehr begeistert von den Grünanlagen auf der Folsterhöhe ist. "Wir haben hier viele grüne Plätze zum Entspannen. Also was die Freizeit angeht, kann man sich hier absolut nicht beklagen", sagt die 44-Jährige. Auch mit ihren Nachbarn kommt Gottschall gut klar: "Wenn man freundlich und hilfsbereit ist, sind die Nachbarn es auch. Ich habe wirklich keine Probleme mit anderen Menschen, die hier wohnen. Egal von welcher Nationalität", sagt die Haushaltshilfe, die schon seit fast 40 Jahren auf der Folsterhöhe wohnt. Ihre Tochter Sarah Gottschall (26) sieht das genau so: "Ich kann meine Kinder bedenkenlos vor dem Haus spielen lassen. Hier kennt man sich und man kommt sich entgegen", sagt die Hausfrau. "Die Nachbarn sind hier größtenteils alle super nett. Und mit größtenteils meine ich keine bestimmten Rassen. Es gibt auch Anwohner, die hier schon ihr Leben lang wohnen und nicht sehr umgänglich sind", erzählt die Saarbrückerin, die auf der Folsterhöhe aufgewachsen ist.

Kai Dimmig hat positive Erfahrungen mit seinen Nachbarn gemacht: "Ich war für einige Zeit im Krankenhaus und musste die erste Zeit zu Hause mit dem Rollstuhl fahren. Es waren die Migranten , die mir öfter geholfen haben und freundlich zu mir waren." Der 38-Jährige ist mit seiner Freundin letztes Jahr in das Viertel gezogen und fühlt sich sehr wohl. "Wir haben hier wenig Probleme mit Nachbarn und auch der hohe Migrationsanteil macht uns nichts aus", sagt der arbeitssuchende Saarbrücker.

"Ich bin in dem Viertel groß geworden, wohne aber nicht mehr hier", erzählt der 57-jährige Rolf Ganswind, der aber noch regelmäßig in der Gegend unterwegs ist. "Es hat sich viel hier verändert, aber nicht im negativen Sinne, finde ich. Wenn es zwischen den Nachbarn mal kracht, dann nur weil sie sich nicht verstehen. Nicht weil die einen Ausländer sind und die andern nicht. Meistens sind es sogar die, die schon ewig hier wohnen und älter sind, die Streit anfangen", sagt der Kraftfahrer aus Saarbrücken. Alexander Wolf wohnt seit zirka 17 Jahren in der Siedlung und besucht den dortigen Judoclub schon seit längerem: "Es hat etwas Gemeinschaftliches, wenn man sich dort zum Sport trifft." Der 25-jährige Student hat keine Vorurteile gegenüber den ausländischen Nachbarn . "Ich selbst komme aus Russland und bin der Letzte, der etwas gegen andere Nationalitäten im Viertel sagt. Aber manchmal drehen unsere bulgarischen Nachbarn die Musik doch schon etwas zu laut auf. Das Problem kann man aber auch mit andern Nachbarn haben", sagt der Saarbrücker, der sich ansonsten gut mit den Anwohnern versteht.