Lehrer stecken in Tortenstücken

Die Schüler und Lehrer der Grundschule Am Ordensgut haben in den letzten Wochen fleißig an ihren Kostümen gebastelt. Am Samstag präsentieren sie ihre Verkleidungen dann beim großen Fastnachtsumzug.

"Ja, das passt. Zeig es mal den anderen", fordert die Lehrerin Oscar auf, der sich im Klassenraum der vierten Klasse gerade die Klettverschlüsse seines Kostüms anpassen lässt. Er und seine Mitschüler gehen als Minions, die kleinen gelben Wesen aus dem gleichnamigen Animationsfilm. Einen Raum weiter sitzen Lucy, Aras und Colin und bemalen konzentriert ihre weißen Krawatten mit roten und gelben Streifen.

Wozu das Ganze? "Wir stellen Figuren aus Harry Potter dar. Rot und Gelb sind die Farben von Gryffindor", erklärt Lucy. Aus einem anderen Klassenraum sind Faschingslieder zu hören.

Überall in der Grundschule Am Ordensgut basteln Schüler und Lehrer in den beiden Projektwochen an den Kostümen für den Umzug am 30. Januar. Der zieht ab 11.11 Uhr durch die Straßen im Schulviertel. Lehrer , Schüler und Eltern feiern anschließend noch in der Schule. "Weil all das so viel Aufwand ist, findet der Umzug nur alle vier Jahre statt", erklärt Schulleiterin Doris Burkhardt. 2016 ist in doppelter Hinsicht ein Jubiläumsjahr: Der Umzug feiert sein 20-jähriges, die Schule ihr 40-jähriges Bestehen.

Eine Klasse hat sich daher etwas ganz Besonderes ausgedacht: Die Schüler gehen als Geburtstagskerzen, die Lehrer und Integrationshelfer als Tortenstücke. Zumindest die Tortenstücke sind schon fertig. An den Kerzen wird noch gearbeitet. "So hat jede Klasse ein anderes Motto", sagt Burkhardt. Meistens haben die Schüler einer Klasse die gleichen Verkleidungen. Die Klasse 4.2 ist da eine Ausnahme. Bei ihnen ist das Motto zwar "Harry Potter ", die Figur aber hat sich jeder selbst ausgesucht. Der zehnjährige Colin hat sich für Neville Longbottom entschieden, einen sensiblen und leicht übergewichtigen Mitschüler Harrys. "Viele haben gesagt, dass ich ihm ähnlich sehe. Also habe ich mir einen Ruck gegeben, denn meine erste Wahl war er nicht", sagt Colin und fügt hinzu: "Schließlich wird er am Ende ja auch ein guter Zauberer." Just nach diesem Satz wird Colin durch ein Wackeln seines Tisches unterbrochen. Auch Felix, verkleidet als Wildhüter Hagrid, dreht sich erstaunt um. Verursacht hat das Wackeln Sergej, der gerade sein Kostüm, den "sprechenden Hut", anprobiert, der fast so groß ist wie er selbst. Zwei kleine Gucklöcher auf Höhe der Augen müssen zur Orientierung reichen. "Ich übe noch", murmelt es unter der dicken Schicht aus Karton und braunem Stoff.

"Der Umzug ist hier im Viertel eine richtige Institution. Das hat auch viel mit Gemeinschaft zu tun", sagt die Schulleiterin. Begleitet wird er von zwei Musikkapellen. Auch der Kindergarten beteiligt sich und viele Eltern helfen bei der Vorbereitung, zum Beispiel die Mutter von Mia-Martha, die beim Zusammensetzen der Schneemann-Kostüme hilft. "Die Holzstöckchen haben wir vom Nachbarn einer Mitschülerin bekommen", erklärt Mia-Martha. Viel fehlt nicht mehr, bis die Vorbereitungen abgeschlossen sind. Dann muss nur noch das Wetter mitspielen. "Beim letzten Mal war es so kalt, dass der Kapelle sogar die Instrumente eingefroren sind", erzählt Doris Burkhardt. Sie hofft, dass es diesmal nicht ganz so kalt wird, damit viele Zuschauer kommen. Gegen Minusgrade hat Felix schon ein Rezept: "Ich nehme einfach eine Thermoskanne mit."

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