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Knuddeln allein genügt nicht

Tanja Topal weiß, was Chinchillas brauchen. Ihr ist wichtig, dass sich auch die neuen Besitzer der Tiere mit den Besonderheiten dieser liebenswerten Geschöpfe auskennen. Fotos: Patrick Miethke
Tanja Topal weiß, was Chinchillas brauchen. Ihr ist wichtig, dass sich auch die neuen Besitzer der Tiere mit den Besonderheiten dieser liebenswerten Geschöpfe auskennen. Fotos: Patrick Miethke
Alt-Saarbrücken. Sie wurden ausgesetzt, schweren Herzens weggegeben oder waren nach dem Tode ihrer Besitzer unversorgt. Im Saarbrücker Bertha-Bruch-Tierheim warten sie auf ein neues Zuhause. Wir stellen sie in unserer Serie „Wer will mich?“ vor. Diesmal geht es um Chinchillas und ein Frettchen, kleine Tiere, die in ihrem neuen Zuhause Halter mit Sachverstand verdienen. Frank Kohler

War es Absicht oder Ahnungslosigkeit? Egal. Fest steht: Sie machten alles falsch. Erst pferchten sie neun Chinchillas in nur zwei Boxen. Wie lange, wird sich nicht mehr klären lassen. Die Tierquäler schleppten ihre Opfer in den Boxen durch den Wald. In der Nähe des Tierheims überließen die Vorbesitzer die Kleintiere ihrem Schicksal. Jetzt sind Annica, Tina, Marina und die anderen Chinchillas in der Obhut der Kleintierexperten. Die Fehler ihrer Vorbesitzer überschatten aber weiter das Leben der neun.

Sie müssen erst einmal im Heim bleiben, um Interessenten unliebsame Überraschungen zu ersparen. Dazu Heimsprecherin Tabatha Walter: "Da Jungs und Mädels leider durcheinander in den Boxen saßen, könnten zumindest die beiden erwachsenen Mädels trächtig sein. Und selbst bei den kleinen können wir das nicht hundertprozentig ausschließen."

Deshalb können die Kleintierbetreuerinnen Annica und ihre Freundinnen erst ab etwa Anfang Dezember vermitteln. "Chinchillas sind relativ lange trächtig, und wir wollen nicht, dass sich das erst bei den neuen Besitzern herausstellt."

Klar ist schon jetzt, dass drei Freundinnen auf jeden Fall zusammenbleiben sollen: Annica, Marina und Tina. Sie verstehen sich einfach zu gut, als dass ihre Betreuer sie getrennt aus dem Heim geben wollen.

Zu viert oder als Pärchen zu vermitteln sind Elke, Katja, Nicole und Rebecca. Einzeln werden die Betreuerinnen diese Tiere auf keinen Fall abgeben, selbst wenn Interessenten bereits Chinchillas zuhause haben. Tabatha Walter begründet das so: Sollte die Vergesellschaftung im neuen Zuhause nicht klappen, müsste das Tier zurück ins Heim. Aber ist eine Rückkehr in seine bisherige Gruppe unter Umständen nicht mehr möglich. "Und wir hätten ein extremes Platzproblem, weil wir keine freie Kleintierbox mehr haben."

Ein Partnertier haben sollte in seinem neuen Zuhause ein weiterer Bewohner der Kleintierabteilung, Frettchen Guido. Über sein Vorleben ist wenig bekannt. Er ist ein Fundtier, in einem Keller entdeckt und von seinen Findern zu einer Tierärztin gebracht.

"Von dort kam er dann zu uns ins Heim. Die Ärztin schätzt ihn auf zwei Jahre", sagt Tabatha Walter. "Wir suchen für ihn ein etwa gleichaltriges Partnertier sowie ein Zuhause mit ausreichend Platz."Steckbrief:



Name: Guido

Tierart: Frettchen

Geschlecht: männlich

Kastriert: ja

Alter: etwa zwei Jahre

Besonderheiten: Guido ist freundlich und zutraulich

Weitere Informationen über die Tiere in dieser "Wer will mich?"-Folge gibt es täglich von 14 bis 17 Uhr (außer montags) im Bertha-Bruch-Tierheim, Folsterweg 101, Tel. (06 81) 5 35 30.
Das Wichtigste über Frettchen und Chinchillas

Sie sehen so süß aus. Doch wer Chinchillas oder Frettchen nur wegen ihres Aussehens kauft und sich nicht richtig über die Bedürfnisse der Tiere infor- miert, schadet ihnen. Deshalb wartet Eva Fell mit dem Wich- tigsten über Chinchillas auf. Kathrin Schmidt und Jessica Bröcker informieren über die richtige Frettchenhaltung.

Frettchen sind sehr gesellige Tiere und sollten daher mindestens zu zweit gehalten werden. Die aufgeweckten Tiere sind sehr aktiv und benötigen daher ausreichend Platz, um sich zu bewegen, aber auch Ruheplätze, um sich nach dem Spielen zurückziehen zu können. Für zwei Frettchen sollte ein Gehege von mindestens zwei bis drei Quadratmetern auf mehreren Ebenen dauerhaft zur Verfügung stehen, besser wären ein Frettchenzimmer oder gar Auslauf in der Wohnung. Nur muss die dann so sicher gestaltet sein, dass die Tiere nicht versehentlich weglaufen oder sich verletzen können.

Das Außengehege muss ein- und ausbruchsicher sowie ausreichend groß sein, damit die Tiere sich im Winter durch Bewegung aufwärmen können.

Chinchillas benötigen Platz

Chinchillas sind sehr soziale Tiere, die auf keinen Fall alleine gehalten werden sollten. Da die Vergesellschaftung erwachsener Tiere schwierig sein kann, sollten unerfahrene Halter sich Tiere anschaffen, die schon länger miteinander vergesellschaftet sind. Dabei sollten gleichgeschlechtliche Gruppen gehalten werden, um eine ungewollte Vermehrung zu verhindern. Chinchillas laufen, springen und klettern sehr gerne. Deshalb sind handelsübliche Käfige oder Volieren für Chinchillas nicht geeignet. Ein Gehege für zwei Tiere sollte mindestens 1,50 Meter lang, 80 Zentimeter breit und 1,50 Meter hoch sein. Selbst das reicht nur, wenn die Tiere einen zusätzlichen Auslauf haben. Besser ist es, wenn ihnen rund um die Uhr ein großes Haus mit vielen Kletter- und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung steht. Ein Richtwert, den Interessenten beherzigen sollten: Chinchilla-Schutzvereine fordern eine Grundfläche von fünf Quadratmetern für zwei Tiere.
Zum Thema:

Der Adventsbasar des Tierschutzvereins Saarbrücken in seinem Bertha-Bruch-Tierheim dauert am Samstag, 21. November, von 11 Uhr bis 17 Uhr. Es gibt ein Glücksrad, vegane Speisen, hausgemachte Liköre und Marmelade, einen Flohmarkt, Bücher, Weihnachtsplätzchen und -gestecke. Auch auf dem Alt-Saarbrücker Weihnachtsmarkt am Schloss, 28. und 29. November, ist das Tierheim vertreten. red