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Feuerwehr
Freiwillige Feuerwehr Alt-Saarbrücken in Platznot

In Alt-Saarbrücken macht die Parkplatzsuche auch den Rettern zu schaffen. (Symbolbild)
In Alt-Saarbrücken macht die Parkplatzsuche auch den Rettern zu schaffen. (Symbolbild) FOTO: Jan-Philipp Strobel / picture alliance / dpa
Alt-Saarbrücken. Acht Minuten – oder spätestens 480 Sekunden, nachdem ein entsprechender Notruf bei der Rettungsleitzentrale eingegangen ist, sollen die ersten Lebensretter am Unglücksort sein. Doch für die Retter wird das manchmal schwierig. Von Andreas Lang

Acht Minuten – oder spätestens 480 Sekunden, nachdem ein entsprechender Notruf bei der Rettungsleitzentrale eingegangen ist, sollen die ersten Lebensretter am Unglücksort sein. Diese Zeitspanne, so wissen Kenner des Rettungshandwerks, ist nicht aus der Luft gegriffen. Dann nach Ablauf von acht Minuten wird die Gefahrenlage für die in Not geratenen Personen kritisch. Dann ist unter Umständen tatsächlich Leben in höchster Gefahr. Was aber, wenn die freiwilligen Feuerwehrleute das nicht schaffen – selbst wenn der geforderte Löschbezirk personell stark genug aufgestellt ist und sogar genügend Fahrzeuge parat stehen? Etwa, wenn die herbei eilenden ehrenamtlichen Rettungsprofis keinen Parkplatz in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses finden? Oder, wenn dreiste Parker sogar die Ausfahrt der Gerätehäuser blockieren? So zuletzt in Alt-Saarbrücken geschehen.



Das Saarbrücker Feuerwehrwesen ist als Zwei-Säulen-System ausgelegt, in dem sich Freiwilligen- und Berufswehr ergänzen. In der Kernstadt ist es die Regel, dass die Feuerwehrautos aus den beiden Wachen der Berufsfeuerwehr am Hessenweg und in Malstatt als Erste am Einsatzort sind. Je weiter es in die Außen-Stadtteile geht, sollen die Freiwilligen die Acht-Minuten-Grenze einhalten. So weit die Theorie, in der Praxis könnten aber sämtliche Kräfte der Berufsfeuerwehr bei anderen Einsatzlagen gebunden sein, während aus Alt-Saarbrücken ein neuer Notruf eingeht. Dann müssten die Kameraden aus dem Löschbezirk 11 binnen 480 Sekunden am Einsatzort eintreffen. Ein ehrgeiziges Vorhaben, wenn man bedenkt, dass sie von Zuhause zum Feuerwehrgerätehaus rasen, dort in die bereits alarmmäßig bereitstehenden Einsatzklamotten huschen, ins Feuerwehrauto steigen und zum Einsatzort brausen müssen. Bei diesen Voraussetzungen müsste selbst dem Laien klar sein, dass dazu alles reibungslos laufen muss.

Sollte also die Stadt darum nicht versuchen, möglichst viele störende Einflüsse aus dem Weg zu räumen? Eine Debatte aus dem zuständigen Stadtratsausschuss für Sicherheit und Sport offenbart dazu Überraschendes. Da hat Michael Bleines, Mitglied der Linken-Fraktion, erfahren, dass in Alt-Saarbrücken das Gelände der Firma Götten-Reisen nicht mehr genutzt wird. Wo einst die Busse des Unternehmens in der Gersweilerstraße im Gebäude gut untergestellt waren und ringsum rund 2600 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, müsste doch auch ein idealer Platz für die Freiwillige Feuerwehr des Stadtteils sein. Zumal die in völlig beengten Verhältnissen an der Heuduckstraße haust und die Gersweiler ähnlich nahe im Alt-Saarbrücker Zentrum liegt, wie das jetzige Zuhause des Löschbezirks 11. Also hat Bleines den entsprechenden Antrag gestellt und hofft auf wohlwollende Prüfung der Verwaltung.

Doch von Saarbrückens Feuerwehr-Chef Josef Schun erfährt er Erschütterndes: „Die Situation in der Hälfte der 14 Löschbezirke ist suboptimal und da hat Alt-Saarbrücken nicht erste Priorität.“ Suboptimal heißt so viel wie „schlecht“. Ob es dann nicht gut wäre, dort anzufangen, wo sich eine günstige Gelegenheit dazu ergebe, wollte SPD-Frau Sigrid Martin-Köllner folgend wissen. Sicherheitsdezernent Harald Schindel, Linke, wird sonst nicht müde, bei allen möglichen Anlässen zu betonen: „Wer an der Feuerwehr spart, spart an der Sicherheit seiner Bürger.“ Im Sicherheitsausschuss antwortet er weniger deutlich: „Prüfen kann man ja, aber das letzte Wort hat sowieso der Kämmerer.“ Weiter gab es noch einen Verweis auf den neuen Feuerwehrbedarfsplan, der so gut wie fertig sei und noch im Dezember dem Stadtrat vorgestellt werden soll. Wenigstens hat der Ausschuss bereits dafür gestimmt, dass die Stadtverwaltung die Möglichkeit des Umzugs prüfen soll.