| 19:58 Uhr

Eine Zierde in die Zukunft bringen

Diese Aufnahme aus der Zeit um 1890 zeigt die Luisenanlage, im Hintergrund die alte Luisenbrücke und die Wettersäule. Foto: LHS
Diese Aufnahme aus der Zeit um 1890 zeigt die Luisenanlage, im Hintergrund die alte Luisenbrücke und die Wettersäule. Foto: LHS FOTO: LHS
Alt-Saarbrücken. Eine „Zierde“, die die Stadt „bereichert“, sei die Säule, schrieb Hugo Dihm einst über seine Wettersäule. Gleichzeitig sei sie „interessant“ und „belehrend“ und „und unter den Schutz des Publikums gestellt“. Martin Rolshausen

Stefan Weszkalnys ist ein Mann, der sich gerne in der Vergangenheit rumtreibt. Neulich muss sich der Historiker allerdings in die Zukunft verirrt haben. Am 20. Mai schrieb ihm Oberbürgermeisterin Charlotte Britz nämlich einen Brief, in dem sie ihm ihren "herzlichen Dank" für ein Schreiben vom 6. August 2016 übermittelte.


Nein, Stefan Weszkalnys hat keine Zeitmaschine erfunden. Er hat am 3. Mai an Britz geschrieben, um sie auf den 6. August hinzuweisen. An diesem 6. August wird die Wettersäule von Hugo Dihm nämlich 140 Jahre alt. Sie ist damit zusammen mit der in Bonn-Bad Godesberg die älteste Deutschlands. Für Weszkalnys ist das ein guter Anlass, das historisch Bauwerk, das im Park neben der Staatskanzlei unweit der Ludwigskirche steht, zu renovieren und einen Fehler zu beseitigen, der 40 Jahre lang niemandem aufgefallen ist.

1876 wurde die Säule am Saarufer in der Luisenanlage aufgebaut. Die Anlage beziehungsweise das, was von ihr übrig geblieben war, musste Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre der Stadtautobahn weichen. Und mit ihr die Säule und ein Goethe-Denkmal, erzählt Weszkalnys. Der Sockel des Denkmals diente dann 1976 als Fundament für die Säule am neuen Standort.



Die Seitenflächen wurden genau wie 1876 nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. In die steinerne Säule sind zwei Messinstrumente montiert: ein Thermometer und ein Barometer. Das Thermometer, stellte Weszkalnys bei näherer Betrachtung im April fest, ist auf der Ostseite in den Stein eingelassen, das Barometer auf der Nordseite. "Es müsste umgekehrt sein. So kriegt das Thermometer nämlich zu viel Sonne ab", sagt er.

Der Fehler sei von Mitarbeitern des Bauamts sicher schnell zu beheben, meint Weszkalnys. Und wenn man schon mal dabei sei, könnte die stellenweise verwitterte Vergoldung ausgebessert werden. Nachdem die letzte Sanierung der Säule 2004 von der privaten Willy-Walch-Stiftung, deren Vorsitzender Weszkalnys ist, finanziert wurde, könne man doch nun Geld aus dem Projekt "Barock trifft Moderne" einsetzen, sagt er.

Da will ihm Britz keine Hoffnung machen. "Alle Maßnahmen sind festgelegt", schreibt sie unter anderem. Wenn sich später noch "finanzielle Möglichkeiten ergeben", greife sie den Vorschlag auf und empfehle dem Bund, der den Löwenanteil bezahlt, die Sanierung.

Das findet nicht nur Weszkalnys merkwürdig, sondern auch Friederike Fugmann vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der rheinisch-westfälischen Hochschule Aachen. Sie gehört zum Team, das die Bürgerbeteiligung beim Projekt moderiert, und findet, dass die bei der Stadtteilkonferenz zum Projekt "vorgestellten Planungsspielräume" und die "Formulierungen der Oberbürgermeisterin auseinanderliegen". Anders formuliert: Wenn alle Dinge festgelegt sind, braucht man auch keine Bürgerbeteiligung .

Britz will zu einem "späteren Zeitpunkt" schauen, ob Geld übrig ist. Weszkalnys muss also warten - das mit der Reise in die Zukunft klappt nur in oberbürgermeisterlichen Briefen.

Stefan Weszkalnys an der Wettersäule. Foto: Rolshausen
Stefan Weszkalnys an der Wettersäule. Foto: Rolshausen FOTO: Rolshausen