Alt-Saarbrücken : Eine letzte Spur am Hauptfriedhof

125 Jahre Busse und Straßenbahn feiert Saarbrücken gerade. Ein engagierter Straßenbahn-Fan will mehr für die Erinnerung tun.

Ironie der Geschichte? Wundersame Fügung? Auf jeden Fall sei es bemerkenswert, dass die Saarbrücker Straßenbahn am Hauptfriedhof gleich zwei Mal „gestorben“ ist, sagt Markus Philipp. Am Hauptfriedhof wurde 1965 eine der letzten Saarbrücker Straßenbahnlinien eingestellt. Und nicht weit davon entfernt, an der Goldenen Bremm, wurden die letzten Triebwagen verschrottet.

Markus Philipp ist Verkehrsplaner bei der Verkehrsmanagement-Gesellschaft Saarr (VGS), ist ausgebildeter Busfahrer, Gästeführer und Exkursionsleiter, und er betreibt ein privates ÖPNV- und Regionalarchiv. ÖPNV steht für Markus Philipps große Leidenschaft: den öffentlichen Personennahverkehr. Der wird in Saarbrücken gerade gefeiert, weil es 125 Jahre her ist, seit die erste mit Dampf betriebene Straßenbahn auf die Strecke ging.

Dass der ÖPNV unter anderem durch eine Ausstellung im Rathaus St. Johann und ein Buch zum Thema gemacht wird, findet Markus Philipp klasse. Jenseits des Jubiläumsjahrs sei es bisher aber nicht weit her gewesen mit dem Interesse an der Geschichte von Straßenbahn und Bussen. Die Stadtwerke, beklagt er, haben im Gegensatz zu anderen Verkehrsunternehmen weder ein Museum noch einen historischen Fuhrpark. Alte Busse und Bahnen kann man sich in Saarbrücken nur auf Fotos anschauen. „Es gibt von Seiten der Stadtwerke und der Stadtverwaltung bisher kaum ein Bewusstsein für die Geschichte des ÖPNV“, sagt er.

Er würde gerne dabei helfen, dieses Bewusstsein zu entwickeln. Und er versucht den Blick der Verantwortlichen zum Hauptfriedhof zu lenken. Dort liegen, unter Gras und Gestrüpp verborgen, alte Straßenbahnschienen und das Pflaster einer Haltestelle - „der letzten Haltestelle“, wie Markus Philipp sagt. Die Linie 11 hat hier Station gemacht. Markus Philipp hat sich die Strecke in einem alten Fahrplan angesehen: Die Linie 11 fuhr nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1965   von der Sparkasse am Neumarkt durch die Hohenzollernstraße am Betriebshof vorbei ins Deutschmühlental, kam am Hauptfriedhof vorbei und hatte ihre Endstation an der Goldenen Bremm.

Er sei weit davon entfernt, „jedem alten Stein eine Träne nachzuweinen“, aber das, was am Hauptfriedhof an der Grenze zu Lothringen verborgen liegt, sei „schon etwas Besonderes“. Etwas, das man in Szene setzen könnte, ohne dafür viel Geld ausgeben zu müssen.

Mit Unterstützung des städtischen Grünamts und ehrenamtlicher Helfer könne man die Reste der Haltestelle freilegen. Den Text und die Bilder für eine Informationstafel könne er selbst beisteuern, sagt Markus Philipp. Er würde dafür kein Geld verlangen.

Wundervoll wäre natürlich, sagt der Straßenbahn-Fan, wenn die letzte Haltestelle auch unter Denkmalschutz gestellt würde. Seinen Antrag, das zu tun, habe das Landesdenkmalamt zwar abgelehnt. Und das städtische Denkmalamt habe sich noch nicht geäußert.

Markus Philipp am Südeingang des Hauptfriedhofs, wo die letzte Saarbrücker Straßenbahnhaltestelle liegt. Foto: BeckerBrede l. Foto: BeckerBredel

Aber vielleicht, hofft Markus Philipp, sei ja doch etwas zu machen - auch wenn da kein Wartehäuschen mehr steht, das Ensemble also nicht mehr im strengen Sinn komplett ist.

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