Alt-Saarbrücken heißt Migranten willkommen

Die Teilnehmer der Demo „Hand in Hand für Vielfalt“ lieferten gestern ihr Erfolgsrezept für ein gutes Zusammenleben von Saarbrückern und Migranten: Achtung voreinander und Respekt füreinander.

Rund 1000 Demonstranten sind gestern bei der Kundgebung "Hand in Hand für Vielfalt" durch Alt-Saarbrücken gezogen. Ihre Botschaft: Alt-Saarbrücken begegnet Ausländern mit Respekt und heißt Flüchtlinge willkommen. Unter den Demonstranten waren viele Kinder, die mit der Schule oder einfach privat mit ihren Eltern gekommen waren. Auch Rune Becker war mit seiner siebenjährigen Tochter da. "Sie geht zwar erst in die zweite Klasse, doch ich wollte sie unbedingt mitnehmen. Vielfalt ist so wichtig vor allem hier, mitten im Europa. Wir, die Erwachsenen, müssen mit gutem Beispiel vorangehen", sagt der Saarbrücker auf dem Ludwigsplatz.

Dass Erwachsene sich im Umgang mit Menschen anderer Herkunft auch ein Beispiel an die Kinder nehmen sollten, fand Thomas Hippchen, Leiter des Stadtteilbüros Alt-Saarbrücken . "In den Kitas und Schulen unseres Stadtteils gehen die Kinder unbefangen auf Zuwanderer zu. Sie lernen und spielen zusammen - und ziehen aus ihren kulturellen Unterschieden neue Erfahrungen und Anregungen", sagte er den Demonstranten vor der Ludwigskirche.

Dass die Veranstalter dieser Initiative ausgerechnet Gruppen aus Alt-Saarbrücken waren, überraschte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz , die die Schirmherrschaft übernommen hatte, nicht. "Alt-Saarbrücken ist ein sehr internationaler Stadtteil. Auf der Folsterhöhe oder in der Moltkestraße leben Migranten und Saarländer respektvoll und friedlich miteinander ", sagte Britz . In Zeiten von Wirtschaftskrise und Sparkursen erleben viele Saarbrücker auch schwierige Zeiten, und dennoch halte es sie nicht davon ab, Flüchtlinge solidarisch aufzunehmen.

"Genau darum geht es hier, um Frieden und Solidarität", stimmte Sieglinde Rupp zu. "Wir sind eine Stadt, eine Gemeinschaft, wir wollen hier zeigen, dass Saarbrücken offen ist und sich nicht verschließt davor, was in der Welt passiert", führte die Saarbrückerin weiter aus, die sich in Alt-Saarbrücken bei der evangelischen Frauenhilfe engagiert.

Nicht nur Armut, sondern auch politische Konflikte und Kriege treiben Flüchtlinge weltweit nach Deutschland, auch nach Saarbrücken . So auch den Syrer Adounis, der sich vor der Menschenmenge spontan zu Wort meldete. Auf Arabisch und Englisch bedankte er sich bei den deutschen Bürgern und deren Regierung, dass er hier "einen sicheren Platz zum Leben" gefunden habe.

Neben dem katholischen Pastoralreferenten Heiner Buchen und dem katholischen Pfarrer Benedikt Welter appellierte auch Ismail Yigit, Vorsitzender der türkisch-islamischen DITIB-Gemeinde, Vorurteile abzubauen: "Wir als Türken sind Teil der Gesellschaft, wir gehören zu euch." Er distanzierte sich ausdrücklich von Radikalen und Terroristen, die den Islam nur als Deckmantel für Gräueltaten benutzen würden. "Vor dem Islam muss keiner Angst haben, unsere Religionen teilen die gleichen Werte von Toleranz und Nächstenliebe", beteuerte Yigit. Genau aus diesem Grund wurde die Idee der Kundgebung "Hand in Hand für Vielfalt" vor ein paar Monaten geboren. "Wir wollten zeigen, was Schönes entstehen kann, wenn man Kulturen zusammenbringt - und dadurch den Menschen die Angst vor dem Fremden nehmen", sagte Annette Orlinski von der Organisationsgruppe.

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Auf einen BlickVeranstalter der Demonstration "Hand in Hand für Vielfalt" waren die Projektgruppe "Begegnung wagen und vertiefen" des Dekanates Saarbrücken, das mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften der interreligiösen Arbeitskreis organisiert, und der Arbeitskreis Alt-Saarbrücken , in dem sich unter anderem Schulen und soziale Einrichtungen engagieren. hem

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