| 20:13 Uhr

So kann’s gehen
Allüberall sah man Kätzchen sitzen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Was Einhörner für Kinder sind, sind offenbar Kätzchen für „die moderne Hausfrau“. Unsere Autorin distanziert sich aber entschieden vom Katzen-Kitsch. Von Ruth Rousselange

Stellen Sie sich vor, Sie spülen ausnahmsweise mal von Hand, und nach zunehmender Beckenentleerung guckt Sie aus den Spülschaumbläschen ein Kätzchen an. Ein herziges PVC-Kätzchen in Mattenform. Verblüfft war ich, doch so was gibt es, Katzen-Spülmatten. Dieses Tier hier wird gar als Glückskatze angepriesen.



Ich halte einen Katalog in Händen, der mir unverlangt zugegangen ist – „Die moderne Hausfrau“ – und blättere darin mit steigendem Erstaunen.

Ein paar Seiten nach der Matte stoße ich auf Hausschuhe  mit süßlich blauäugigem Kätzchenaufdruck, gleich darüber eine Geldbörse in Katzenkopfform mit lila Kulleraugen. Das Raffinierte an ihr, am Reißverschluss-Zipper hängt der Katzenschwanz, phänomenal praktisch.

Ein bisschen weiter mit den Katalogseiten geraschelt, und siehe da, eine Handtasche mit Katzenmotiv und abstehenden Katzenohren. Sogar Strumpfhosen mit Katzenaufdruck haben die; deren Name lautet fast schon poetisch Katzentanz.

Was eigentlich haben die armen Katzen verbrochen, dass sie in derart schauerlicher Form vermarktet werden? Die Katze an und für sich ist ein stolzes, etwas wildes Tier, sieht man von der trägen, überfütterten Version ab. All die hier angepriesenen Produkte kätzischer Machart sind eindeutig bereits jenseits des Kitsches. Und nicht bloß pekuniär billig. Wer lässt sich so etwas einfallen? Und wer bitte kauft es? Steht zu hoffen, nicht die moderne Hausfrau. Schon die Titulierung, ein Anachronismus.

Sollte diese sich wie auch immer als modern verstehende Hausfrau existieren, würde sie sich sicher flugs von solch genialen Lockangeboten emanzipieren. Und mutig ihr Herz verschließen vor den Reizen von Marienkäfer-Spardosen, Bratpfannen mit rotem Tomatendeckel und Bauchreduzier-Zauberjeans. Da! Schon wieder ein armes Kätzchen! Diesmal untermalt es grellbunt und von Blumen umrankt ein Thermometer.

Ein bekannter Politiker soll ja seine Gattin „M….“ rufen. Man traut es sich gar nicht zu tippen. Was sich der Mann dabei denkt, will man nicht wissen. Ah! Womöglich gibt es ja doch Haushalte, drüben in Bayern, wo dieser Katalog Gefallen finden könnte.