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Alice und das Biest: Ein neues Musical für Saarbrücken

Interview : Aino Laos spielt „Alice und das Biest“

Das Musical feiert Weihnachten in Saarbrücken Uraufführung. Ein Gespräch über die Kunst der leichten Muse.

„Alice und das Biest“ nennt sich ein Musical, das verschiedene fantastische Stoffe verarbeitet und zwischen Weihnachten und Neujahr im neuen Veranstaltungsort Saarrondo im Quartier Eurobahnhof aufgeführt wird. Das Stück wurde von Aino Laos geschrieben, in Saarbrücken unter anderem durch die Nimsgern-Musicals am Staatstheater bestens bekannt. Regie führt ihr Lebensgefährte, der österreichische Musical-Profi Elmar Ottenthal. Die Rolle der Alice spielt und singt Viviana Milioti, Aino Laos übernimmt sämtliche weiteren Charaktere. Ein Gespräch mit Elmar Ottenthal.

Wie würden Sie das Musical in zwei, drei Sätzen beschreiben?

Elmar Ottenthal: Das ist eine Geschichte vom Erwachsen werden, davon, Verantwortung zu übernehmen. Mit fantasievollen künstlerischen Mitteln werden allgemein gültige moralische Aussagen erzählt. Motive von bekannten Geschichten werden eingebaut: Zum Beispiel von Alice im Wunderland, Die Schöne und das Biest, Schneewittchen oder Rotkäppchen. Die Kernaussage ist: Du siehst, was dein Herz dir zeigt.

Das klingt nach dem Kleinen Prinzen.

Elmar Ottenthal: Ja, das ist moralisch gesehen eines der größten Bücher, die ich kenne.

Wie schaffen Sie das, die Fantasy-Geschichte mit nur zwei Darstellerinnen über die Bühne zu kriegen?

Elmar Ottenthal: Es ist wichtig, dass es nur zwei Darstellerinnen sind. Die eine ist die Alice, die sich langsam verwandelt. Spiegelbildlich dazu sind die anderen sechs Figuren, die da sind: Rattenrichter, Biest, die Sirene, eine Eiskönigin, ein Engel und Harry.

Harry wie Potter?

Elmar Ottenthal: So ähnlich (lacht).

Und Aino Laos spielt alle anderen sechs Charaktere?

Elmar Ottenthal: Ja, die wird sich immer wieder sehr schnell umziehen müssen.

Wie setzen Sie das bildlich um, wahrscheinlich mit vielen Video-Sequenzen im Hintergrund?

Elmar Ottenthal: Nein, es sind nicht Sequenzen, es ist eine durchgehende Filmprojektion. Das sind selbst gedrehte Inhalte. Das ist eine große Produktion mit über einem Jahr Arbeit dran. Das sind schon bildgewaltige Filme, die Ort und Emotion festlegen und die Handlung dadurch unterstützen.

Große Produktion, viel Aufwand, wenige Termine, an denen das Musical aufgeführt wird  – haben Sie vor, „Alice und das Biest“ fortzusetzen?

Elmar Ottenthal: Ach ja, vorhaben kann man immer viel. Das ist ein Herzensprojekt, das wir schon seit zwei Jahren verfolgen. Und ich glaube einfach dran, dass es ein sehr interessantes Alternativ-Format sein kann, besonders für Räume, die kein Theater sind. Weil man dort eine Mischung aus Theater und Film erzeugen kann.

Das Saarrondo ist bisher noch nicht so bekannt als Auftrittsort.

Elmar Ottenthal: Das ist auch eine kleine Schwierigkeit für uns. Das ist ein neuer Raum der Tanzschule Bootz-Ohlmann, der technisch sehr gut ausgestattet ist und zusätzlich auch eine schöne Bistro-Atmosphäre bietet. Das liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof und ist sehr gut zu erreichen. Aber die Frage kommt natürlich oft.

Wie kamen Sie auf den Raum?

Elmar Ottenthal: Ich bin im Poprat und die Saarrondo-Leute auch. Wir saßen nebeneinander, als ich erzählt habe, was ich vorhabe. Der Ramon Gechnizdjani hat gesagt, schau dir doch mal den Raum bei uns an! Das hab ich im September gemacht und gesagt, das probieren wir mal. Da hat also das Netzwerk des Poprats geholfen. Dadurch habe ich sowieso viele Kontakte bekommen.

Wie viele Musicals hat Aino Laos schon geschrieben?

Elmar Ottenthal: Einige hat sie mit Frank Nimsgern zusammen geschrieben. Die arbeiten auch hin und wieder noch zusammen. Selber hat sie fünf Musicals geschrieben.

Wie machen Sie das mit der Aufführung der Musik?

Elmar Ottenthal: Natürlich wird live gesungen. Aber der Rest wurde im Studio aufgenommen, zum Großteil mit Livemusikern. Technisch wäre es fast unmöglich, den Background live zu machen, weil ja der Film direkt an die Musik gekoppelt ist.

Der Film ist auch dreidimensional, habe ich gelesen.

Elmar Ottenthal: Technisch gesehen nicht, aber der Effekt ist so. Das Bühnenbild ist in einem Rahmen, 20 Zentimeter dahinter ist eine Folie, auf die der Film projiziert wird. Das erscheint dann sehr räumlich.

Wie kamen Sie auf die erst 23-jährige Viviana Milioti?

Elmar Ottenthal: Aino und Viviana kennen sich schon seit ein paar Jahren. Die Stimme für die Rolle muss eine gewisse Unschuld haben, auf der anderen Seite muss sie auch eine Entwicklung zeigen, dass Alice ein selbständiger Mensch wird.

Was ist der Bezug des Musicals zu Weihnachten?

Elmar Ottenthal: Dass es in einer winterlichen Zeit spielt. Der Winter, das Eingeschlossensein ist wichtig und auch „das Herz öffnen“. Das passt für mich zu Weihnachten. Dazu kommt, dass die Alice anfangs zu Weihnachten Schlittschuhe von ihrem Vater geschenkt bekommt mit dem Hinweis, sie bitte nicht auf dem zugefrorenen Bergsee zu benutzen.

Was hat Sie eigentlich nach Lothringen verschlagen?

 . . . die Königin . . . 
. . . die Königin . . .  Foto: Elmar Ottenthal
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. . .  und das Biest. Foto: Sternenstaub Productions
 Viviana Milioti singt die Alice.
Viviana Milioti singt die Alice. Foto: Sternenstaub Productions
 Aino Laos braucht viele Masken.
Aino Laos braucht viele Masken. Foto: Sternenstaub Productions
 Regisseur Elmar Ottenthal.
Regisseur Elmar Ottenthal. Foto: Sternenstaub Productions

Elmar Ottenthal: Wenn ich das wüsste! Aber letztlich ist es das Zusammentreffen mit Aino, mit der ich zusammenlebe. Aber ich habe mich im Saarland sehr wohl gefühlt, als ich mal kurz hier arbeitete. Das Lebensgefühl, die Nähe zu Frankreich. Wir haben gesagt, es ist ja für uns relativ egal, wo wir wohnen. Aber nicht egal ist, wie die Menschen sind. Aino ist seit 1999 hier, ich seit 2010.