| 20:55 Uhr

Leerstände
Der „Zeit-Schenker“ auf neuer Mission

Volker Wieland betreute früher Leistungssportler am Olympiastützpunkt. Heute kümmert er sich um Bedürftige.
Volker Wieland betreute früher Leistungssportler am Olympiastützpunkt. Heute kümmert er sich um Bedürftige.
Saarbrücken. Volker Wieland will leerstehende Räume für die Allgemeinheit nutzen. Dafür braucht er Unterstützung von der Stadt. Von Daniel Novickij

Leerstände sollen zukünftig Bedürftigen zugute kommen: Das wünscht sich der selbst ernannte „Fußbotschafter“ des Saarlandes, Volker Wieland. Er plant, leerstehende Räume zu Gemeinschaftsräumen umzuwandeln. Wieland denkt daran, die Räume zu möblieren und wohnlich zu gestalten, so dass sich dort jeder willkommen fühlt. „Die Gäste sollen sich in den Zimmern wohlfühlen. Im Raum werden befüllte Kühlschränke und Regale stehen. Wenn jemand etwas braucht, dann kann er es sich dort nehmen. Allerdings werden die Räume nicht rund um die Uhr geöffnet sein“, sagt Wieland. „In Saarbrücken gibt es viele Leerstände. Ich möchte Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie anderen. Dabei kommt es mir nicht auf das Geld an, sondern darauf, den Menschen Zeit und Wertschätzung zu schenken. Es soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen“, sagt Wieland. Die Aktion soll zunächst in Saarbrücken anlaufen.


„Früher betreute ich Leistungssportler am Olympiastützpunkt in Saarbrücken“, erzählt Wieland von seinem alten Leben. „Allerdings wurde ich dort nicht glücklich. Ich wollte meinen Lebensstil verändern und mich mehr sozial engagieren“, sagt Wieland weiter. Der pensionierte Therapeut setzte sich schon davor für sozial Benachteiligte ein. Zum Beispiel durch die Aktion „Der Zeit-Schenker“ (wir berichteten). Auch die Arbeit mit Kindern sei ihm wichtig, sagt Weiland.

„Kindern musst du nur den richtigen Weg zeigen. Du musst sie nur neugierig machen, dann werden sie ihn gehen. Außerdem ist das Lächeln eines Kindes das schönste Dankeschön, das man bekommen kann“, sagt Wieland.



„Wenn ich auf einen Menschen treffe, dem es nicht so gut geht, dann gehe ich zu ihm hin. Hinter jedem Schicksalsschlag steckt eine Geschichte, und ich möchte sie hören. Manchmal musst du den Menschen nur Zeit und Aufmerksamkeit schenken.“ Für ihn steht der Aspekt des Teilens im Vordergrund. Wieland sagt: „Mein Wunsch ist es, dass Menschen Sachen, die sie nicht mehr brauchen, abgeben oder mit anderen Menschen teilen. Ich möchte Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie anderen.“ Für dieses Vorhaben braucht er aber die Hilfe der Stadt. Er will die Räume längere Zeit nutzen, bis zu einem halben Jahr. Ohne die Stadt Saarbrücken kann er sein Vorhaben nicht umsetzen, doch die Stadtverwaltung will ihm keine Räume zur Verfügung stellen, weil seine Pläne noch nicht ausgearbeitet seien. Die Stadt wolle Planungssicherheit.

Spenden möchte Wieland nicht annehmen, es gehe ihm nicht um Geld. Er sieht die Gesellschaft insgesamt auf einem guten Weg. „Immer mehr Menschen hinterfragen ihren Einkauf. Sie fragen, woher ihre Kleider kommen. Und vor allem ist die Wertschätzung höher. Obwohl wir in einer Konsumgesellschaft leben,  sind immer mehr Menschen dazu bereit, anderen zu helfen. Allerdings möchte ich keinen zu etwas zwingen. Ich werde keinen verurteilen, der nicht auf Konsum verzichten will.“ Wieland will andere dazu bewegen, ihre Lebensweise zu überdenken und mit anderen zu teilen. „Es geht im Grunde darum, mutig zu sein und sich zu trauen“, sagt er.