Aktion Traumfänger endet am Burbacher Markt

Spektakuläres in Burbach : Aktion betont kulturelle Vielfalt

50 dekorative Traumfänger hängen jetzt unter dem Dach der offenen Burbacher Markthalle.

. Warten, bis die Feuerwehr kommt: Das macht eine ziemlich bunte Versammlung am Mittwochnachmittag auf dem Burbacher Markt. Als die Berufsfeuerwehr mit sieben Mann schließlich anrückt, befindet sie die Leiter des Löschwagens für zu kurz: Ein größeres Auto wird nachgeordert, eins mit Drehleiter. Auf die weitere Verzögerung reagiert das ausharrende Völkchen jedoch nicht etwa entsetzt, sondern amüsiert. Und die Kinder verkürzen sich die Wartezeit mit dem Knabbern von Laugengebäck und begeistertem Singen.

„Mais oui!“ ruft der Musiker Max Bousso und trommelt mitreißend auf der Djembe. „Mais non!“ antworten die Kinder und tanzen ausgelassen um den gebürtigen Senegalesen herum. Ein Katastrophenszenario sieht anders aus: Nein, hier brennt nichts, und es muss auch niemand aus einem einsturzgefährdeten Hochhaus gerettet werden. Es geht schlicht darum, 50 dekorative Traumfänger unter das Dach der offenen Burbacher Markthalle zu hängen. Und die hat nun wirklich reichlich wenig Ähnlichkeit mit einem Wolkenkratzer. Ob‘s da nicht eine simple Ausziehleiter auch tun würde?

Auf jeden Fall beschert die spektakuläre Feuerwehr-Show dem Ereignis ein dickes Plus an Schaulustigen: Als ein im Korb empor gehievter Feuerwehrmann mit Schutzhelm die Kunstobjekte endlich aufhängt, wird er frenetisch bejubelt. Die Aktion läuft im Rahmen des Projektes „PatchWorkCity“: 2017 wurde die Initiative vom Amt für Entwicklungsplanung, dem Amt für soziale Angelegenheiten und dem Zuwanderungs- und Integrationsbüro Saarbrücken ins Leben gerufen, um „Vielfalt ins Gespräch“ zu bringen. Diskutiert werden Aspekte der Stadtentwicklung: Wie verändert sich die Landeshauptstadt durch Zuwanderung und andere Faktoren? Was hält uns zusammen, und wie können wir trotz aller Unterschiedlichkeiten gut harmonieren? Beschäftigte sich die Initiative zunächst mit der Segregation (räumliche Abbildung sozialer Ungleichheit in einer Gesellschaft) und der Situation in den so genannten „Ankunftsstadtteilen“ von Saarbrücken, stand 2018 eine Kampagne unter der Frage „Wie wollen wir zusammen leben?“ im Mittelpunkt. In diesem Jahr richtet sich der Blick auf Burbach und das Miteinander von Alteingesessenen und Zugezogenen. Dabei sind unter anderem soziale und Bildungs-Institutionen an Schulungsmaßnahmen zum Umgang mit Vielfalt und Konfliktmanagement beteiligt. Unterstützt werden sie vom Adolf-Bender-Zentrum, während die Hochschule für Technik und Wirtschaft die Initiative mit einem Studienprojekt vor Ort begleitet. Für die soziokulturelle Aktion im Herzen von Burbach hatte die freie Künstlerin, Kommunikationsdesignerin und selbst ernannte „Freiraummacherin“ Annette Orlinski nun seit April mit insgesamt 150 Teilnehmern in 15 Gruppen im Auftrag der Landeshauptstadt Traumfänger gebastelt. Beteiligt waren Kinder, Erwachsene und Senioren; die Teilnehmer kamen von der Awo, dem Juz, dem ZBB, aus der Nachmittagsbetreuung von KiTas, dem Erzähl-Café, einer Handarbeitsgruppe und Ferienfreizeiten, erzählt Orlinski. Warum ausgerechnet Traumfänger? „Der Stadtteil verändert sich sehr stark, auch durch Zuwanderung“, erläutert Veronika Kabis, Leiterin des Zuwanderungs- und Integrationsbüros, die „PatchWorkCity“ zusammen mit Martina Meyer vom Amt für Entwicklungsplanung betreut. Das schüre natürlich auch Ängste. Mit der aktuellen Aktion, unterstützt von der Gemeinwesenarbeit Burbach, habe man daher „Visionen wecken“ wollen: „Wir dürfen nicht aufhören zu träumen!“, sagt Kabis. „Die Traumfänger schienen uns dafür ein gutes Sinnbild zu sein.“ Auch Bezirksbürgermeisterin Isolde Ries betont in ihrem Grußwort den Wert kultureller Identität und kultureller Vielfalt. Ries: „Wir wollen deutlich machen, dass kulturelle Vielfalt belebt!“ Angst vor dem Fremden entstehe oft nur dadurch, dass man es nicht kenne; also müsse man die Leute miteinander ins Gespräch bringen. Reden, Feiern, Spaß haben: Das gelingt hier vorzüglich. Fortsetzung folgt: Am 13. September sind alle BurbacherInnen zum „Picknick am laufenden Meter“ am Burbacher Staden eingeladen.

www.saarbruecken.de/leben_in_saarbruecken/familie_und_soziales/zuwanderung_und_integration/projekt_patchworkcity

Mehr von Saarbrücker Zeitung