Ärzte raten auch jetzt noch zur Grippe-Impfung

Grippe : Ärzte raten auch jetzt noch zur Grippe-Impfung

Das Robert-Koch-Institut warnt vor einer neuen Influenza-Welle. Aber im Regionalverband gibt es fast keinen Impfstoff mehr.

Auch wenn die Grippesaison bislang relativ glimpflich im Regionalverband verlaufen ist, raten Ärzte dazu, sich jetzt noch impfen zu lassen. „Es lohnt sich auf jeden Fall auch jetzt noch. Nach zwei Wochen hat sich der Impfschutz dann aufgebaut, und erfahrungsgemäß ist der Höhepunkt der jährlichen Grippewelle im Februar und März“, sagte Dr. Gunter Hauptmann, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes, auf Anfrage unserer Zeitung. 2018 hätten sich rund 120 000 Saarländer bis zum Jahresende impfen lassen, von Januar bis März rund 5000. „Es gibt immer einige Nachzügler“, sagte Hauptmann.

Allerdings ist der Impfstoff in Saarbrücken wie im Saarland weitgehend aufgebraucht. „Nach wie vor sind keine größeren Mengen an Impfstoff im Umlauf. Kleinere Restbestände können im Einzelfall aber organisiert werden“, teilte der Regionalverband mit. Apotheken mussten bereits vor einigen Wochen in Polen und Frankreich nachbestellen, um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Doch auch dieser Nachschub geht zur Neige. „Wer sich noch impfen lassen will, sollte zu seinem Hausarzt gehen und ihn bitten, in Apotheken nach Impfstoff zu fragen“, empfiehlt Hartmann.

Dazu rät auch Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes: „Am besten telefonieren Sie alle Apotheken ab und fragen nach, wer noch was hat.“

Wie erklärt sich die große Nachfrage nach Impfstoff? Hauptmann: „Das mag mit den Erfahrungen im vergangenen Jahr zusammenhängen.“ Damals waren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bundesweit insgesamt neun Millionen Menschen in Deutschland an Grippe erkrankt. Vermutlich starben rund 20 000 Menschen an Grippe, vor allem Ältere mit Vorerkrankungen. Zudem haben sich viele Pfälzer im Saarpfalzkreis und im Regionalverband impfen lassen, weil die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz ihren Ärzten geraten hatte, nicht zu viel Impfstoff zu bestellen. Darum gab es nicht genug davon, wie die saarländische Apothekerkammer schon Ende 2018 mitteilte. Die Pfälzer KV argumentierte damals, dass überschüssige Dosen nicht von der KV bezahlt würden und die Ärzte dann auf den Kosten sitzenblieben (wir berichteten).

Bislang hat das Gesundheitsamt des Regionalverbandes nur wenige Fälle von Influenza gezählt. Insgesamt sind es 19, wie das Amt unserer Zeitung mitteilte. Bis Mitte Januar waren es vier, jeweils einer in Heusweiler, in Sulzbach, in Völklingen und in Saarbrücken-Burbach.

In den vergangenen beiden Wochen wurden dem Gesundheitsamt insgesamt 14 weitere Influenzanachweise gemeldet. Die Meldungen kamen aus Saarbrücken-Mitte, Malstatt, Alt-Saarbrücken, Klarenthal, Völklingen und Kleinblittersdorf. Die Auswertung umfasst aber nur einen kleinen Ausschnitt des Krankheitsgeschehens. Denn lediglich ausgewählte Praxen schicken Proben ein, und nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt. Tatsächlich dürften deutlich mehr Menschen krank sein.

Während der Regionalverband bisher von einer Grippewelle verschont blieb, steigt bundesweit die Zahl der Kranken. Das Robert-Koch-Institut vermerkt für die letzte Januarwoche bereits 4059 Influenza-Erkrankungen für das Jahr 2019. Damit haben sich die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche fast verdoppelt, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit. Das war mit Abstand der höchste Wert dieser Saison, die offiziell im Oktober begann und Anfang Dezember langsam an Fahrt aufnahm.

Nach der Definition der AGI begann die Grippewelle Mitte Januar. Bisher gab es in Deutschland 27 gemeldete Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza. Die Grippe schleicht sich im Gegensatz zur Erkältung nicht an, sondern kommt schlagartig, teilt die Stiftung Gesundheitswissen mit. Typisch für die Grippe sind plötzliches hohes Fieber und Gliederschmerzen, bei der Erkältung eher Schnupfen und Halsschmerzen ohne oder nur mit mäßigem Fieber.