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Ärtze in Saarbrücken raten zur Grippe-Impfung

Grippe : Vor allem ältere Menschen sollten jetzt zur Grippe-Impfung

Saarbrücker Ärzte warnen Risikogruppen vor Gefahren durch die von vielen noch immer unterschätzte Viruskrankheit. Sie kann tödlich enden.

Ärzte und Krankenkassen im Regionalverband raten eindringlich, sich jetzt gegen Grippe impfen zu lassen. „Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen, die aufgrund ihres Berufs mit vielen Menschen in Kontakt kommen“, teilt Dr. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, mit. „Die Ständige Impfkommission der Bundesärztekammer empfiehlt die Impfung zudem Schwangeren sowie medizinischem Personal und Personen in Einrichtungen mit Pulikumsverkehr“, sagt Ärztekammer-Präsident Mischo.

Wie Gesundheitsbehörden, Institute und andere Krankenkassen rechnet auch die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) damit, dass sich in diesem Herbst und Winter deutlich mehr Menschen gegen die Influenza impfen lassen als in den vergangenen Jahren.

Zu tun hat das mit der großen Zahl der Erkrankten in der vorigen Influenza-Saison: Von Anfang Oktober 2017 bis Ende März 2018 verzeichnete allein die KKH bundesweit 28 000 ärztlich diagnostizierte Grippefälle – das entspricht einer Steigerung von 54 Prozent im Vergleich zur Saison 2016/2017.

Im ersten Quartal 2018 registrierte die Ersatzkasse sogar einen Anstieg von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Berliner Robert-Koch-Institut für Epidemologie (RKI) teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, man gehe davon aus, dass in der Grippesaison 2017/2018 bundesweit rund neun Millionen Menschen an Grippe erkrankten. Damit war jeder achte bis neunte Bundesbürger davon betroffen. 1600 Menschen starben, darunter auch zwei kleine Mädchen von vier und fünf Jahren im Regionalverband.

Das Gesundheitsamt veröffentlicht mit dem saarländischen Gesundheitsministerium jede Woche ein sogenanntes Grippemonitoring, das Auskunft über die Zahl der Krankheitsfälle gibt. Vom 1. November 2017 bis 1. Mai 2018 waren deutlich mehr Menschen erkrankt als in der vorangegangen Saison. Den Angaben zufolge war der erste „Erkrankungsgipfel“ in den Kindergärten in der Woche nach dem 24. Januar dieses Jahres. Damals war jedes dritte Kind (33,6 Prozent) in der Region krank. Das war das Siebenfache im Vergleich zur ersten Beobachtungswoche.

In den Grundschulen war der Krankenstand in der Woche vom 31. Januar bis 6. Februar 2018 mit 7,9 Prozent am höchsten, wie das Grippemonitoring zeigt. In der Sekundarstufe, also bei den älteren Schülern, war der Höhepunkt der Krankheitswelle in der Woche nach dem 28. Februar erreicht. Auch Industrie, Behörden, Krankenhäuser und Altenheime im Land waren im Vergleich zu den Vorjahreswerten deutlich stärker betroffen. Für diese Grippesaison gibt es noch keinen gemeldeten Influenza-Nachweis.

In der vergangenen Saison verabreichten die Ärzte häufig einen Impfstoff mit nur drei Komponenten, der sich in vielen Fällen als wirkungslos erwies. Wirksamer war dagegen nach Angaben der Krankenkassen ein Wirkstoff mit vier Komponenten, der nun allen zur Verfügung gestellt werden soll, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt.

Grippeerreger sind tückisch, da sie immer wieder neue Virenstämme bilden. Deshalb muss jedes Jahr neu geimpft werden. „Einen hundertprozentigen Schutz kann aber auch der Vierfachimpfstoff nicht garantieren“, teilt die KKH mit. Die KKH verweist darauf, dass eine Impfung trotz Engpässen beim Impfstoff noch möglich ist.

Die Ersatzkassen appellieren derweil an Ärzte und Patienten, Antibiotika nur anzuwenden, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist. Bei Erkältungen mit Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen sind Antibiotika in der Regel wirkungslos. Denn die Infekte werden zu 90 Prozent von Viren ausgelöst. Antibiotika helfen aber nur gegen bakterielle Erkrankungen.