Absolventen der HBK Saarbrücken stellen ihre Arbeiten aus

Freie Kunst : Absolventen zeigen ihre Projekte

Studenten der „Freien Kunst“ werkeln an ihrem Abschluss in Saarbrücken.

Das Semester geht zu Ende – die AbsolventInnenfeier der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) naht. Vorher aber müssen die Absolventen den Prüfern ihre Abschlussausstellung präsentieren und werkeln fieberhaft an verschiedenen Standpunkten der City. Dazu zählt die Viktoriastraße 2: Im ehemaligen Bürogebäude der DAK fuhrwerkt in fünf Räumen im Erdgeschoss ein siebenköpfiges Grüppchen von Diplomanden, Master- und Bachelor-Absolventen des Studiengangs Freie Kunst.

Dass ständig neugierige Passanten durch die Fenster lugen, gehört zum Konzept: Agnes Müller war für ihre Abschlussarbeit auf der Suche nach Leerstand und lud ihre Kommilitonen ein, in der Viktoriastraße mitzumachen. Die Dynamik des Straßenumfelds und die Passanten, deren Laufbewegungen durch Ampeln getaktet werden, begreift Müller als Bildbestandteile eines inszenierten Schaufensters: ein Stör-Element im öffentlichen Raum. Für ihre Performance schickt sie 20 Akteure abwechselnd auf drei Laufbänder, um das Gehen als elementare Art der Fortbewegung zu hinterfragen.

Ein besonderes Atelier-Haustier besitzt Myriam Kind, wie ihre Kommilitoninnen Agnes Müller und Catherine Duboutay auch Mitglied des Neuen Saarbrücker Kunstvereins: Seit zwei Jahren pflegt sie einen Teepilz, den sie in einem Aquarium päppelt. Dieses zähe Wesen setzt Kind immer mal wieder wechselnden Zuständen aus; die Reaktionen und Veränderungen dokumentiert sie mit Fotos und Zeichnungen.

Mit dem Thema Haut als Hülle beschäftigt sich Catherine Duboutay. Hierfür überträgt sie das Sujet auf Texturen und ein ganz in Weiß gehaltenes Zimmer, in dem man sich nur gebückt bewegen kann und ein Video sieht, in dem Finger in Plastikhandschuhen einen Rücken massieren.

Möbel und Lebenskonventionen untersucht Tim Jungmann, der sich Stühlen und der „widernatürlichen“ Haltung des Sitzens widmet: zum einen in einer Installation mit Gipsabgüssen eines Sitzmöbels; zum anderen mit Fotografien von Stühlen, deren Rahmen er aus demontierten Teilen der abgebildeten Sitzgelegenheiten gefertigt hat.

Carl-Angelo Kivu variiert das Prinzip Flaschenpost: Er verteilte 375 Umschläge mit Zeichnungen und frankierten Rück-Postkarten in der Hoffnung, dass man die Karten, ergänzt um eine Rückmeldung auf seine Kunst.

Julia Gerhards wiederum beschäftigt sich in ihrer Videoperformance mit Mukbang: einem südkoreanischen Phänomen, bei dem sich Menschen dabei filmen, ungesundes Essen in sich hinein zu schaufeln.

Wer den Eingang passiert, läuft auf die lebensgroßen Öl-Porträts von Luise Talbot zu: keine Konterfeis lebensechter Menschen, sondern Abbilder von Figuren mit unbekanntem Innenleben.

Eröffnung AbsolventInnenfeier: Freitag, 19. Juli, 19 Uhr, Aula der HBK. Der Standort Viktoriastraße öffnet im Anschluss von 20 bis 22.30 Uhr und ist danach zu besichtigen am Sa/So von 12-18 Uhr und Di-Fr 15-19 Uhr. Finissage: Fr, 26. Juli, 18 Uhr.

www.hbksaar.de

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