A star ist born: Caroline Peters hat in Saarbrücken "gelernt"

Serie: Absolventen der Saarbrücker Schauspielschule : A Star was born in Saarbrücken

Viele junge Talente haben die leider lange geschlossene Saarbrücker Schauspielschule besucht. Aber die größte Karriere von ihnen hat sicher Caroline Peters gemacht.

Caroline Peters ist die heute wohl berühmteste Absolventin der einstigen Saarbrücker Schauspielschule. Die 48-Jährige, die seit 2004 dem Burgtheaterensemble angehört und erst seit ein paar Jahren fest in Wien wohnt, wurde schon mit allen wichtigen Preisen der Theaterwelt geehrt.

Gerade erhielt sie den Bühnen-Ritterschlag: Ab kommendem Jahr spielt sie die Buhlschaft im Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Auch in Filmen sieht man die gebürtige Mainzerin, die in Köln aufwuchs, ziemlich häufig. Durch ihre Rolle als grandios eigenwillige Kommissarin Sophie Haas in der ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ wuchs ihr Fan-Publikum in die Millionen.

Nicht nur an diese Serie, in der sie endlich mal ihr großes komisches Talent voll ausspielen konnte, erinnert sich Peters gerne, auch an ihre Zeit in Saarbrücken. „Es war irgendwie eine Wild Card, man wusste ja gar nicht, wo man da hingeht“, sagt sie. „Im Nachhinein war es ein großes Glück“.

Das lag für Peters vor allem an Detlef Jacobsen, der 1991, als sie zusammen mit Ole Puppe und Hannah Ley in Saarbrücken anfing, gerade die Leitung der Schule übernommen hatte. Er sei ein „wunderbarer Lehrer und super Direktor“ gewesen, schwärmt die Schauspielerin in höchsten Tönen.

Jacobsen habe durch die 20 Jahre Zusammenarbeit mit Georges Tabori ein ganz anderes Bild vom Schauspieler gehabt, sagt Peters. Er habe stets auf die Autonomie und Selbstständigkeit des Schauspielers hingewiesen, auf dessen eigenständige künstlerische Verantwortung, wogegen andere Schulen ihn zum Rädchen im Stadttheatergetriebe, das zu gehorchen habe, herrichten würden. „Das sind ganz außergewöhnlich Punkte im gesamten Schauspielergeschäft – bis heute“, stellt Peters fest.

Außerdem sei Jacobsen für lange Zeit der einzige gewesen, der sie darauf hinwies, dass sie ein besonderes komisches Talent habe, was man jungen blonden Frauen normalerweise ja gar nicht zugestehe. „Komische Rollen sind ja nur für hässliche alte Frauen vorgesehen, und junge blonde Dinger müssen Käthchen und Gretchen spielen“.

Und noch etwas Wichtiges habe Detlef Jacobsen seinen Schülern beigebracht, fällt Caroline Peters ein. Das war die Devise „Greif nach den Sternen!“ Will heißen: Auch wenn sie nicht von einer der drei Top-Schauspielschulen des Landes kämen, sollten sie die Chuzpe haben und sich ruhig bei den besten Theaterbühnen bewerben.

Was Peters dann als angehende Schauspielerin auch beherzigte und noch vor dem Abschluss bei der Berliner Schaubühne vorsprach. Der Lohn war ein Engagement. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagt Peters zu den vier Jahren am damals ersten Haus am Platze unter Intendantin Andrea Breth. 1999, als die Leitung wechselte, arbeitete Peters freiberuflich weiter, viel mit Renée Pollesch, und bekam 2004 dann das Engagement am Wiener Burgtheater angeboten.

Ein unwiderstehliches Angebot – da sagt man nicht nein. Was aber macht die besonderen Vorzüge dieses Spitzenhauses aus Schauspielerinnensicht aus, dass man so lange dort bleibt? Mit den meist sehr, sehr guten Regisseuren dort könnte sie heute auch an anderen Top-Bühnen arbeiten, sagt Peters. „Aber die Stärke des Burgtheaters war das starke, solide Ensemble, mit dem man auf Dauer sehr verbunden war.“

War? Nun ja, nach dem das 70-köpfige Ensemble drei, vier Intendantenwechsel überdauert habe, habe es der neue Intendant nun sehr stark erneuert. Da, sagt Peters, müsse man jetzt abwarten, wie es wird.

Aber noch ein weiteres Privileg biete die Wiener Theaterinstitution: Dank ihres riesigen Repertoires und Ensembles könne sie es sich leisten, Schauspieler freizustellen für andere Aufträge und Filmdrehs. Und diese Möglichkeit, abwechselnd auf der Bühne und vor der Kamera zu arbeiten, will Peters nicht mehr missen.

Seit „Mord mit Aussicht“ bekommt sie endlich auch komische Rollen angeboten. „Lange Zeit konnte ich im Fernsehen nur die strenge Staatsanwältin, die Frau vom Zahnarzt, die Frau vom Chirurgen spielen, weil, die Sekretärinnen sind immer drall und lustig und dunkel“, erklärt die Blondine und Feministin.

Vor über 25 Jahren: Caroline Peters in Saarbrücken mit Ole Puppe in „Die ganz begreifliche Angst vor Schlägen“ 1993 im Theater Arnual. Foto: Uwe Merkel

Was sie besonders ärgert: Es werde ja immer behauptet, Schauspieler zeichneten sich durch Wandlungsfähigkeit aus, doch im Film werde viel zu oft nach Klischees besetzt. Das zumindest sei im Theater weniger der Fall.