Jubiläum : Eintritt frei in die klingende Musikschul-Welt

Vor 65 Jahren gründete Alfred Stilz die erste Musikschule in Saarbrücken. Das wird am Wochenende mit einem kunterbunten, anspruchsvollen Programm gefeiert.

Üblicherweise werden Jubiläen zu runden Jahreszahlen gefeiert, doch es geht auch anders: „65 Jahre Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken“ heißt es am Freitag/Samstag, 25./26. Oktober. „Wir feiern gerne Jubiläen“, sagt augenzwinkernd Thomas Kitzig, der Leiter des Hauses in der Nauwieserstraße 3 am Ophülsplatz: „Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, um zu zeigen, wie vielfältig und qualitativ hochwertig wir in Sachen Musik unterwegs sind.“

Und so lädt Kitzig, seines Zeichens studierter Konzertorganist und Musikpädagoge und seit 1992 Chef der traditionsreichen Saarbrücker Ausbildungsstätte, an den Jubeltagen zu Konzerten, Workshops, Gesprächen, Vor- und Einführungen und vielfältigen Schnupperangeboten.

In einer Ausstellung, die bei der Gelegenheit eröffnet wird, ist allerlei zur Geschichte der Musikschule zu erfahren. Hier die Kurzversion: Als die Musikschule anno 1954 von dem rührigen Musikpädagogen Alfred Stilz in Form eines privaten Vereins aus der Taufe gehoben wurde, war das eine Pionierleistung: „Es war die einzige Einrichtung dieser Art im Saarland“, so Kitzig.

Das ursprüngliche Domizil in einer alten Villa in der Winterbergstraße wurde 1961 gegen ein anderes, gleichfalls betagtes Anwesen in der Feldmannstraße getauscht. „Stilz merkte schnell, dass eine Musikschule, wie er sie sich vorstellte, ohne Unterstützung der öffentlichen Hand nicht möglich ist“, erzählt Kitzig. Also schlüpfte die Musikschule 1966 als Abteilung der Musikhochschule unter das Dach des Landes, und Werner Müller-Bech wurde ihr Chef.

Als in der Gründerstimmung der Folgejahre rund um Saarbrücken eine neue Musikschule nach der anderen das Licht der Welt erblickte, wechselte die Lehreinrichtung 1974 in die Trägerschaft der Landeshauptstadt Saarbrücken und wurde zur Städtischen Musikschule. Von 1973 bis 1992 hatte Gerhard Pauly die Leitung in der Feldmannstraße inne.

Unter Thomas Kitzig ging 1999 der Umzug in das aktuelle Hauptgebäude am Ophülsplatz über die Bühne. „Ein toller Standort, mitten im Zentrum, mit bester Verkehrsanbindung durch die Saarbahn“, schwärmt Kitzig, der sich über eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Theater im Viertel (TiV) und dem Theater Alte Feuerwache in unmittelbarer Nachbarschaft freut.

Neben der Hauptstelle gehören zur Musikschule zahlreiche über das Stadtgebiet verteilte Außenstellen; insgesamt werden heute rund 2500 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Kein Instrument im weiten Spektrum von Gitarre bis Geige, Trompete bis Fagott, Klavier bis Schlagzeug, das man in den diversen Fachbereichen der Ausbildungsstätte nicht erlernen könnte.

Alle Genres, von Klassik über Jazz bis Pop, kommen zum Zug. Neben Gesangs- und Instrumentalunterricht für sämtliche Altersstufen, einzeln und in der Gruppe, werden Ensembleunterricht, musikalische Früherziehung, Musiktheorie, Gehörbildung und weitere Ergänzungsfächer angeboten.

„Qualität, Kontinuität und Vielfalt“ nennt Thomas Kitzig als besondere Vorzüge seines Hauses, das zudem „barrierefrei ist, dank unserer Sozialermäßigung und dank des Engagements unseres Fördervereins“. „Die Qualität einer Musikschule ist immer abhängig von der Qualität des pädagogischen Personals“, sagt der Chef. Er beschäftigt „ausschließlich examinierte Lehrkräfte mit abgeschlossenem Hochschulstudium“, die sich außerdem „vielfältig im hiesigen Musikleben einbringen“. Kitzigs Maßstäbe sind hoch: „Künstlerische Persönlichkeiten sind das, was die Musikschule ausmacht – und bereits im Elementarunterricht soll eine künstlerische Note erkennbar sein.“

Ein Klassikabend mit der anschließenden Ausstellungseröffnung ist der gewichtige Starttermin der Festivitäten: „Soirée Gouvy“ heißt das Konzert am Freitag um 19.30 Uhr, das den 200. Geburtstag zweier Komponisten in den Fokus rückt, die beide nicht immer angemessen berücksichtigt wurden: Der in Saarbrücken geborene deutsch-französische Autor Théodore Gouvy (1819 bis 1898) wurde erst vor rund einem Vierteljahrhundert wiederentdeckt. Clara Schumann (1819 bis 1896) war als Pianistin und Gattin von Robert Schumann weltberühmt, als Komponistin findet sie freilich bis heute keine herausragende Würdigung. Es musizieren Lehrkräfte der Musikschule; die Moderation übernimmt Friedrich Spangemacher, Vorsitzender des Musikschul-Fördervereins.

„Der Samstag ist dann der Haupttag: Mit Angeboten für Kinder mit ihren Eltern wollen wir die Vielfalt des Musikschul-Lebens zum Tragen bringen“, verspricht Thomas Kitzig. Von 13.45 Uhr bis 20 Uhr wird in allen Räumen musiziert. Als Höhepunkt des Tages kündigt Kitzig einen Meisterkurs (16.30 Uhr) für Stipendiaten der Dr.-Monika-Meisch-Stiftung mit dem israelischen Komponisten und Saarbrücker Ehrenbürger Tzvi Avni an – Zuhörer sind herzlich willkommen.

Parallel dazu geht anderenorts etwa ein „Lauschkonzert“ für die Kleinsten und ihre Begleiter über die Bühne, während außerdem unter dem Slogan „JazzTime“ die Musikschul-Jazzcombo und Gastensembles zugange sind. Desweiteren sind das Saarbrücker Barock Trio, das Orchester Kunterbunt, das Querflötenensemble, das Streichorchester, Celloquartett und der Gitarrenclub der Musikschule aktiv.

Eine Orff-Gruppe der Musikschule Saarbrücken, irgendwann in den 60er-Jahren. Alfred Stilz gründete auch diese Ensembles. Foto: Musikschule
Ensemblespiel im Garten: In den allerersten Jahren war die Musikschule in einer alten Villa in der Winterbergstraße einquartiert. Foto: Musikschule
Schönes, zentrales Domizil: Heute residiert die Musikschule Saarbrücken in diesem schmucken Bau in der Nauwieser Straße. Foto: Jean M. Laffitau

Geboten werden „Body-Percussion für Menschen ab zehn Jahren“, Probeunterricht in Gesang und zahlreiche weitere Schnupper- und Kennenlern-Angebote. Nebenbei informiert im 30-Minuten-Takt ein Dokumentarfilm über die Musikschule, und die Cafeteria des Hauses arbeitet im Dauerbetrieb – der Eintritt in die schöne klingende Musikschul-Welt ist frei.

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