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60 Kinder und Jugendliche proben für PRMTHS2020

Probenbesuch : Eine Hommage von 60 Schülern an Beethoven

Schülerinnen und Schüler von mehreren Schulen im Land arbeiten seit Monaten an einem gemeinsamen Tanzabend. Premiere ist am Sonntag. Ein Probenbesuch.

„Geh nicht so weit in die Ecke da hinten! Da bist Du nicht mehr im Licht!“, dirigiert Choreograf Samuel Meystre einen seiner jungen Tänzer. Und an anderer Stelle, an eine ganze Gruppe adressiert: „Von Euch will ich mehr hören! Ihr dürft laut sein, bewegt Euch! Bringt mehr Leben ins Spiel!“

Was Meystre hier tut, unentwegt hin und her rennend, gleicht dem berühmten Hüten des Sacks voller Flöhe: Bei der Probe in der Alten Feuerwache koordiniert er gut 60 Kinder und Jugendliche, die bei der multimedialen Tanzperformance „PRMSTHS2020“ zum aktuellen Beethoven-Jahr mitwirken.

Dass die Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen elf und 13 Jahren von drei allgemeinbildenden Schulen und zwei Einrichtungen der Jugendkultur kommen und sich nach Einzelproben seit Februar nun erst mal zum Ensemble finden müssen, macht die Sache nicht einfacher. Gestartet ist das ambitionierte Unternehmen im August an der Gemeinschaftsschule Vopeliuspark in Sulzbach als Förderprojekt der „ChanceTanz“, einer Initiative der „Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft“ im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Rund um dieses Epizentrum schloss die Landesarbeitsgemeinschaft Tanz im Saarland Bündnisse mit dem Saarländischen Staatstheater (SST), der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung und der Gemeinschaftsschule (Gems) Vopeliuspark Sulzbach. Saarlandweit stießen weitere junge Tanz­enthusiasten dazu. Etwa von der Gems Rastbachtal, die wie die Gems Vopeliuspark als „Kultur_Leben!“-Schule vom Ministerium für Bildung und Kultur gefördert wird – Ministerin Christine Streichert-Clivot ist denn auch Schirmherrin für „PRMTHS2020“.

Außerdem dabei sind die Schule zum Broch (Förderschule für geistige Entwicklung) in Merzig-Merchingen sowie die Jugendtanzgruppe „iMove“ des Saarländischen Staatstheaters (hier wirken auch ältere Jugendliche mit) und die „Young Movers“ der „Plattform 3. Zentrum für Tanz und Musik in Saarbrücken“ – diese Gruppen finanzieren sich wiederum aus Eigenmitteln.

Wie kriegt man das alles zusammen? Eine Herausforderung, von der das gesamte Leitungsteam ein Lied singen kann. „Die Idee hatte ich bereits vor drei Jahren. Zwischendurch waren wir mal nahe dran, aufzugeben“, erzählt Projektleiterin Eva Kieser von der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung – sie hat das Ganze initiiert. Künstlerische Leiterin ist Seraina Stoffel, gleichzeitig künstlerische Leiterin der Landesarbeitsgemeinschaft Tanz; sie kümmert sich auch um Koordination und Administratives.

Die choreografische Leitung hat Samuel Meystre, ebenfalls von der LAG Tanz; um Konzept und Vermittlung müht sich Jakob Jokisch, Theaterpädagoge für Schauspiel und Tanz am SST. „Zum Beethoven-Jahr wollte ich ganz bewusst etwas Niedrigschwelliges für weniger privilegierte Jugendliche machen“, erläutert Eva Kieser ihre Idee.

Worum geht’s inhaltlich? Die Schülerinnen und Schüler beschäftigten sich mit Beethoven und seiner Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ – Ehrensache, dass man sich da zur Vorbereitung auch gemeinsam die entsprechende SST-Choreografie von Stijn Celis anguckte und mit den SST-Tänzerinnen und Tänzern einen Workshop absolvierte. Die Aufgabe lautete nun, die Figur des Prometheus in die Jetzt-Zeit zu übertragen: Welche Menschen würden die Jugendlichen heute an seiner Stelle erschaffen? Mit welchen Emotionen wären diese Geschöpfe ausgestattet, wie würden sie mit Problemen und Konflikten umgehen?

Dafür packten die Gruppen jeweils eigene „Koffer“, wie Stoffel formuliert: Die Vopelius-Schüler konzentrierten sich auf die Darstellung des Prometheus, die anderen beschäftigten sich mit Themen wie Ordnung, Rebellion und Individualität im Spannungsfeld zwischen Identität, Nachahmung und Anderssein; mit der Seelenlosigkeit von Maschinen versus „echten“ Menschen mit Gefühlen; mit Streit, Krieg und Erkenntnis. Die Performancegruppe Rastbachtal versucht, die Verbindung zu all diesen Aspekten zu halten.

Musikalisch geht’s dabei mit Brüchen querfeldein, von Beethoven bis zu modernen Elektrobeats. Jasmin Kaege, Regieassistentin am SST, findet dazu archaisch kraftvolle Bilder: Mit ihren Händen formt und zerbröselt sie Menschenmaterial aus Knete – eine Illustration, die per Live-Kamera auf eine riesige Leinwand projiziert wird.

Premiere (nur noch wenige Restkarten): Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Alte Feuerwache. Wieder: Sonntag, 15. März, 16 Uhr. Eintritt frei, Kartenreservierung erforderlich. Tel. (0681) 3092-486, kasse@staatstheater.saarland