Einzelstück wartet am Saarufer auf seine Reise nach Norwegen Warum der 175 Tonnen-Behälter der Firma Leffer in Saarbrücken seit Tagen bewacht wird — und wofür er überhaupt ist

Saarbrücken · Seit mehreren Wochen steht am Rande des Bürgerparks ein riesiger, grauer Behälter neben der Anlegestelle an der Saar. Woher das tankähnliche Produkt kommt, warum es bewacht werden muss und wohin es aus dem Saarland verschifft werden soll, erklärt der Geschäftsführer der Firma Leffer.

 Der 175-Tonnen schwere Hochdruck-Gasabscheider der Dudweiler Firma Leffer wartet an der Roro-Anlegestelle nahe des Bürgerparks in Saarbrücken auf seinen Transport nach Norwegen.

Der 175-Tonnen schwere Hochdruck-Gasabscheider der Dudweiler Firma Leffer wartet an der Roro-Anlegestelle nahe des Bürgerparks in Saarbrücken auf seinen Transport nach Norwegen.

Foto: Lea Kasseckert

Ein riesiger, grauer Behälter ist an der Roro-Anlegestelle nahe dem Bürgerpark in Saarbrücken gestrandet. 175,85 Tonnen Bruttogewicht, die darauf warten, nach Norwegen verschifft zu werden. So steht es auf einer Art Adressaufkleber, der gut lesbar an der Außenwand des Giganten angebracht ist. Darauf ist auch vermerkt, wer die massive Konstruktion in den Norden Europas verschiffen lassen will: Das saarländische Familienunternehmen Leffer aus Dudweiler, ein Weltkonzern für den Stahl- und Apparatebau, wird als Absender genannt. Und noch etwas, vielmehr noch jemand, fällt auf – zwei Männer eines Sicherheitsdienstes, die den Apparat bewachen.

Sicherheitsdienst zum Schutz vor Vandalismus engagiert

Rund um die Uhr, in zwei Schichten, passen sie auf den Giganten auf – um ihn vor Vandalismus zu schützen, so Leffer-Geschäftsführer Andreas Leffer auf Nachfrage unserer Zeitung. „Der Wert des Apparates liegt im hohen siebenstelligen Bereich. Der Apparat ist hochsensibel, alleine die darin verbauten Prozesseinbauten kosten mehrere Millionen“, begründet er die Sicherheitsmaßnahme. Eine Notwendigkeit, die seinem Unternehmen nach eigenen Angaben Kosten in Höhe von rund 50 000 Euro verursacht.

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Weiter erklärt Leffer, was der massive Behälter, der aussieht wie ein Tank, eigentlich ist. Es handelt sich um einen sogenannten „Inlet Gas Scrubber, auf Deutsch wohl am besten übersetzt mit Hochdruck-Gasabscheider.“ Vereinfacht gesagt, kommen Gasabscheider bei der industriellen Verladung von Flüssigkeiten zum Einsatz, um Gase von der Flüssigkeit zu trennen. Der Hochdruck-Gasabscheider, wie er momentan neben der Saar steht, sei „derzeit in seiner Größe und Abmessung weltweit einzigartig“, so Leffer. Mehrere solch ähnlicher Apparate produziere das Unternehmen im Jahr, die dann in fünf bis zehn Fällen über die Saar an einen Nordseehafen gebracht und von dort weltweit verschifft werden.

Gasabscheider aus dem Saarland wird vor Australiens Küste versenkt

So ist auch der Plan für das knapp 175-Tonnen schwere Einzelstück. Erstes Ziel: Rotterdam via Saar, Mosel und Rhein. Von dort aus gehe es weiter nach Norwegen, wo der Apparat in ein Modul verbaut und schließlich nach Australien verschifft werde, beschreibt Leffer die bevorstehende Reiseroute seines millionenschweren Giga-Produktes. Gebaut wurde der Gasabscheider im Saarland für eine Unterwasser-Kompressorstation, die in 1500 Meter Tiefe vor der australischen Küste liegt. „Diese Station, die so groß ist wie mehrere Fußballfelder, wird in einzelnen Modulen in Norwegen vorgefertigt [...] und dieser Apparat ist eine der wichtigsten Schlüsselkomponenten dieser Anlage.“

Aufgrund des Pfingsthochwassers kommt es bei der Auslieferung zu mehreren Wochen Verzögerung. Zwar wurde der Behälter erst einige Tage nach dem Hochwasser, in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai, von Dudweiler nach Saarbrücken transportiert. Doch da war die Saar noch nicht wieder für den Schifffahrtsverkehr freigegeben. Außerdem verzögerten Wartungsarbeiten an der Moselschleuse die Abholung um mehr als zwei weitere Wochen, sagt Leffer. Durch die Verzögerungen drohe dem Saar-Unternehmen eine hohe sechsstellige Vertragsstrafe. Hinzu können Verluste im ebenso sechsstelligen Bereich kommen und dem Kunden noch höhere Folgekosten entstehen. Genaue Verlustsummen ließen sich noch nicht beziffern, so der Geschäftsführer.

Schifffahrtsamts begleitet Transport bis Saarbrücker Schleuse

Nach drei teuren Wochen Aufenthalt an der Roro-Anlegestelle in Saarbrücken soll die Reise für den Hochdruck-Gasabscheider am Dienstag, 18. Juni, endlich weitergehen. Da die Saar im Stadtbereich bis zur Staustufe Saarbrücken in Folge des Pfingsthochwassers jedoch weiterhin nur eingeschränkt befahrbar ist, wird der Schwerlasttransport bis ins Oberwasser der Staustufe durch das Schifffahrtsamt begleitet werden, so eine Sprecherin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts am Freitag. Ist die Staustufe passiert, steht dem Giga-Apparat aus dem Saarland auf dem langen Weg nach Australien über Rotterdam und Norwegen hoffentlich nichts mehr im Weg.