Saarbrücken will ein neues Messe- und Kongresszentrum mit Kulturforum

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücker Stadtentwicklung : Das Millionenspiel geht in die nächste Runde

Der Saarbrücker Stadtrat gibt grünes Licht für ein Kongress- und Messezentrum mit Kulturforum. Kosten: 100 Millionen Euro.

Uwe Conradt hat die Rolle gewechselt. Es ist fast genau ein Jahr er, da wollte der Christdemokrat erstmal reden. Den zwischen der Stadtverwaltung und der Landesregierung entwickelte Plan, die Congresshalle zum neuen Messestandort auszubauen, bewertete er skeptisch. Er konnte sich eher vorstellen, die Congresshalle zum Musikstandort auszubauen und das Busdepot zu verlegen, um dort eine neue Messe zu etablieren. Die damalige Oberbürgermeisterin drängte zur Eile, weil Fristen eingehalten werden mussten, um an Zuschüsse aus Berlin zu kommen. Conradt, damals Vorsitzender CDU-Stadtratsfraktion, stimmte dagegen.

Nun ist Conradt selbst Oberbürgermeister und drängt zur Eile. Quasi in letzter Minute hat der Saarbrücker Stadtrat am Dienstagabend ein sogenanntes Rahmenkonzept für das „Modellvorhaben Städtebauförderung“ beschlossen. „Dieses muss bis 31. Oktober beim Bund vorliegen. Es ist Voraussetzung dafür, dass die Bundes-Fördermittel von rund 50 Millionen Euro überhaupt nach Saarbrücken fließen können. Hätte der Rat den Beschluss nicht gefasst, wäre diese Fördersumme gefährdet gewesen“, sagt Conradt nun.

Das Konzept, das zurzeit 21 Teilprojekte umfasst, ist im Kern das, welches der Stadtrat vor einem Jahr auf den Weg gebracht hatte: Neben der denkmalgeschützten Congresshalle soll ein Gebäude für ein „Messe-, Kongress- und Kulturforum“ gebaut werden. Eine Rad- und Fußgängerbrücke soll das Ganze mit der Alt-Saarbrücker Saarseite verbinden. Dort könnte unter anderem ein Parkhaus auf dem bisherigen Toto-Parkplatz entstehen. Knapp 100 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, die Hälfte soll aus einem Förderpramm des Bundes kommen. Darüber, wer wie viel von der anderen Häfte zahlt, müssen sich das Land und die Landeshauptstadt noch einigen.

Die Bürgerinitiative Bürgerpark sieht in all dem einen „Verrat“ Conrads. Sie „bedauert“ den Stadtratsbeschluss. Die neue Stadtratskoalition aus CDU, Grünen und FDP begehe „Wahlbetrug direkt zu Beginn ihrer Amtszeit“, schreibt die Initiative. Die neue Messe an der Congresshalle zu bündeln, ist aus ihrer Sicht „insbesondere auch in städteplanerischer Weise ein großer Fehler“, belebe weder das Viertel noch den Bürgerpark und bringe „Verkehr gegen den ökologischen Verstand in die Stadt. Solche Pläne sind selbst keinen Zuschuss vom Bund in Höhe von 50 Millionen Euro wert“, argumentiert die Initiative. Vor allem sei man aber enttäuscht, weil eine Bürgerbeteiligung zugesagt worden sei.

Conradt betont, „dass der Bürgerpark selbst von dem Modellvorhaben unberührt bleibt“. Die Bürgerbeteiligung zur Weiterentwicklung des Bürgerparks sowie zu dem Modellvorhaben werde es geben, versichert er. Bereits am kommenden Donnerstag, 7. November, findet ab 14 Uhr ein öffentlicher Rundgang durch den Bürgerpark mit Uwe Conradt statt, zu dem auch die Bürgerinitiative eingeladen ist. Dabei werde es um die Zukunft und die Aufwertung des Bürgerparks und die Messe gehen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung