Saarbrücken vergab 22. Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : Saarbrücken vergab 22. Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis

Im Gedenken an den 1915 in Berlin geborenen, seit 1947 im Saarland ansässigen und dort 1996 gestorbenen Autor Hans Bernhard Schiff, sein literarisches Werk und sein gesellschaftliches Engagement vergab die Landeshauptstadt Saarbrücken zum 22. Mal den Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis im Rathausfestsaal.

Aus fast 100 Einsendungen hatte die Jury, bestehend aus Johannes Birgfeld, Andreas Dury, Hermann Gätje, Jérôme Jaminet und Heiner Zietz, zwei Preisträgerinnen ausgewählt: Irina Rosenau (1. Preis) und Michaela Albrecht (2. Preis). „Es war ein sehr starkes Jahr mit vielen hochwertigen Einsendungen“, sagte Hermann Gätje zu der Wahl der Jury. Obwohl der Preis sich an Literaturschaffende in der gesamten Großregion richtet, stachen die Schriftstellerinnen aus Saarbrücken besonders heraus.

Zunächst stellte Jurymitglied Jérôme Jaminet die Arbeit der Zweitplatzierten Michaela Albrecht vor, bevor die Autorin selbst aus ihrer Arbeit „Metamorphose“ las und dafür viel Applaus kassierte. „Der Text „Metamorphose“ erzählt die Geschichte einer Selbstentfremdung. Die Verfasserin hat ein markantes Motiv und einen angemessen sensiblen Erzählton für die psychische und emotionale Degeneration ihrer Protagonistin gefunden,“ so Jurymitglied Jérôme Jaminet über Michaela Albrechts Prosa. Die angehende Psychotheraeutin, die 1991 in Saarbrücken geboren ist, schreibt schon ziemlich lange, wenn auch nicht immer so regelmäßig, wie sie es gerne täte. Was als Zeitvertreib in der Schulzeit begann, wurde durch das Forum „hierschreibenwir.de“ zur Leidenschaft. Sie lebt und schreibt im Saarland. Ende 2017 gewann sie den Hans-Bernhard-Schiff-Förder- und Sonderpreis für Literatur.

Jurymitglied Andreas Dury durfte die erste Preisträgerin Irina Rosenau und ihr Werk vorstellen, bevor das Publikum ihrer Lesung aus „Die Stunde des Farns“ aufmerksam folgte. „Irina Rosenau hat mit „Die Stunde des Farns“ einen dichten, bilderreichen Text über eine Sommersonnwendnacht geschrieben. Es ist die Nacht der Jugend, die Nacht, in der aus Kindern Erwachsene werden, in der der Farn seine fruchtbaren Blätter entrollt. Die pralle, sich in den Sommer entfaltende Natur scheint mit ihren Säften, Trieben und auch mit ihrer Gewalt in den Text selbst hineinzuwachsen“, begründete Andreas Dury die Auswahl des Textes. Irina Rosenau, Jahrgang 1978, ist in Weißrussland geboren, hat Germanistik in Minsk (Weißrussland) und italienische und vergleichende Literaturwissenschaft in Saarbrücken und Pisa studiert. Heute unterrichtet sie Komparatistik an der Universität des Saarlandes.

Die Preise, dotiert mit 2000 und 3000 Euro, überreichte auch in diesem Jahr Kulturdezernent Thomas Brück. Ein Grußwort sprach Robert Joachim Schiff, der Sohn von Hans Bernhard Schiff.

Mehr von Saarbrücker Zeitung