Saarbrücken sucht für rund 26 Prozent der Friedhofsflächen eine Zukunft

Kostenpflichtiger Inhalt: Bestattungen : Saarbrücken plant die Friedhofszukunft

Die meisten entscheiden sich in der Landeshauptstadt für eine Urnenbeisetzung. Daher ist gut ein Viertel der Friedhofsflächen nicht mehr belegt. Die Stadt will die 37 Hektar für Grünflächen ebenso nutzen wie für ein würdiges Totengedenken.

Überflüssig. Ein hartes Wort, erst recht verknüpft mit einem Ort, der über Generationen hinweg dem Gedenken und der Trauer gewidmet ist. Und doch gehen Experten davon aus, dass etwa die Hälfte der Friedhofsflächen in Deutschland für Bestattungen nicht mehr benötigt werden. Das sind bei einer Gesamtfläche von 35 000 Hektar etwa 17 500 Hektar.

Diese Zahlen veröffentlichte vor Kurzem der Verein Aeternitas unter dem Titel „Deutschlands Friedöfe müssen schrumpfen“. Aeternitas setzt sich seit 1984 unter anderem dafür ein, zeitgemäße Friedhöfe zu entwickeln und zu erhalten.

Entsprechend groß schätzt Aeternitas die Herausforderungen ein, die sich aus einem Überhang von 17 500 Hektar Friedhofsfläche ergeben. Zum Vergleich: Diese Fläche ist etwas größer als die gesamte Ausdehnung der Stadt Saarbrücken, die mit 16 710 Hektar angegeben ist. Wie sieht es dort mit den letzten Ruhestätten aus?

Die Stadtpressestelle stellte auf SZ-Anfrage zusammen, welche Dimensionen die nicht mehr benötigten Friedhofsflächen in Saarbrücken haben. Und wie die Stadtverwaltung auf diese Herausforderung reagiert.

In der größten saarländischen Kommune nehmen die 22 derzeit genutzten städtischen Friedhöfe rund 141 Hektar ein – was einer Fläche von fast 200 Fußfallfeldern entspricht. Sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und in vier Bezirke – Mitte, West, Ost und Dudweiler – gegliedert.

Neben dem Hauptfriedhof, mit rund 61 Hektar der größte Friedhof in Südwestdeutschland, gibt es großzügig angelegte Waldfriedhöfe sowie größere und kleinere Stadtteil-Anlagen. Aktuell existieren auf Saarbrückens Friedhöfen rund 43 000 genutzte Gräber sowie rund 3000 Kriegs- und Ehrengräber.

Im Jahr 2018 gab es in Saarbrücken 1789 Beerdigungen. Dreiviertel davon, 1355, waren Urnenbeisetzungen. Im Vergleichszeitraum seit 2014 war der Anteil der Urnenbegräbnisse allerdings 2017 mit 79,8 Prozent noch höher. Damit liegt Saarbrücken bei den Urnenbestattungen deutlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt, den der Verein Aeternitas mit rund 66 Prozent angibt.

Entsprechend niedrig ist in Saarbrücken mittlerweile die Zahl der Menschen, die ihre letzte Ruhe in einem Sarg finden. 2018 gab es 434 Erdbestattungen. Darin enthalten sind die Beisetzungen in den oberirdischen Grabkammern auf dem Hauptfriedhof, also die sogenannten „italienischen Bestattungen“.

 Um den Umbrüchen im Beerdigungswesen gerecht zu werden, erstellte das Amt für Stadtgrün und Friedhöfe einen Friedhofsentwicklungsplan, den der Stadtrat beschlossen hat.

Dieser Plan weist für Saarbrücken einen Flächenüberhang von durchschnittlich 26,1 Prozent aus. Also von gut einem Viertel der Friedhofsareale. Pläne, daraus wie in Berlin Bauland zu machen, verfolgt die Saarbrücker Stadtverwaltung nicht.

Vielmehr bleibt ein Teil der Anlagen als Grün- und Erholungsfläche mit ökologischem Wert, also als Park, erhalten. Dort sind zum Teil auch naturnahe Haine zur Bestattung von Urnen vorgesehen. Und zwar mit jeweils eigenen, kleinen Grabplatten ohne Pflegeaufwand. Flächen, die ohnehin an Wälder grenzen, wollen die Friedhofsentwickler nach und nach zu naturnahem Wald werden lassen.

Da aufgrund der zahlreichen Urnenbestattungen weniger Belegungsflächen auf den Friedhöfen benötigt werden, sieht der Plan eine Bündelung der Grabfelder – zumeist um die Trauerhallen – vor.

Im Gegenzug nimmt das Amt ja nicht mehr belegte Flächen aus der Nutzung, so dass eine weitere intensive Pflege entfällt. Zudem will das Friedhofsamt neue Grab-Arten anbieten, damit seine Anlagen dank günstiger Bestattungsmöglichkeiten auf Dauer erhalten bleiben. Und damit sich die Friedhofskultur weiterentwickeln lässt. So sollen Rasenreihengräber Platz für günstige Erdbestattungen ohne Pflegeaufwand bieten, um Angehörige zu entlasten. Auch diese Gräber könnten zu einem der neuen Orte für die letzte Ruhe in Saarbrücken werden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung