| 20:42 Uhr

Kommentar
Hoffentlich ist das ein neuer Anfang

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Gut so. Saarbrücken erfährt: Eine Straße ist nach einem Verbrecher gegen die Menschlichkeit benannt. Die Stadt reagiert sofort. Schon am 9. Januar ist der Nazi weg – und die Straße trägt den Namen eines Menschenfreundes, der in Saarbrücken Gutes getan hat. Von Jörg Laskowski

Aber natürlich sind auch die Einwände der Anwohner berechtigt. Sie haben jetzt eine Menge Arbeit. Sie müssen überall ihre neue Adresse mitteilen. Und womöglich wird da trotzdem mancher Brief an den Absender zurückgehen. Hoffen wir, dass die Stadt den älteren Herrschaften aus dem künftigen Oscar-Gross-Weg wirklich effektiv zur Seite steht. Alles andere wäre eine Schande. Eine weitere Schande. Denn bei Straßennamen hat sich Saarbrücken ja bislang nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Blick zurück: Direkt nach dem Krieg hieß die Großherzog-Friedrich-Straße nach dem Nazi-Gegner Max Braun. Und die Bülow-Straße in Malstatt hieß nach der hingerichteten Nazi-Gegnerin und Awo-Mitgründerin Johanna Kirchner. Beides wurde 1956 rückgängig gemacht. Aber nicht aus Rücksicht auf ältere Leute, die ihre Post nicht mehr bekamen – sondern aus politischen Gründen.