Saarbrücken musste im vorigen Jahr rund 6000 Raser davonkommen lassen

Geschwindigkeitskontrollen : Nicht jeder Blitzer lässt die Kasse klingeln

Sie sind als Abzock-Säulen verschrien und als Raserbremsen geschätzt: Aber das Ordnungsamt kann längst nicht alle belangen, die dort zu schnell unterwegs sind.

Endlich Grün: Das weiße Coupé schert aus und saust am Wagen des Vordermanns vorbei die Talstraße hinab. Der überholte Fahrer lässt es langsam angehen. Er kennt die graue Tempo-Messsäule in der Talstraße. Die Bremslichter des Sportwagens hingegen leuchten erst nach dem roten Blitz auf. Ein Fall mehr für das Ordnungsamt der Stadt. Eines von rund 102 000 Blitzlicht-Fotos, das die sechs stationären Säulen 2018 im Dienste der Stadt geschossen haben.

Am häufigsten löste besagte Station in  Alt-Saarbrücken aus. Dahinter rangieren die Säulen an der Camphauser Straße in Höhe der Saarlandhalle und die Mess-Stelle inmitten der Egon-Reinert-Straße unweit der Feuerwache 1.

Aber längst nicht alle eiligen Fahrzeughalter oder -halterinnen mussten blechen.  „Es sind im vergangenen Jahr 92 412 Fälle ins Verfahren gegangen“, teilt Stadtsprecher Thomas Blug mit.

Was bedeutet: In 9600 Fällen eröffnete das Amt ein Verfahren nach einer Geschwindigkeitsübertretung gar nicht erst. 3451-mal hatten die Fahrerinnen oder Fahrer allen Grund, sich nicht an Tempo 30 zu halten. Sie waren am Steuer eines Polizeiautos, Feuerwehr- oder Krankenwagens auf dem Weg zu Menschen in Not. „Diese Fahrten hat die Landeshauptstadt im Vorfeld herausgefiltert und gar nicht erst ins Verfahren gebracht“, erläutert der Stadtsprecher.

Bleiben also um die 6000 Raser, auf die es die Stadt ja eigentlich abgesehen hat und die sie dennoch nicht belangen konnte. Wie auch in anderen Ordnungsämtern üblich,  sollen die Saarbrücker Bediensteten ihre Arbeitskraft nur in Verfahren stecken, die etwas bringen. Es muss also klar sein, wer am Steuer saß. Denn die Stadt kann nach deutscher Rechtslage nicht einfach den Halter zur Rechenschaft ziehen. Erfolgreich ist die Behörde mit ihren Mess-Säulen aber auf jeden Fall.

Als die ersten vier Blitzer 2016 loslegten, lösten die Anlagen innerhalb von sechs Wochen 27 380-mal aus. Einnahmen: 319 000 Euro. Neun Monate später waren die Blitzerzahlen halbiert. Und heute? Stadtsprecher Blug sagt, die Fallzahlen seien weiter rückläufig. „Es ist bundesweit gewollt, dass nach der Inbetriebnahme der stationären Anlagen die Verkehrsübertritte massiv zurückgehen und die Verkehrssicherheit entsprechend zunimmt.“

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