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Saarbrücken: Klinik-Personal erhält Kündigung an Weihnachten

Stadtkrankenhaus Saarbrücken : Mitarbeiter-Kündigung kommt Heiligabend – Kritik von Verdi und FDP an Kreuznacher Diakonie

Ende März schließt das Stadtkrankenhaus in Saarbrücken. 150 Mitarbeiter haben nach Verdi-Auskunft Heiligabend von der Kreuznacher Diakonie ihre Kündigung erhalten. Gewerkschaft und FDP sind empört.

Rund 150 Mitarbeiter des Evangelischen Stadtkrankenhauses in Saarbrücken haben an Heiligabend per Einschreiben ihre Kündigung erhalten. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert den Krankenhausträger, die Kreuznacher Diakonie, für dieses Vorgehen scharf.

„Unverschämt, dreist und ganz weit entfernt von christlichem Verhalten!“, fasst der Verdi-Bezirk Region Saar Trier seine Empörung auf Facebook zusammen. Selten habe Verdi einen Arbeitgeber gesehen, der seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „einen solch heftigen Arschtritt verpasst hat“.

Gewerkschaft Verdi sieht keinen rechtlichen Grund für Kündigung an Heiligabend

Die Gewerkschaft hatte zwar mit Kündigungen wegen der beschlossenen Schließung des Stadtkrankenhauses zum 31. März 2023 gerechnet, es habe allerdings „keinerlei juristische Notwendigkeit“ gegeben, die Kündigungen an Heiligabend zuzustellen. Mögliche Fristen wären auch bei einer Zustellung nach den Weihnachtstagen eingehalten worden.

„Mit dieser Aktion schafft es die Kreuznacher Diakonie jedoch, den Betroffenen und all ihren Familien das Weihnachtsfest zu versauen. Dafür kann man schon bei einem weltlichen Arbeitgeber kein Verständnis aufbringen – bei einem kirchlichen Arbeitgeber muss man jedoch zu dem Ergebnis kommen, dass da weder Anstand noch christliches Verhalten gelebt werden. Die Diakonie muss sich schämen“, heißt es in dem Post von Verdi auf Facebook.

Auch die FDP im Saarbrücker Stadtrat missbilligt mit scharfen Worten den Umgang mit den Beschäftigten. In einer Mitteilung des Fraktionsvorsitzenden Helmut Isringhaus heißt es: „Es ist schon ein Kunststück, eine Kündigung exakt am Heiligen Abend zustellen zu lassen. Dem Vernehmen nach sollen langjährigen Fachärzten die Weiterbeschäftigung als Haushaltshilfe angeboten worden sein.“

Isringhaus fordert in der Mitteilung die kurzfristige Einberufung eines Runden Tisches, um die verbliebenen Chancen des Standortes ohne Beteiligung der Diakonie auszuloten. Gleichzeitig kritisiert die Partei,, dass die „Diakonie nicht schon rechtzeitig die Weichen gestellt hat für eine Transformation des evangelischen Krankenhauses“.

FDP: Entscheidung der Diakonie zum evangelischen Stadtkrankenhaus löst Empörung aus

Die Entscheidung des Trägers löse bei allen Beteiligten Empörung aus. Das betreffe sowohl „die Art und Weise, wie nun die Schließung vollzogen“ als auch „den Mitarbeitern gekündigt wird“. Würde der Diakonie etwas an der Gesundheitsversorgung und den Kollegen liegen, habe es schon vor Jahren eine Reform gegeben.

Zuletzt hatte die Kirchengemeinde St. Johann die Kreuznacher Diakonie aufgefordert, das Krankenhaus-Grundstück zurückzugeben. Grund für die Rückforderung sei die anhaltende Unklarheit darüber, wie die Kreuznacher Diakonie nach der Schließung des Krankenhauses die Zweckbindung des Grundstücks erhalten wolle. Die Kirchengemeinde kündigte an, eine Klage gegen die Kreuznacher Diakonie vorzubereiten, um von ihrem Heimfallrecht Gebrauch zu machen.