Attraktion auf Tbilisser Platz Das Riesenrad in Saarbrücken – was, wenn es dauerhaft bleibt?

Saarbrücken · In vielen Städten weltweit gibt es ein Riesenrad als dauerhafte Attraktion. Wäre das auch etwas für die Landeshauptstadt, die gerade nur für ein paar Wochen ein Riesenrad beherbergte?

 Das Riesenrad auf dem Tbilisser Platz erfreute sich bei den Saarbrückern großer Beliebtheit. Wäre es als dauerhafte Attraktion in der Landeshauptstadt lohnenswert?

Das Riesenrad auf dem Tbilisser Platz erfreute sich bei den Saarbrückern großer Beliebtheit. Wäre es als dauerhafte Attraktion in der Landeshauptstadt lohnenswert?

Foto: Silvia Buss

Seit Ende November dreht das Riesenrad Jupiter jeden Tag gemütlich seine Runden auf dem Tbilisser Platz in Saarbrücken. Doch nur noch bis Sonntagabend, dann ist Schluss. Wie bei allem, was schön ist und Spaß macht, fragen sich manche Saarbrücker nun: Wie wäre es denn, wenn das Rad dauerhaft bleibt? So etwa der Werbefachmann der Agentur HDW, Matthias Hahn, der im Bekanntenkreis und auf Facebook die Werbetrommel für ein ständiges Riesenrad als neuer Attraktion rührte und dafür, wie er der SZ sagte, viel Zustimmung erhielt.

Das sagen die Betreiber des Saarbrücker Riesenrads

Was meinen denn die Betreiber des Jupiter dazu, die seit Jahrzehnten mit ihren Riesenrädern auf Tour gehen und dabei viele Städte kennenlernten? Horst Kümpel, seit 26 für den Bonner Schausteller Rudolf Barth und die Firma Barth und Kipp auf Tour und jeweils der Chef vor Ort, ist mit dem Erfolg, den größte Rad der Firma in der Landeshauptstadt einfuhr, auf jeden Fall schon mal sehr zufrieden.

„Wir hatten querbeet ein ganz tolles Publikum, von ganz jung, vom Baby angefangen, bis ganz alt und ganz bunt gemischt.“ Und man sollte es ja kaum glauben: Aber gerade auch bei jungen Leuten, die bekanntlich bei Kirmes-Fahrgeschäften immer auf den Nervenkitzel durch rasendes Tempo und rasante Kurven stehen, ist das doch langsame Riesenrad in Saarbrücken laut Kümpel sehr beliebt. „Die Leute waren teilweise außer sich vor Freude, die Kinder sind ausgeflippt – im positiven Sinne“, sagt Kümpel, der sich selbst als rheinische Frohnatur sieht und daheim auch im Karneval kräftig mitmischt.

Riesenrad auf dem Tbilisser Platz in Saarbrücken (Bildergalerie)
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Riesenrad auf dem Tbilisser Platz in Saarbrücken (Bildergalerie)

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Foto: BeckerBredel

Besucherzahlen gebe man allerdings grundsätzlich nicht bekannt. Wegen der vielen Mitbewerber im Riesenrad-Fahrgeschäft bundes- und europaweit. Könnte sich Kümpel aufgrund der guten Resonanz das Rad als permanentes Angebot in Saarbrücken vorstellen, auch unabhängig vom Weihnachtsmarkt? Oder würde sich der Reiz der Besonderen auf Dauer abnutzen? Schließlich erlebte Saarbrücken ja mit Jupiter seine Riesenrad-Premiere.

„Im Endeffekt ist ein Riesenrad eine Zierde für jede tolle Stadt“, hebt er vorsichtig zu antworten an. London habe eines, Shanghai, Paris, Antwerpen und Gent in Belgien. Doch kann denn Saarbrücken da mithalten, was die Zahl der Einwohner und der permanent zuströmenden Touristen angeht? Barth und Kipp selbst habe ein etwas kleineres Riesenrad dauerhaft in Konstanz stehen, sagt Kümpel. Das unterliege natürlich wie bei jedem Geschäft Schwankungen. „Aber ne Chance für hier wäre das schon, zu überlegen wäre das ganz bestimmt.“ Man müsste das einmal testen, empfiehlt der Fachmann. „Ein Betreiber könnte ja, wenn er gerade eins frei hat, das Rad für eine festzulegende Zeit hier aufstellen.“

Was sagt denn die Stadt zu dieser Idee? „Wir sind froh, dass wir gemeinsam mit dem Verkehrsverein das Riesenrad für Saarbrücken gewinnen konnten“, teilt Stadtpressesprecher Thomas Blug auf Anfrage mit. „Der Tbilisserplatz war zu dieser Zeit des Jahres ein hervorragender Standort für ein Riesenrad. Zu anderen Jahreszeiten dient er der Stadt für andere Veranstaltungen, ebenso ist der Betreiber mit dem Riesenrad zu anderen Jahreszeiten bereits auf anderen Plätzen verplant.“ Auch liege der Stadt derzeit keine Anfrage eines Betreibers für einen ganzjährigen Betrieb eines Riesenrads vor, fügt Blug hinzu.

Auch der Verkehrsverein reagiert verhalten. Der Idee eines Riesenrads als dauerhafter Attraktion sei man „grundprinzipiell auch sehr zugetan“, antwortet der Verein der SZ. Ob das aber wirklich umsetzbar sei oder vielleicht etwas anderes als Highlight für die Stadt geeigneter sei, sei von so vielen Faktoren abhängig, dass man dazu jetzt noch keine Aussage treffen könne.

Für die Leiterin der Tourismuszentrale des Saarlandes, Birgit Grauvogel, war das Riesenrad eher „eine zusätzliche Attraktion zum Weihnachtsmarkt“. Dessen Hauptattraktion aber ist für sie eher der fliegende Weihnachtsmann, durch den sich der Saarbrücker von anderen Weihnachtsmärkten klar abhebe. Dass der Markt diesmal eine Million Gäste anlockte, ist für Grauvogel die eigentlich Sensation. Für eine dauerhafte Attraktivität Saarbrückens sieht die Tourismusexpertin eher ganz andere Sachen von Belang als ein Riesenrad, dessen Reiz vermutlich nicht von Dauer sei.

„Der wichtigste touristische Impuls für Saarbrücken wird die Fertigstellung des Modellvorhabens für die Kongresshalle sein“, betont sie, „vor allem ihre planmäßige Umsetzung und daneben der Fortbestand der Fernverkehrsverbindungen für Saarbrücken“. Und noch eine Botschaft ist Grauvogel sehr wichtig: „Heute schon muss professionell für Tagungen und Veranstaltungen geworben werden, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts stattfinden sollen.“

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