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Saar-Umweltminister sucht ehrenbamtliche Fliegenfänger

Biodokumentation : Umweltminister sucht ehrenamtliche Fliegenfänger

Umweltminister Reinhold Jost (SPD) sucht dringend Fliegenfänger. Und das ist kein Witz. Das Umweltministerium wäre froh, wenn sich jemand ehrenamtlich – quasi im Staatsauftrag – auf Fliegenjagd begeben würde.

Das sagt Andreas Werno vom Zentrum für Biodokumentation des Ministeriums in Reden. Er erarbeitet mit Kollegen gerade die Rote Liste 2020, die kurz vor der Veröffentlichung steht und einen kompletten Überblick über die im Saarland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten gibt. „Dabei helfen uns ehrenamtliche Naturbeobachter, die sich auf bestimmte Arten konzentrieren und dann in unserem Auftrag Beobachtungen durchführen. Leider haben wir gar keinen Bearbeiter für die Gruppe der Fliegen. Die Mücken gehören da gar nicht dazu, die sind wieder etwas Eigenes“, sagt der Experte, der 100 Naturbeobachter auf seiner Liste hat. „Die meisten haben aber an der Roten Liste 2010 mitgearbeitet und stehen aus Altersgründen bald nicht mehr zur Verfügung. Wir suchen dringend Naturbeobachter und haben daher Kurse ausgeschrieben. Der erste widmet sich der Höhlenfauna, wozu wir mit den Teilnehmern in Reden einen begehbaren Kanal untersuchen werden. In der Hoffnung, dass die angeleiteten Laien danach selbst Beobachtungen machen und an das Zentrum melden. Zum Einfangen von Insekten und zum Betreten von Naturschutzgebieten bekommen die Naturbeobachter Ausnahmegenehmigungen des Ministeriums. Denn ohne die dabei gewonnenen Daten kann die Rote Liste nicht erstellt werden“, sagt Werno.

Einführungskurse gibt es für Wanzen, Vögel, Fledermäuse, wirbellose Wassertiere und Säugetiere. „Natürlich melden uns Jäger viele Tiere, aber welcher Jäger interessiert sich schon für Mäuse“, sagt Werno, der dringend Daten zu Wieseln, Iltis, Hermelin, Mäusen oder Baummardern (nicht Steinmardern) benötigt. Baummarder seien so selten, dass Sichtungen sogar an die EU gemeldet würden. Ausgestorben seien die Tiere aber noch nicht.

Gut untersucht seien die Schmetterlinge, wo man im Saarland 50 neue Arten in der neuen Roten Liste habe. Einige seien wiederentdeckt, zwei davon sogar ganz neu eingewandert. „Die Artenzahl ist im Saarland stabil, nur die Anzahl der Individuen geht zurück. Auch gibt es enorme lokale Unterschiede. Dabei spielt auch der Klimawandel eine große Rolle, vor allem an der Mosel, wo von Süden her durch das warme Flusstal Falter einwandern.“ Sensationell sei ein Minifalter, den es deutschlandweit nur in Perl gebe: die Ginsterminiermotte, die knapp über zwei Millimeter winzig ist. Ohne die Naturbeobachter hätte das Ministerium jedoch keine Chance, die Artenzahl im Saarland im Auge zu behalten und Gefährdungen zu erkennen.

Die Kurse für angehende Naturbeobachter beginnen zurzeit. Informationen unter www.delattinia.de