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Saar-Bildungsministerin: Schoah gehört zur deutschen Identität

Wider dem Antisemitismus : Saar-Bildungsministerin: Schoah gehört zur deutschen Identität

Jede Generation hat nach den Worten der saarländischen Bildungsministern Christine Streichert-Clivot (SPD) die moralische und politische Aufgabe, dass sich Auschwitz nicht wiederholt.

„Zu dieser Verantwortung gehört es, aus unserer Geschichte zu lernen – das heißt, auch die Vergangenheit in Beziehung zur Gegenwart zu setzen und Lehren daraus zu ziehen“, betonte sie bei einer Lehrerfortbildung in Saarbrücken. „Darum sind die Schoah und die Zeit des Nationalsozialismus nicht nur Teil unserer Geschichte, sondern auch Teil unserer deutschen Identität, wenn man diesen Begriff jetzt mal so verwendet.“ Und: „Nach fast acht Jahrzehnten können wir die Geschehnisse und die Funktionsweise des Holocausts als industriellen Massenmord zwar erklären, ob wir ihn aber jemals verstehen können – das bleibt fraglich“, sagte die SPD-Politikerin. „Wenn wir also nur erklären, aber nicht verstehen können, wie sollen wir dann im Jahr 2020 daran erinnern?“

Junge Menschen könnten immer weniger auf Zeitzeugen zurückgreifen. Die Erinnerungsarbeit dürfe für sie keine Belastung sein, sondern es müsse eine Form von Forscherdrang entstehen, sich mit den Umständen auseinandersetzen zu wollen, erklärte Streichert-Clivot bei dem Lehrkräfteseminar „Antisemitismus und Schule“ des Landesinstituts für Pädagogik und Medien sowie des Instituts für Lehrerfort- und -weiterbildung, welches im Oktober auch eine zehntägige Fortbildungsreise zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und Begegnungsstätte Givat Haviva in Israel vorsieht. Dabei gehe auch darum, Kontakte zwischen Schulen aufzubauen.

Der Beauftragte des saarländischen Landtags für jüdisches Leben im Saarland und gegen Antisemitismus, Roland Rixecker, verglich Antisemitismus mit einer Viruserkrankung. Ein Virus bedrohe erst die Gesundheit eines Einzelnen, dann eine Gesellschaft, und dann beschränke es die Freiheit. Die Immunabwehr versage, weil sie sich an keinen früheren Befall erinnere. „Wir brauchen nichts anderes als Antikörper, die durch Erinnerung gebildet werden“, betonte Rixecker. „Es geht nicht um Archäologie, sondern um Gegenwart und Zukunft der Menschenwürde und Freiheit.“

Zudem appellierte er an die staatlichen Institutionen, mehr Sensibilität zu zeigen. Es bedürfe einer „gewissen Erfrischung“ bei der Definition, was Verletzungen jüdischer Menschen seien. Wenn Polizeibeamte oder Staatsanwälte von einer alltäglichen Sachbeschädigung sprächen, treffe das nicht zu, wenn es etwa um die Zerstörung eines Kranzes zum Holocaust-Gedenktag gehe. Die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sei mit das wichtigste Instrument für Menschenrechte. Mit ihr beginne die Gestaltung der Zukunft, sagte Rixecker. Wenn man über Antisemitismus und Menschenhass spreche, zeige das symbolisch, dass man sich an die Seite der Bedrohten stelle. „Das ist wichtig, es wirkt.“

(epd)