1. Saarland
  2. Saarbrücken

Rund 140 Corona-Leugner und Querdenker demonstrieren in Saarbrücken

Kundgebungen am Samstag vor Staatstheater und Congresshalle : „Querdenker“ demonstrieren wieder in Saarbrücken

Die Querdenker verbuchen ihre Kundgebungen in Saarbrücken am Samstag als vollen Erfolg. In Trier wurden sie jedoch nicht so warm empfangen. Darüber beschwerten sich die Aktivisten lautstark.

Am Samstag protestierten in Saarbrücken bei zwei Veranstaltungen je etwa 70 Personen gegen die Corona-Maßnahmen. Die Gruppe „Querdenken 681“ hielt um 17 Uhr vor dem Staatstheater eine Kundgebung ab. Anschließend hatte die „Frauenbustour“ für 18 Uhr eine Demo vor der Congresshalle angekündigt. Dabei handelt es sich um eine den Querdenkern nahestehende Gruppe um Eva Rosen, stellvertretende Vorsitzende der Kleinst-Partei „Wir2020“, welche die Corona-Maßnahmen ablehnt. So behauptete Rosen in einem ihrer Redebeiträge dann auch, Corona sei „nicht schlimmer als die Grippe“. Ein weiterer Redner sprach in einer Videobotschaft nach der Veranstaltung von einer „Plandemie“.

Im Laufe der knapp eineinhalbstündigen Veranstaltung relativierten die Organisatoren immer wieder die durch Corona verursachten Todesfälle. Laut Website ist die Bustour für „Wahrheit, Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit“ unterwegs. In Saarbrücken waren die Veranstalter sichtlich bemüht, diesen Eindruck mit Kerzenlicht und Weihnachtsliedern aufrecht zu erhalten. Im Kontrast dazu attackierten sie mehrmals die Stadt Trier, bei der die Tour am selben Tag Station gemacht hatte. Dort hatte der Verein „Für ein buntes Trier“ zur Gegendemo aufgerufen. Anwesend waren neben Vertretern der Grünen und der Linken auch Mitglieder des Ortsbeirats und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Erwähnung fand bei der Organisatoren der Frauenbustour jedoch nur die Antifa, die sie als „wahre Faschisten“ bezeichneten. Sie behaupteten außerdem, die Gegendemonstranten seien „gekauft“ – ein bekannter rechter Verschwörungsmythos.

Laut Janko Williams, der zum „Anwaltsteam“ der Tour gehört, in Wahrheit aber nur Wirtschaftsjurist ist, sei die Tour in Trier von „einer unglaublich korrupten Polizei“ empfangen worden, die die Gegendemonstration gemeinsam mit der Antifa veranstaltet hätte. Er beklagte vor allem die angeblichen Beleidigungen durch die Gegendemonstranten. „Wir wurden als Antisemiten und Rassisten beschimpft. Wenn wir so etwas sagen würden, bekämen wir sofort eine Anzeige“, sagte er. Tatsächlich kursiert auf Facebook ein Clip, in dem Eva Rosen den Gegendemonstranten in Trier Worte wie „Faschisten“ und „Rassisten“ entgegen schleudert.

In ihrer später veröffentlichten Videobotschaft wiederholten die Verantwortlichen diese Behauptungen und fügten noch einige hinzu. So seien Fotografen der Antifa anwesend gewesen, die „die Hintern der Frauen“ der Bustour fotografiert hätten. Während des Koordinationsgesprächs mit der Stadt sei zudem noch keine Gegendemo angemeldet gewesen. „Da stellt sich natürlich schon die Frage, ob da in der Verwaltung alles rechtens hergeht. Es liegt sehr nahe, dass hier Korruption im Spiel ist“, erklärt Williams und kündigte eine Dienstaufsichtbeschwerde an. Außerdem sei im Auflagenbescheid für ihre Veranstaltung ein Passus enthalten gewesen, mit dem das Vermummungsverbot, das eigentlich für Demonstrationen gilt, aufgehoben wurde. So etwas habe er noch nie gesehen, so Williams, und die Tour habe dies auch nicht beantragt. „Es liegt natürlich nahe, dass dies für die Antifa gemacht wurde.“ Die Gruppe werde dies „rechtlich aufarbeiten“.

Triers Ordnungsdezerent Thomas Schmitt reagiert auf Nachfrage sehr verärgert auf diese Unterstellungen. „Diese Regelung besteht  seit Wochen für Demos“, stellt er klar - und zwar nicht nur für Veranstaltungen der Querdenker. Hintergrund sei, dass bei Versammlungen Maskenpflicht herrsche. Um das zu gewährleisten, sei nun mal eine formale Aufhebung des Vermummungsgebots nötig, da die Mund-Nasen-Bedeckung sonst als Vermummung aufgefasst werden könnte. Dieser Zusammenhang ginge aus dem Wortlaut des Auflagenbescheids klar hervor. Angesprochen auf den Vorwurf der Korruption erklärt er, dass eine Gegendemo nichts ungewöhnliches sei. Diese könne logischerweise erst dann angemeldet werden, wenn die eigentliche Demo feststeht. Einem möglichen Rechtsstreit sieht er gelassen entgegen. (Update 24. Januar: Wie Ordnungsdezernent Thomas Schmitt auf Nachfrage mitteilte, sei von Seiten der „Frauenbustour“-Veranstalter nicht mehr versucht, die Stadt Trier zu belangen. Das Video, das die Unterstellungen gegen die Stadt enthält, ist inzwischen nicht mehr verfügbar, liegt der SZ aber vor.)

Beim Koordinationsgespräch seien die Verantwortlichen im Übrigen gebeten worden, Trier bei der Tour auszulassen. In Hinblick auf den Schock, den Trier mit der Amokfahrt am 1. Dezember erlebt hat, sei eine solche „konfliktanfällige“ Veranstaltung unpassend. Offensichtlich war das den Organisatoren aber egal - laut Schmitt erklärten sie, dass sie den Tourplan nicht ändern können.

In Saarbrücken fühlten sich die Querdenker dagegen sehr wohl, wie sie anschließend in ihrer Videobotschaft erklärten. Die Demo sei „Balsam für die Seele“ gewesen und hätte sie für die Erlebnisse in Trier entschädigt. „Das hat mir unheimlich viel Kraft gegeben“, freut sich eine der Organisatorinnen. Auch im Telegram-Chat der Tour feierten die Fans den „vollen Erfolg“. „Bald demonstrieren wir vor eurer Haustüre. Ihr werdet nirgends mehr sicher sein“, schreibt einer.

Eine „Störung“ hat es in Saarbrücken aber ebenfalls gegeben gegeben - ein Mann mit Megafon, der die Kundgebung vor der Congresshalle unterbrach. „Ihr geht hier Leute auf dem Leim, die Hass und Hetze propagieren“, teilte er den Querdenkern mit, bevor die Polizei einschritt. Polizeisprecher Stephan Lassotta zufolge erwarte den Mann nun eine Anzeige.

Ohne Konsequenzen blieben dagegen die zahlreiche Verstöße gegen die Maskenpflicht, obwohl die Polizei bei beiden Veranstaltungen mehrmals darauf hingewiesen hatte. Auch an der Congresshalle wurde diese Auflage von den Veranstaltern durchgegeben. Viele, darunter auch Mitglieder der Tour, hielten sich allerdings bis zum Schluss nicht daran. Man habe da nichts machen können – laut Lassotta hätten die Personen Atteste vorgelegt.