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Ludwigspark-Stadion: wichtiges Treffen am Donnerstag
Rückkehr mit weniger Platz für FCS-Fans

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Saarbrücken. Ludwigspark-Stadion: Polizei kann sich Spielbetrieb in Baustelle vorstellen. Am Donnerstag ist ein wichtiges Treffen. Von Marcus Kalmes

Gute Nachricht für Fans des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken: Am kommenden Donnerstag könnte ein wichtiger Schritt in Richtung Heimkehr vom Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion ins Ludwigspark-Stadion gemacht werden. Dann findet der nächste „Jour Fixe“ statt. So nennt man fest vereinbarte, regelmäßige Termine. Am 19. Oktober hatte der Verein in einem solchen Treffen ein Szenario für den Spielbetrieb im Ludwigspark-Stadion nach der Winterpause vorgestellt. „Ob das Szenario realisierbar ist, bedarf noch intensiver Abstimmungen mit den Sicherheitsbehörden“, sagt Robert Mertes. Er ist Sprecher der Stadt Saarbrücken, die Eigentümerin des Ludwigspark-Stadions ist. Das wird umgebaut und ist eine Baustelle (siehe Bericht Seite C1). „Wir möchten so schnell wie möglich in den Ludwigspark zurück. Wann das sein wird, ist abhängig von der Überprüfung durch die Stadt“, erklärt Christian Seiffert vom FCS: „Nach dem nächsten Treffen wissen wir mehr.“



Mit den Vorstellungen des 1. FC Saarbrücken haben sich Fachleute in einem „Jour Fixe“ am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit dem Club befasst. Mertes sagt: „Von drei Varianten konzentriert man sich nun auf eine. Das ist das Ergebnis des Termins. Hierzu findet am 16. November ein Gespräch mit Verein, Polizei, Feuerwehr sowie Stadionplanern und Bauleitung statt.“ Bei dem Treffen sollen „grundlegende Sicherheitsanforderungen und Auswirkungen auf den Bauablauf für das vom Verein vorgeschlagene Szenario besprochen werden. Auch muss abgestimmt werden, dass das Szenario mit der bestehenden Baugenehmigung vereinbar ist. Auf dieser Basis sei dann vom 1. FC Saarbrücken ein Sicherheitskonzept zu entwickeln, für das die Liga grünes Licht geben muss, und dessen Kosten der Verein trägt“.

Zu Gast in der SZ-Redaktion: Frank Schmelczyrsch (links) leitet bei der saarländischen Polizei die Dienststelle Sport und Gewalt, Polizei-Direktor Frank Mink ist der Landesverantwortliche für den Bereich Fußball.
Zu Gast in der SZ-Redaktion: Frank Schmelczyrsch (links) leitet bei der saarländischen Polizei die Dienststelle Sport und Gewalt, Polizei-Direktor Frank Mink ist der Landesverantwortliche für den Bereich Fußball. FOTO: Iris Maria Maurer

Im Ludwigspark-Stadion steht nur noch die Victor‘s-Tribüne. Alle anderen Tribünen wurden abgerissen. Das vom FCS angestrebte Szenario scheint: Die Victor‘s-Tribüne wird so umgestaltet, dass darauf Blöcke für Heim- und Gästefans entstehen. Diese werden durch eine Pufferzone voneinander getrennt. Seiffert bestätigt: „Wir können uns das vorstellen.“ Das Problem: „Wir brauchen für die Zulassung für die Regionalliga 5000 Plätze.“ Die Vortribüne an der Victor‘s-Tribüne „wurde aber teilweise abgerissen. Genaue Zahlen von noch zur Verfügung stehenden Plätzen liegen uns noch nicht vor“, berichtet Seiffert. Fakt ist: So lang im Ludwigspark-Stadion keine neue Tribüne gebaut ist, stehen im Vergleich zum Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen weniger Plätze zur Verfügung. Dort sind derzeit 6806 Zuschauer zugelassen.

Wenn die Experten bei der Stadt Saarbrücken zu dem Schluss kommen, dass die Vorstellungen des Vereins für den Spielbetrieb im Stadion während der Bauphase umsetzbar sind, muss der FCS ein Sicherheitskonzept erarbeiten. Dieses wird dann von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst bewertet. Die Polizei steht der Rückkehr des FCS in sein Heimatstadion grundsätzlich positiv gegenüber. „Es gibt keine strikte Verweigerungshaltung“, sagt Frank Mink. Der Polizei-Direktor ist der Landesverantwortliche für den Bereich Fußball. Er erklärt: „Erst muss aber das Grundgerüst stehen, damit wir es beurteilen können.“

Mink verweist mit Blick auf die Nutzung der Victor‘s-Tribüne darauf, dass es im Hermann-Neuberger-Stadion auch nur eine durchgehende Tribüne gibt. Probleme könnten im Ludwigspark-Stadion offene Bereiche in der Baustelle bereiten. So müssten zum Beispiel Zäune mit Planen abgehängt werden, damit kein Zuschauerbereich außerhalb des Stadions entsteht. Und damit niemand durch den Zaun Wurfgeschosse greifen kann. Zudem sei es für die Polizei wichtig, bei einem Spielbetrieb während der Bauphase einen festen Ansprechpartner zu haben, der am Spieltag alle Fragen beantworten und Probleme lösen könne. Und es dürfe nicht so sein, dass man alle zwei Wochen bei einem Heimspiel ins Ludwigspark-Stadion komme und bemerke: „Hoppla, die Baustelle ist ja doch nicht aufgeräumt.“

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In die Zuständigkeit von Mink fällt die Fachdienststelle Sport und Gewalt. Deren Leiter ist Frank Schmelczyrsch. Der Organisationseinheit stehen acht hauptamtliche Beamte und zehn nebenamtliche zur Verfügung. Beamte im Nebenamt heißt, dass diese Polizisten in anderen Dienststellen arbeiten und bei Bedarf angefordert werden.

Die Belastung der Einheit ist an Wochenenden hoch. Zwei der drei Regionalligisten FCS, SV Elversberg und Röchling Völklingen haben an einem Wochenende ein Heimspiel. Wird dabei eine Hundertschaft benötigt, muss diese oft von außerhalb angefordert werden. Bundesländer stellen sich dies dann gegenseitig in Rechnung. Der Pauschalbetrag für Personal- und Sachkosten beträgt 58,90 Euro je Stunde.

Bei FCS-Heimspielen waren in der vergangenen Saison im Schnitt 73 Polizisten im Einsatz. Sie leisteten 14 182 Einsatzstunden. Das kostete den Steuerzahler 835 319,80 Euro. Die Zahlen haben sich seit der Saison 2013/2014 kontinuierlich verringert. Damals waren im Schnitt 172 Beamte pro FCS-Heimspiel im Einsatz. Sie leisteten 25 686 Einsatzstunden, was das Land 1 512 905  Euro kostete (siehe Grafik).

Je nach Gefährdungslage sind bei einem Heimspiel des FCS „zwischen vier und 400 Einsatzkräfte im Einsatz“, sagt Mink. Schmelczyrsch erstellt mit seiner Dienststelle Gefährdungsanalysen. Danach gibt es Grün-Spiele, Gelb-Spiele und Rot-Spiele. Ein Grün-Spiel bedeutet, dass keine Störungen erwartet werden. Bei einem Gelb-Spiel sind Störungen nach Ansicht der Polizei möglich. Und ein Spiel wird in die Kategorie Rot eingestuft, wenn Störungen – also Randale – sicher erwartet werden. Die Paarung FCS gegen Waldhof Mannheim wird zum Beispiel als Rot-Spiel eingestuft.

Auch im Hinblick auf die Gefährdungslage muss das Sicherheitskonzept des 1. FC Saarbrücken für eine Rückkehr ins Ludwigspark-Stadion passen. „Der FCS lebt von seinen Fans. Diese sind überwiegend friedlich. Ein bis zwei Prozent sind erlebnisorientierte Fans“, berichtet Schmelczyrsch. Mink erklärt: „Ein Revival der Hooligans gibt es bei uns nicht. Die Hooligan-Szene ist generell rückläufig. Pyro-Technik bringt nun den Event-Charakter mit sich.“ Das Problem Pyro-Technik ist in Saarbrücken ein bekanntes.

Schmelczyrsch und seine Leute sind vor und nach Spielen für Aufklärung und Austausch unter Behörden zuständig. Im Stadion, wo meist die Pyro-Technik gezündet wird, ist „ein ausreichend leistungsfähiger Sicherheitsdienst wichtig“, erklärt Mink: „Der Verein als Veranstalter trägt die Verantwortung für die Zuschauer.“ Deshalb seien die vom Sicherheitsdienst vorgenommenen Einlasskontrollen wichtig. Insbesondere, wenn Spiele wie im Ludwigspark-Stadion auf einer Baustelle stattfinden sollen. Beim Verstecken der Pyro-Technik seien Fans clever. Beim Zünden vermummen sie sich. Schmelczyrsch erklärt, dass bei einem Verstoß gegen das Vermummungsverbot bis zu 4000 Euro Strafe fällig werden. Um Störenfriede im Stadion identifizieren zu können, ist eine gute Videoüberwachung nötig. Für die ist nicht die Polizei, sondern der Stadionbetreiber oder -nutzer zuständig.

Apropos Nutzer: Der FCS nutzt das städtische FC-Sportfeld. Er will, das es von der Stadt per Erbaurechtvertrag an den Club übergeht. Der Buchwert des FC-Sportfeldes: 1,4 Millionen Euro. Zu welchen Bedingungen es übertragen werden könnte, muss laut Stadt besprochen und vom Stadtrat entschieden werden.