Rotes Kreuz hat neue Bereitschaft im Saarbrücker Westen aufgestellt.

Ehrenamtliche Retter : Das Rote Kreuz erfindet sich jetzt neu

Wie eine Hilfsorganisation sich im Regionalverband gegen schwindende Mitgliederzahlen und Überalterung wappnet.

Es geschieht beim Mittelaltermarkt im Deutsch-Französischen Garten: Eine Standbetreiberin verrenkt sich den Fuß. Schmerz rast durchs Bein, lässt nach, verschwindet aber nicht. Mit kühlem Wasser ist es nicht mehr getan. Raus aus dem Mittelalter. Rein in die Neuzeit. Ins weiße Zelt des Roten Kreuzes.

Sanitäter schauen sich an, was passiert ist. Sie versorgen die Verletzte mit allem, was die Schmerzen sachgerecht lindert. Wieder mal geholfen. Wieder ein Sanitätsdienst, der Schlimmeres verhütet hat.

Für solche Einsätze – und viel größere Herausforderungen – hat das Rote Kreuz seine Helfer in einem großen Teil der Stadt vor einigen Tagen neu aufgestellt. Bereitschaft 2 Saarbrücken West heißt die Retter-Gemeinschaft, hervorgegangen aus den Bereitschaften Gersweiler-Altenkessel und Burbach-Klarenthal.

In solchen Bereitschaften bündelt das Rote Kreuz seine Fähigkeiten, Menschen in Not zu helfen. Sei es mit Rettungskräften vom Sanitäter bis zum Techniker oder dem jeweils nötigen Material von der rollenden Küche bis zum Rettungszelt samt medizinischer Innenausstattung. Dafür müssen in Zeiten, in denen dem Roten Kreuz, wie fast allen Hilfsorganisationen, der Nachwuchs fehlt, genug Leute da sein. Ob beim Saar-Spektakel oder nach dem Unwetter in Kleinblittersdorf.

Sven Schnabel und Nicole Spath leiten die neue Bereitschaft. Dabei ist Schnabel (46), von Beruf Ingenieur bei Saarstahl, überhaupt erst seit drei Jahren dabei. Er hält die Zusammenarbeit der Rotkreuz-Ortsvereine im Westen in der nun größeren Bereitschaft für das Beste. „Es ist ein großer Schritt für alle Vereine, diesen Weg zu gehen. Unser Ziel war es, bereits vorher Aufklärung zu betreiben, was mit einer größeren Bereitschaft möglich ist.“ Die wird etwa 50 Helfer umfassen und entsprechend besser auf Herausforderungen antworten können als die kleineren Vorgängerteams.

Basis ist für Schnabel immer noch die Freude am Ehrenamt. Er zeigt sich als Mann mitten im Berufsleben genauso vom Roten Kreuz begeistert wie der 19 Jahre alte Fabian Meyer aus dem Ortsverein Gersweiler-Ottenhausen. Der arbeitet sich gerade im Freiwilligen Sozialen Jahr weiter in die Welt der Helferberufe hinein.

Schnabel schloss sich dem Roten Kreuz an, als er sah, was die Hilfsorganisation 2015 über Wochen nonstop für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leistete.

Meyers Begeisterung weckten die Krankenwagen, die sich mit Blaulicht und Martinshorn den Weg zu Menschen in Not bahnten. So was wollte er auch können, fing im Jugendrotkreuz an, erlernte Schritt für Schritt Retterwissen, übernahm Verantwortung.

Zum Beispiel nach dem katastrophalen Gewitter, das Teile Kleinblittersdorfs verwüstete. Damals stärkte Meyer Feuerwehrleute und andere Helfer im kräftezehrenden Einsatz mit Essen und Getränken. Tatkraft, Teamgeist und das passende Gerät zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Deswegen ist Meyer beim Roten Kreuz, schwärmt er von der Aufbruchstimmung in seinem Ortsverein Gersweiler-Ottenhausen, wo es wieder Rotkreuz-Nachwuchs gibt.

Etwas, das in anderen Teilen des Regionalverbandes nicht mehr selbstverständlich ist, wie Kreisbereitschaftsleiter Marco Haß weiß. So seien in den großen Stadtteilen Burbach und Malstatt Neueintritte wichtiger denn je.

Er kam in den späten Achtzigern hinzu, wie Meyer angelockt von schnellen Rettungswagen, der Sehnsucht, zu Menschen in Not zu eilen. 31 Jahre lässt er nun schon Träumen Taten folgen und lernt viel dabei.

Frustmomente kennt er wie Schnabel: Das Pöbeln gegen Rettungskräfte, blöde Anmache, Wurfgeschosse. Das nervt. Aber es hält die beiden nicht vom Helfen ab. Sie hoffen, dass sich die noch 1200 Mitglieder im Regionalverband ihre Begeisterung bewahren. So wie Fabian Meyer: „Ich träume von einem Roten Kreuz, das sich immer wieder neu erfindet.“ Am Donnerstag, 19 Uhr, wartet die Wirklichkeit, das nächste Treffen. „Gersweiler, Dachsweg 3“, sagt Meyer. Und er lässt es wie eine Einladung klingen.