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Zum Bundesfreiwilligenjahr nach London

Riegelsberg. Im September tritt Kathrin Hansen ihren Freiwilligendienst in Großbritannien an. Die 18-Jährige arbeitet schwerpunktmäßig in der Wiener Library in London. Diese wurde 1933 vom jüdischen Flüchtling Alfred Wiener gegründet. Monika Jungfleisch

Schon von Kindesbeinen an interessiert sich Kathrin Hansen für die deutsche Geschichte. Speziell die Zeit des Nationalsozialismus hat es ihr angetan. "Wie kann ich einen Beitrag dazu leisten, dass diese schlimme Entmenschlichung in unserer Gesellschaft nicht wieder um sich greift? Was kann ich konkret gegen rechtsextremistische Einstellungen und Vorurteile gegenüber anderen Kulturen und Religionen tun?"


Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Riegelsbergerin, die gerade ihr Abitur am Deutsch-Französischen Gymnasium in Saarbrücken machte. Der Zufall will es, dass die 18-Jährige im Rahmen eines Berufsforums an ihrer Schule in Kontakt kam mit der gemeinnützigen Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF).

Die Organisation betrachtet es als ihre Pflicht, sich mit dem Nationalsozialismus und dessen Verbrechen auseinander zu setzen, um dies als Grundlage für ein konkretes humanes Handeln in der Gegenwart zu nutzen. Da die spürbaren Folgen des Nationalsozialismus nur durch einen intensiven Dialog überwunden werden können, strebt Aktion Sühnezeichen Friedensdienste eine Verständigung zwischen den Religionen, Kulturen, Generationen und Völkern an.



"Ich war sofort von den unterschiedlichen Projekten der ASF begeistert", erzählt die Schülerin. "Hier wurde mir die Möglichkeit aufgezeigt, mein Interesse an geschichtlicher Bildung und an der Arbeit mit älteren Menschen unter einen Hut zu bringen." Auf ihre Bewerbung folgte ein Auswahlgespräch, und vor wenigen Tagen kam die Zusage: Kathrin Hansen kann ab September ihren Freiwilligendienst bei der ASF in Großbritannien antreten.

"Ich werde im Rahmen meines Projektes primär in der Wiener Library in London arbeiten. Diese wurde 1933 vom jüdischen Flüchtling Alfred Wiener gegründet, da dieser bei seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg dem wachsenden Antisemitismus in Deutschland fassungslos gegenüber stand. Die Aufgabe der Wiener Library ist es, Mahnmal zu sein und durch Bildung das Bewusstsein für Fremdenfeindlichkeit und Genozide zu stärken. Meine Arbeit wird im Archiv stattfinden. Weiter werde ich in einem Projekt der Association of Jewish Refugees (AJR, Verband der jüdischen Flüchtlinge ) in London tätig sein. Dort werde ich auf Opfer der NS-Verfolgung treffen, die nach 1933 nach Großbritannien gekommen sind, sowie deren Familienmitglieder."

Mit ihrem Freiwilligendienst hofft Kathrin Hansen, das Bewusstsein für den Holocaust zu stärken und gleichzeitig dessen Opfer unterstützen zu können. "Ich finde es gerade heute wichtig, sich mit Hilfe von Bildung und Aufklärung gegen den Rechtsextremismus und den Fremdenhass zu stellen, da die Vergangenheit uns ein mahnendes Beispiel sein muss und Fremdenfeindlichkeit nur zur Zerrüttung der Gesellschaft führt."

Zum Thema:

Hintergrund Für ihre Zeit bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste hat sich Kathrin Hansen verpflichtet, 15 Paten zu suchen, die für das Jahr ihres Aufenthalts der Aktion monatlich mindestens 15 Euro spenden. Wer helfen will, kann Kontakt aufnehmen unter: kathrinhansen.gb@web.de mj