Zivis hinterlassen Lücke

Köllertal. Das Knappschaftskrankenhaus Püttlingen hat Jahrzehnte auf die Hilfe Zivildienstleistender (Zivis) vertraut. "Im Schnitt waren das immer fünf bis zwölf Stellen in der Haustechnik und eine bis drei Stellen in der Pflege", so Markus Schramm, Pressesprecher des Krankenhauses. Damit ist erst mal Schluss. Die letzten Zivis beenden jetzt ihren Dienst im Püttlinger Krankenhaus

Köllertal. Das Knappschaftskrankenhaus Püttlingen hat Jahrzehnte auf die Hilfe Zivildienstleistender (Zivis) vertraut. "Im Schnitt waren das immer fünf bis zwölf Stellen in der Haustechnik und eine bis drei Stellen in der Pflege", so Markus Schramm, Pressesprecher des Krankenhauses. Damit ist erst mal Schluss. Die letzten Zivis beenden jetzt ihren Dienst im Püttlinger Krankenhaus. Geht es nach den Vorstellungen des Gesetzgebers, sollen sie durch "Bufdis" ersetzt werden. Gemeint ist der neue Bundesfreiwilligendienst (BFD), der neuerdings auch von älteren Menschen geleistet werden kann. Vom Prinzip her eine gute Idee, unterdessen fehlt es der Klinik an Bewerbern für den BDD. Der Ausfall dieser, für den reibungslosen Betrieb der Einrichtung, unerlässlichen Hilfskräfte werde mittlerweile über reguläre Beschäftigungsverhältnisse ausgeglichen, so Schramm.Christoph Mittmann, Rektor der Förderschule "Körperliche und motorische Entwicklung" (der früheren Körperbehindertenschule) Püttlingen hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Seinen 137 Schülern standen zeitweise bis zu neun Zivis zur Seite. "Vor den Osterferien standen wir vor der Situation, noch keine einzige Bewerbung für den Bundesfreiwilligendienst vorliegen zu haben", so Mittmann. Dies mag auch an der noch unsicheren sozialen Absicherung der Bufdis liegen, sind doch viele Fragen in Sachen Kindergeld, Bezahlung und Krankenversicherung offensichtlich noch ungeklärt. Bei dem immer noch bestehenden Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) seien diese Dinge wesentlich besser eingespielt, so dass die Nachfrage nach solchen Stellen deutlich höher sei, betont Mittmann, dessen Schule folgerichtig derzeit neun FSJ'ler beschäftigt.

Jürgen Nieser, Pressesprecher der Arbeiterwohlfahrt Saar, macht ebenfalls einen landesweiten Trend zum FSJ aus, der für Jugendliche und deren Eltern wesentlich transparenter sei als der neue Dienst. Landesweit stünden derzeit etwa 100 FSJ-Stellen lediglich 50 Bufdi-Stellen gegenüber, teilt Nieser mit. Allerdings habe sich mittlerweile auch herumgesprochen, dass der BFD altersoffen ist, so dass die Awo mittlerweile fünf Bufdis über 60 Jahre beschäftige, so Nieser.

Die Awo Saar, die beispielsweise in allen drei Köllertal-Kommunen große Senioren- und Pflegeheime unterhält, müsse sich jedenfalls derzeit keine Gedanken über unbesetzte Freiwilligenstellen machen, resümiert Nieser: "Wir haben uns gut vorbereitet und sind nicht in ein Loch gefallen."

Ähnlich äußerte sich gegenüber der SZ auch Hans Wax von den "Sozialen Lerndiensten", die gemeinsam vom Caritasverband und dem Bistum Trier getragen werden. Wenngleich auch hier dem BFD ein "etwas holpriger Start" bescheinigt wird, registriert Wax ein wachsendes Interesse an dieser neuen Dienstform. Wichtig wäre es, aus seiner Sicht, die Rahmenbedingungen klarer zu regeln. Dann würde der BFD sowohl für junge als auch für ältere Interessenten, etwa auch Arbeitslose, zur bedenkenswerten Alternative zum FSJ. Wax: "Junge können sich hier soziale Kompetenzen aneignen und Erwachsene ihre ganze Lebenserfahrung in den Sozialdienst einbringen."

Viele Internet-Adressen beschäftigen sich mit dem neuen Freiwilligendienst - hier nur drei ausgewählte Web-Seiten:

bundesfreiwilligendienst.de

awo-freiwillich.de

soziale-lerndienste.de