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Zeitzeugin beeindruckt Riegelsberger Schüler mit Bericht über Nazi-Zeit

Witwe berichtet über das Leben von Alex Deutsch : „Alpträume haben ihn immer begleitet“

Zeitzeuge Alex Deutsch berichtete viele Jahre in Schulen über die Nazi-Zeit. Seine Witwe führt dieses Engagement fort.

Zeitzeugen, die über die Verbrechen im Dritten Reich berichten können, werden immer seltener. Sie sterben und nur wenige von ihnen hinterlassen den nachfolgenden Generationen Schriftstücke, Tagebücher oder Filme, mit denen sie ihre ganz persönlichen Erlebnisse schildern können.

Einer dieser Zeitzeugen, der über seine Zeit im Konzentrationslager und sein Leben danach berichten konnte, war Alex Deutsch. Er überlebte die Folter, die Erniedrigungen und die Zwangsarbeit im KZ Auschwitz, den Todesmarsch kurz vor Kriegsende nach Gleiwitz, den Transport ins KZ Buchenwald, und er erlebte am 20. April 1945 die Befreiung durch die Amerikaner.

Zeit seines Lebens ging Deutsch als Zeitzeuge in Schulen und berichtete von seinem Schicksal als deutscher Jude während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei warb er für Mitmenschlichkeit und Toleranz und wies kollektive Schuldzuweisungen zurück. 2011 starb Alex Deutsch im Alter von 97 Jahren. Seine Witwe Doris Deutsch führt sein Vermächtnis fort und stellt sich als „Zeitzeugin eines Zeitzeugen“ den Fragen von Schülern.

So auch vor wenigen Tagen, als die 82-Jährige auf Einladung von Geschichtslehrerin Christine Conrad zu Gast in der Leonardo-Da-Vinci-Gemeinschaftsschule in Riegelsberg war. Zunächst sahen die Neuntklässler einen Film über das Leben von Alex Deutsch, den Celine Grasse vom Adolf-Bender-Zentrum mitgebracht hatte. Die klaren Worte, in denen Alex Deutsch in dem Film über sein Leben und seine Mission sprach, gingen vielen Schülerinnen und Schülern unter die Haut. Mucksmäuschenstill war es in der Klasse, die Betroffenheit war greifbar.

„Wie ihr Mann seine Erfahrungen im KZ verarbeitet hat, ob er Albträume oder Rachegefühle gegenüber den Deutschen hatte“ waren einige der Fragen, die nach dem Film auf Doris Deutsch einprasselten. „Verarbeiten konnte er die schrecklichen Bilder, die er vor Augen hatte, dadurch, dass er viel darüber geredet hat. Die Aufklärung über die damalige Zeit war wie eine Therapie für meinen Mann. Es hat ihm geholfen, wenn er merkte, dass seine Zuhörer Anteil nahmen. Albträume haben ihn bis zum Schluss begleitet.“ Er  habe oft nachts geschrien. Rachegefühle hätten ihn in seiner KZ-Zeit am Leben erhalten. „Später stimmten ihn die Erfahrungen mit Deutschen, die menschlich geblieben waren, milde. Statt sich zu rächen, wollte Alex dann lieber aufklären“, sagte Doris Deutsch. Sie beeeindruckte mit ihrer Aufgewecktheit und Offenheit.

Nach zwei lehrreichen Schulstunden übergab die gebürtige Irakerin Mariam Alwakeel im Namen der 9-er Klassen selbstgemachte Marmelade und arabische Süßigkeiten an Doris Deutsch und dankte ihr zusammen mit Christine Conrad für die sehr persönlichen Einblicke.