Zartbitter ist der beste Werkstoff

Riegelsberg. Marian Cafuta (47) designt Schokolade. Die ungewöhnlichen Kreationen werden in einer Manufaktur in Norditalien in Form gebracht. Im Café Nostalgie in Riegelsberg kann man staunen, kosten, kaufen. Im einem Raum im ersten Stock hat der frischgebackene Kaffehauschef zusammen mit seiner Frau Astrid ein Schokoladen-Zimmer eingerichtet

Riegelsberg. Marian Cafuta (47) designt Schokolade. Die ungewöhnlichen Kreationen werden in einer Manufaktur in Norditalien in Form gebracht. Im Café Nostalgie in Riegelsberg kann man staunen, kosten, kaufen. Im einem Raum im ersten Stock hat der frischgebackene Kaffehauschef zusammen mit seiner Frau Astrid ein Schokoladen-Zimmer eingerichtet. Gut zu wissen, dass es sich um Schokolade handelt. Die Geschenkpackungen in den Regalen erinnern an vieles, nur eben nicht an Schokolade. Mal liegen Salami und Käse in einem Körbchen, mal Parmesan plus Hobel. Für den Kunstfreund gibt es ein Set aus Pinsel, Farbtube und Spachtel.Es gibt goldene Wasserhähne, Nudelsortimente, sogar Schnuller. So ganz neu sieht das meiste nicht aus. Die Zangen sind ziemlich rostig, der Käse bröckelt, die Farbtube ist halb ausgequetscht, und am Pinsel klebt ein Klecks Farbe. Man staunt über die Echtheit der Nachbildung.

Ähnlich ist es wohl Marian Cafuta ergangen, als er zum ersten Mal sah, was man aus Schokolade alles machen kann. Vor fünf Jahren auf einer Oldtimermesse in Stuttgart stieß der Kaufmann, Oldtimerfan und Gebrauchtwarenhändler auf den Stand von zwei Schwestern aus Domodossolla, Chocolatiers in dritter Generation. Sie hatten Werkzeug ausgebreitet, und nur wer ganz genau hinschaute, kam hinter das süße Geheimnis. Marian Cafuta war fasziniert. "Kaffee und Schokolade, das ist es", habe er gedacht und erläutert: "Ich wollte schon lange ein Café aufmachen. Ich suchte etwas, das die Sache rund macht." Vier Wochen später fuhr er nach Domodossolla, einem kleinen Ort in Norditalien, unweit der Schweizer Grenze. Dann begann die Arbeit. Zum einen machte Marian Cafuta Vorschläge, wie man Schokoladenartikel zu Geschenkpackungen kombinieren könnte. Zum anderen peppte er den Bereich Schoko-Werkzeug ("Oldtimerfreunde sind Schrauber") durch eigene Entwürfe auf. Getrieberitzel oder auch das Farbtübchen wurden in Riegelsberg erfunden. Anderes wurde hier perfektioniert. Er schicke per Mail Bilder hin und: "Sie machen was draus", erklärt Marian Cafuta. Die Grundmodelle würden aus Silikon hergestellt.

Zartbitter aus 60 Prozent Kakao sei der beste Werkstoff, da würden sich die Feinheiten - Schriftzüge, Schlüsselnummern - klasse einpressen lassen. Jedes Detail müsse stimmen, alles müsse lesbar sein. Eben wie beim echten Werkzeug. Das sei "das Kniffelige", sagt er: "Ich bin Perfektionist."

Gut Ding will Weile haben. Drei Jahre später, 2010 beim Oldtimertreff auf dem Lebacher Maimarkt, präsentierte Cafuta Schraubenschlüssel zum Cadillac. Zwei weitere Jahre gingen ins Land, dann war das perfekte Domizil für Schokolade und Kaffee fertig. Aus einem ehemaligen Bauernhaus inklusive Dorfladen und Backstube in Buchschachen wurde das Café Nostalgie. Die Geschichte mit dem Schoko-Design geht weiter. Als nächstes schwebt Marian Cafuta "was Spezielles für Ärzte" vor. Ein Notfallköfferchen mit Schokospritze oder so.

Auf einen Blick

Das Schokoladenzimmer gehört zum Café Nostalgie in Riegelsberg gegenüber der evangelischen Kirche. Geöffnet ist Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. Montag und Dienstag sind Ruhetage. hof